KING - Coldest Of Cold

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VÖ: 22.11.2019
Bandinfo: KING
Genre: Melodic Black Metal
Label: Indie Recordings
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Lineup  |  Trackliste

Wenn man an Australien denkt, hüpfen meist Kängurus, Koalas und Angus Young durch das grauzellige Kopfkino - bei etwas extremer gepolten Hirnwindungen ist vielleicht auch mal K.K. Warslut von DESTRÖYER 666 dabei. Die Melodic Black Metaller KING hingegen dürften bis dato eher selten hinter dem Vorhang hervortreten. Dabei eilt ihnen gewissermaßen ein guter Ruf voraus, der insbesondere durch das positive Feedback zu ihrem Erstwerk "Reclaim The Darkness" (2016) befeuert und zementiert wurde. Ironischerweise war besagtes Album eine jener Veröffentlichungen, die über Jahre geduldig auf meinem Wunschzettel verweilten und niemals den Weg auf meinen Plattenteller gefunden hatten. Insgeheim war mir stets bewusst, dass dieses Versäumnis von Frevelhaftigkeit und jugendlicher Torheit zeugte und dass ein weiterer Aufschub nicht weiter geduldet werden sollte - doch ehe man sich versieht, steht bereits der Nachfolger "Coldest Of Cold" in den Startlöchern.

Wer in den letzten Jahren ähnliche Versäumnisse zu beklagen hatte wie der Verfasser, dem geben die drei Herren aus Melbourne mit ihrem zweiten Langspieler eine ordentliche (Dreiviertel-)Stunde Nachhilfe. Dabei geizen die Königspinguine nicht mit stichhaltigen Argumenten und lassen direkt nach dem straighten Opener "Conquer" die erste Bombe namens "Mountains Call" platzen. Dieser Song schießt beim ersten Durchgang durchs linke Ohr über den präfrontalen Cortex in die Hitliste für 2019. Mit durchgetretener Doublebass, starken Gitarrenhooks und stolzgeschwellter Brust geleitet die Nummer - zumindest ihrem Text zufolge - zur letzten Ruhestätte, am reißenden Fluss in den Bergen versteht sich. Man kann dieselben natürlich genauso gut ohne die Anmiete einer Suite im Wurmhotel besteigen, bewundern, den Gipfel worshippen und wieder nach Hause gehen - denn auch hierfür taugt der Soundtrack erstklassig und das grandioserweise mehr als einmal.

Die schweren Riffs im Titelsong "Coldest Of Cold" bringen eine erfrischende Viking-Death-Note ein, bis es nach "One More War" erneut im Gebälk kracht und der wortkarge "King" sein Gebiet annektiert. Die deliziöse musikalische Komposition kompensiert die mantraartig dargebotene Lyrikämie [medizinischer Terminus für "Textarmut"] mehr als adäquat und hinterlässt aus dem Stand das nächste KING-Branding im Trommelfell. Kalte Riffs föhnen durchs Gehör wie der eisige Wind über den gepriesenen Berggipfel, die Drums unterstreichen den Spannungsaufbau bis hin zum majestätischen Plateau, wo Leads und Melodie regieren. Sollte durch die Kombination von Namensgebung und Song zum Ausdruck gebracht werden, wofür KING stehen, dann haben sie diesem Lied die richtige Wahl getroffen. Die angesprochenen Songs mögen aufgrund ihres ohrwurmigen Charakters schnell in den Vordergrund geraten, doch fungieren sie in gewisser Weise als Aushängeschild für das komplette Album, das im Spannungsfeld zwischen Kälte, Pathos, straighter Raserei und großen Melodien stets in die richtige Kerbe haut und zu keiner Zeit absackt.

Ehrerweisungen in Richtung genannter Referenzen wie IMMORTAL sind grundsätzlich vorhanden, erfolgen aber zumeist subtil und werden hauptsächlich in "In The Light Of The New Sun" offen zur Schau gestellt. In Sachen eigener Erkennungswerte machen die Australier also fleißig ihre Hausaufgaben. Dazu zocken sie mit einer Souveränität und Selbstverständlichkeit, als hätten sie den Stoff bereits mit der Muttermilch aufgenommen und nie etwas anderes gemacht. Und weil nicht zuletzt das Songwriting durchgehend zündendes Material abliefert, überzeugt "Coldest Of Cold" als starkes Zweitwerk, mit dem die Australier einen massiven Eisklotz in die Bretter ihrer Hörerschaft rammen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (28.12.2019)

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