PRETTY MAIDS - Undress Your Madness

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VÖ: 08.11.2019
Bandinfo: PRETTY MAIDS
Genre: Melodic Metal
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

Über dem neuen und insgesamt 15. Album von PRETTY MAIDS schwebt ein dunkler, betrüblicher Schatten: Bei Sänger Ronnie Atkins wurde Lungenkrebs diagnostiziert. Bleibt nur zu hoffen und die Daumen zu drücken, dass die moderne Medizin glänzen kann. Und „Undress Your Madness“ nicht das letzte Album der Dänen ist. Denn das wäre auch musikalisch schade: Auf dem neuesten Output zeigen die gealterten Herren um die Gründungsmitglieder Atkins und Ken Hammer, dass sie noch immer tolle Songs im Köcher haben, was dazu passt, dass die Formkurve bei den vorherigen Alben wieder nach oben zeigte.

Klar ist aber auch, dass „Undress Your Madness“ nicht die beste Arbeit von PRETTY MAIDS ist. Dafür klingen zu viele Songs einfach zu sehr durchgeplant nach bestimmten Schemata, um es möglichst vielen Anhängern recht zu machen. Klangtechnisch ist die Musik von Produzent Jacob Hansen ziemlich modern in Szene gesetzt. Man höre sich beispielsweise „If You Want Peace (Prepare For War)“ an, das erstaunlich hart und kühl tönt und mit der die 1981 gegründete Band eher wie Gipfelstürmer von heute klingen. Gitarrist Hammer macht seinem Künstlernamen alle Ehren und rifft nicht nur bei diesem Song überraschend hart, das die Wände wackeln. Dadurch geht der Song, der zudem eine tolle Chorus-line hat, mächtig ab.

Sowieso sind die härteren Songs die besseren. So ist „Serpentine“, für das bereits ein düsteres, eher an eine Death-Metal-Combo erinnerndes Intro die Klang-Richtung vorgibt, ein echter Kracher mit dieser gewissen epischen Melancholie, die in so vielen Songs der Dänen zu entdecken ist und auch bei anderen Songs des neuen Albums zu hören ist. So etwa beim recht düsteren Groover „Slavedriver“. Auch „Black Thunder“ ist recht aggressiv-riffend und rockt gut. Nicht zu vergessen ist in dieser Reihe das Titelstück, das derb riffend losbrettert und dann vor sich hinstampft.

In Kontrast zu diesen eher düsteren Tracks stehen das lässig-fröhliche „Firesoul Fly“, das mit einem einprägsamen Refrain bestückte „Runaway World“ oder der Schmachtfetzen „Will You Still Kiss Me (If I See You In Heaven)“. Letztgenanntem Song mag zwar eine ganz persönliche Story innewohnen, klingt aber dennoch wie schon zigmal von den Dänen gehört. Braucht kein Mensch, genauso wie die anderen beiden ruhigeren Songs „Shadowlands“ und „Strength Of A Rose“, die wirken als wollten die Dänen noch schnell die Liebhaber ihrer bisherigen Kuschelrock-Songs befriedigen. Das kann man kontrastierende Abwechslung zu den härteren Songs nennen. Oder man kritisiert es als den sehr guten Eindruck verwässernden Schmuse-Mist, der es allen recht machen will. Und der nur nervt. Oder für den der Kritiker nach den zuvor veröffentlichten Balladen von PRETTY MAIDS nicht mehr empfänglich ist. Aber dafür gibt’s ja die Skip-Taste.

Unterm Strich ist „Undress Your Madness“ ein Album, das zu den stärkeren Scheiben in der Karriere der Band gehört, trotz der drei unnötigen Balladen. Neben ein paar schön rockenden Tracks stechen vor allem „Serpentine“, „Runaway World“ und „If You Want Peace (Prepare For War)“ hervor – Songs, von denen viele Genre-Kollegen nur feucht träumen können.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Tobias (16.11.2019)

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