DESPISED ICON - Purgatory

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VÖ: 15.11.2019
Bandinfo: Despised Icon
Genre: Deathcore
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Auch wenn "Beast" erst knapp drei Jahre zurückliegt, konnte sich zuletzt die vage Befürchtung ausbreiten, dass sich sämtliche(r) Euphorie und Eifer, die aus der Re-Union DESPISED ICONs resultierten, wieder in Luft aufgelöst haben könnten. Nur unwesentlich später folgte dann die Erleichterung: die Kanadier sind immer noch im Geschäft, kündigen aus dem Nichts ihr neues Werk "Purgatory" an und unterstreichen gleichzeitig mit der als Appetizer angefügten, gleichnamigen Single ihre Ambitionen auf die Königsklasse, der sie, wie sich nur wenig später herausstellen sollte, nicht nur dann angehören, wenn die Deathcore-Szene sich, wie noch vor einigen Jahren, in einer größtenteils bemitleidenswerten Verfassung befindet, sondern einfach grundsätzlich noch zwei bis drei Gänge im Dominanzmodus hochschalten und somit auch mit ihrem Sechstwerk wieder einen beispiellosen Säuberungsprozess durchführen.

Natürlich, das mag sich eine Spur zu elitär lesen, aber wenn DESPISED ICON wutschnaubend Pace aufnehmen, hört man einfach in jeder Sekunde ihre geballte Erfahrung als Deathcore-Instanz und muss eine Weile grübeln, um (viele) Bands ähnlichen qualitativen Kalibers aufzählen zu können. Die gibt es sicherlich, wie zuletzt auch FIT FOR AN AUTOPSY mit "The Sea Of Tragic Beasts" eindrucksvoll zu unterstreichen wussten, aber genauso wie die Amerikaner sind auch DESPISED ICON eine bestialische Naturgewalt, die für ihren Namen steht - und der man so schnell nichts vormachen kann.

In knackig-prägnanten 36 Minuten Spieldauer feuern DESPISED ICON mit unterschiedlichsten Kalibern auf den Auditus, bedienen nahezu all ihre Trademarks, die sich seit dem Debüt "Consumed By Your Poison" angesammelt haben, und spielen das mit einer unbeschwerten Attitüde runter, von der man selbst auf "Beast" noch geträumt hätte. Anstatt die Gitarren so tief wie nur möglich zu stimmen und gesichtsloses Chugging zu praktizieren, wie das selbst im Jahre 2019 immer noch bei vielen Interpreten Usus scheint, definiert man mit stürmendem Sperrfeuer ("Light Speed" und "Vies D'Anges") den von KATAKLYSM geprägten Begriff "Northern Hyperblast" neu oder zerknirscht Knochen mit unerbittlichem Midtempo ("Moving On", "Slow Burning" und "Legacy"). Wenn wir bei DESPISED ICON allerdings von Trademarks sprechen, dürfen die geisteskranken Tempowechsel ("Unbreakable" und "Snake In The Grass") genauso wenig wie die Erwähnung, dass Alexandre Pelletier an den Drums immer noch einer besten, wenn nicht sogar DER beste Deathcore-Schlagzeuger ist, fehlen. Während sich viele seiner Genre-Kollegen gerne auf die absoluten Basics konzentrieren, breitet er sein gesamtes, äußerst vielfältiges und technisches Arsenal auf dem Schauplatz aus und trägt damit maßgeblich zu dem bei, was bei DESPISED ICON Dynamik und Einzigartigkeit bedeutet.

Und wenn man schon bei den Danksagungen für großartige Einzelleistungen ist, muss man logischerweise auch Alexandre Erian und Steve Marois an den beiden Mikrofonen einbeziehen, denn die beiden ergänzen sich durch ihre unterschiedlichen Stile zwischen Hardcore und Deathgrind nicht nur bestens, sondern setzen mit ihrem Wirkungskreis und ihrer Vehemenz einen unnachahmlichen nuklearen Kahlschlag (das groovige "Apex Predator" sowie das abschließende "Dead Weight" liefern die Blaupausen dafür) frei, der seinesgleichen sucht. In anderen Worten: "Purgatory" ist nochmal eine Spur stärker als der Vorgänger und erinnert nicht nur durch seine sehr moderne Produktion an ein "Day Of Mourning". So war "Beast" sicherlich eine rundum gelungene Rückkehr, aber im Jahre 2019 spielen DESPISED ICON ihren eigenen Sound in Perfektion durch, bei dem ich persönlich lediglich ein melodischeres Stück à la "Sleepless" vermisse. Nichtsdestotrotz ist "Purgatory" Fünf-Sterne-Deathcore, der Technik, Brutalität, Groove und Raserei zu einer Abrissbirne gießt, die ohne Vorwarnung Schädel zerquetscht.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (12.11.2019)

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