CYHRA - No Halos in Hell

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VÖ: 15.11.2019
Bandinfo: CYHRA
Genre: Modern Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Man sollte als Außenstehender bloß nicht den Fehler begehen und mit der Erwartung an dieses Album herantreten, es würde die jüngste IN FLAMES-Entwicklung egalisieren und zu den Wurzeln der schwedischen Melodeath-Legende zurückkehren. Denn das tun CYHRA bis auf einige Signature-Melodien und vereinzelte Riffs zu keinem erdenklichen Zeitpunkt und verhaspeln sich dabei auch noch in oftmals arg abwechslungsarmen Songstrukturen. Selbst wenn man also die großspurigen Reden von Herrn Strömblad ausklammert, bleibt von "Letters To Myself" nicht viel mehr als eine AMARANTHE-Adaption übrig, die sich Fans der Pop-Metaller gerne dann in ihr Regal stellen können, wenn ihr Verlangen nach neuem Material wirklich überhaupt nicht stillbar ist.

Das Fazit, das ich vor zwei Jahren zu CYHRAs Debüt gefällt habe, ist mir immer noch prominent, als ich die ersten Töne vom Nachfolgealbum "No Halos In Hell" einzuordnen versuche. Die aufstrebende Supergroup um Jake E. (ex-AMARANTHE) und Jesper Strömblad (ex-IN FLAMES) hat es mittlerweile ebenfalls in die heiligen wie illustren Hallen von Nuclear Blast Records bzw. deren Roster geschafft und hinterlegte im November erwartungsgemäß ihr Zweitwerk, das bei all diesen Vorzeichen sicherlich die nächste Sprosse auf der Karriereleiter erklimmen soll - mindestens eine.

Unumstößlich überzeugt bin ich von CYHRA hiernach zwar immer noch nicht, einen entscheidenden Satz können sie objektiv betrachtet aber trotzdem machen, indem sie nämlich den Vorwurf bzw. Kritikpunkt der abwechslungsarmen Strukturen ausmerzen konnten. "No Halos In Hell" beginnt mit dem sich poppig und rebellisch-kämpfend gebenden "Out Of My Life" wie auch dem IN FLAMES-Light-Titeltrack typisch und macht auch ansonsten kein großes Geheimnis um die musikalische Herkunft der Mitglieder, wurde dabei aber dennoch mit mehr Abwechslung bedacht. Unterschiedlichere Stimmungslagen, mehr Tempowechsel, kleinere Experimente - vor allem ein großer Teil der zweiten Hälfte hat es mir da angetan: "Blood Brothers" beispielsweise appliziert folkige Akustikgitarren/-rhythmen und entwickelt sich dann zu einem deftigen, solo-lastigen Stück, wohingegen sich "Kings Tonight" sich entlang elektronischer Versatzstücke, die im weiteren Verlauf zum Kopfnicken animieren, orientiert. "I Had Your Back" verbindet diese Synth-Elemente mit treibendem Göteborg-Melodeath und einem fantastischen Refrain und "Hit Me" ist, das muss man CYHRA einfach zugestehen, der Inbegriff einer einprägsamen, live-tauglichen Hitsingle. Inmitten dessen, also im direkten Kontext zu all diesen Abwandlungen machen sich dann auch die balladeskeren "Dreams Gone Wrong" und "Man Of Rain" sowie eher gewöhnlichere Songs à la "Battle From Within", "I Am The One" oder auch "Bye Bye Forever" deutlich besser als noch auf dem Debütalbum. Lediglich "Lost In Time" erscheint mir einen Hauch zu melodramatisch-kitschig und nimmt an denkbar ungünstigster Stelle Dynamik aus dem Album.

Viele werden sich nun fragen, was CYHRA noch besser machen können, um selbst mich restlos mit ihrer Musik zu erwärmen, aber das müssen sie gar nicht zwingend. Wer wäre ich, Forderungen aufzustellen? Bei aller Kritik, die ich an ihnen geübt habe, muss ich mir bei "No Halos In Hell" nämlich eingestehen, dass es ein nahezu durchweg unterhaltsames, modernes Melodic Metal-Album ist, das seinen Vorgänger aufgrund größeren Variantenreichtums mit Leichtigkeit übertrumpfen kann und somit immer wieder den Weg aus dem heimischen Klangtempel fand. Nichtsdestotrotz würde ich mir für die Zukunft wünschen, dass CYHRA beim Songwriting noch mehr Risikobereitschaft zeigen, noch selbstbewusster komponieren - das Rüstzeug dafür hat das Quintett allemal.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (06.01.2020)

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