NIGHTBEARER - Tales Of Sorcery And Death

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VÖ: 13.12.2019
Bandinfo: NIGHTBEARER
Genre: Death Metal
Label: Testimony Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Wer kennt das nicht? Man schlendert durch den Plattenladen seines Vertrauens, detektiert durch die Aktivierung jahrzehntealter Schlüsselreize ein potenzielles Kaufobjekt und sackt selbiges nach kurzer Musterung beherzt ein. Schloss mit Turm - check! Bösewicht auf dem Dach - check! Hilfsbedürftige Jungfrau im Turm - check (also...zumindest vermutlich...ganz ohne Katzen und Säcke geht es auch im Fantasy-Metal-Traumland nicht)! Edler Ritter mit geflügeltem Flammenwerfer als Ersatz für feuerempfindliche Unpaarhufer - check! Das muss Power Metal sein - oder vielleicht doch nicht?! Die erste NIGHTBEARER-Scheibe lockt schon alleine durch ihr schmuckes Cover, durch das Zusammenspiel der Farben, das Motiv und die Komposition. Doch wer zu den Blindkäufern der metallischen Gemeinde gehört, dem spielen die Newcomer aus NRW (hierbei handelt es sich um das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen. Für alle Nichtdeutsche mit geographischen Lücken. - C. Humboldt) mit "Tales Of Sorcery And Death" einen gehörigen Streich.

Auf den ersten Blick mag das Artwork in Richtung Power Metal mit Liedern über verklemmte Fantasy-Softcore-Romantik hindeuten, doch verrät ein tiefgehend prüfender Blick die dreckige Wahrheit hinter dem werbewirksamen Plakat. Der Bandschriftzug ist trotz seiner guten Leserlichkeit einen Deut zu unblumig designt, der Schlossturm zu vergammelt, das allgemeine Ambiente eine Ecke zu verwunschen und selbst der edle Drache scheint sich bei näherer Betrachtung als Greif zu entpuppen [veterinärärztliche Begutachtung vorbehalten]. Und statt flottem Heitermetal ballert - was spätestens jetzt niemanden mehr überraschen sollte - gepfeffert schwedischer Todesstahl aus den Boxen.

Und wie es sich für besagte Kunstform geziemt, geht es direkt mit dem Opener "Beware The Necromancer" knüppelhart zur Sache. Zum blastbeatreichen, elchgeweihbewehrten Grundkörper gesellen sich zahlreiche Gimmicks wie flotte Leads und Soli, catchy Basslicks und untermalende Ambient-Einsprengsel. Der Eröffnungsact und "Vile Flame Of Udun" bspw. begeistern im Uptempobereich, wogegen man beim Erklingen des schleppenden "Lycantrophic Death Squad" förmlich das plättende Bügeleisen der Gerechtigkeit andampfen spürt und Deckung in der nächstgelegenen Höhle sucht. Auch für ein wenig Thrash ist sich das Duo nicht zu schade, wie der Titeltrack und "All Men Must Die" stimmig belegen [Flachwitz am Rande: so viel zum Thema Emanzipation...aber ohne Männer halten es die Damen auch nicht lange auf unserer blauen Kartoffel aus - peace out!]  (Thug Life chose you! – Peace! – der Männerbeauftragte).  Zudem nimmt sich zweitgenanntes Stück ohrenscheinlich - sei es gewollt oder nicht - die Freiheit, dem manischen Metzger aus Weil am Rhein tief in die Augen zu schauen [#elchtilldeath, #deathtilldeath]. Mit "The Gods May Weep" und dem abschließenden "The Dead Won't Sleep Forever" lassen es NIGHTBEARER gerne mal lässig-doomig angehen und treffen auch auf diesem Gebiet die richtigen Töne. So stehen am Ende selbst die dem Gevatter geweihten Männer plötzlich wieder auf der Matte - wenn auch nicht mehr ganz so hübsch und wohlriechend.

Starke Songs, starker Sound, starker Einstand! Wem bei REVEL IN FLESH der Sabber aus der Futterluke rinnt oder wer sich durch alten Schwedenstahl zum spontanen Einbalsamieren seiner Beinkleider animiert fühlt, der dürfte auch um einen Tanz mit dem Nachtbären nicht verlegen sein. Und um die Brücke zur Einleitung zu schlagen, betone ich meine Freude darüber, dass sich hinter "Tales Of Sorcery And Death" trotz Fantasy-Artwork und lyrischer Tolkien-Einflüsse bockharter Death Metal verbirgt. Ich habe ja überhaupt kein Problem mit Power Metal und Co. - tatsächlich bediene ich mich selbst von Zeit zu Zeit gerne im Süßwarenladen des Metal, doch schmeckt's zu Hause stets am besten. Und zu Hause ist bekanntlich dort, wo der Elch röhrt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (11.12.2019)

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