NOX IRAE - Here The Dead Live

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VÖ: 15.11.2019
Bandinfo: NOX IRAE
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Hinter dem Namen NOX IRAE verbergen sich in erster Linie Mitglieder der inzwischen aufgelösten französischen Death-Metal-Kombos AFFLICTION GATE und CATACOMB. Die neue Formation wühlt sich seit Ihrer Gründung 2015 durch den Untergrund und wagt sich - nach einem ersten Demo aus 2016 - an ihre erste EP "Here The Dead Live". Die Franzosen versprechen ein feines, thrashiges Schlachtfest, das trotz seiner chaotischen Auswüchse noch seine Eingängigkeit beibehält - und selbstredend ist von den Herren zukünftig Großes zu erwarten. So oder so ähnlich lesen sich die Packungsbeilagen der allermeisten schwermetallischen Arzneimittel - wobei die Ergründung ihrer tatsächlichen Wirksamkeit stets dem Erkundungstrieb des Endabnehmers oder eines ihm vertrauensvoll zur Seite gestellten Vielhörers und -schreibers vorbehalten bleibt.

Nachdem die Erfahrungen des Verfassers mit dem behandelnden Arzt Transcending Obscurity Records in jüngster Vergangenheit durchweg positiv waren, zeigt sich dieser mitnichten überrascht, auch im vorliegenden Fall die Wirksamkeit der Medikation vorbehaltlos attestieren zu können. Denn neben dem schmucken Artwork aus der Feder Chris Moyens - dem Urherber zahlreicher EP- und Single-Covers der US-Deather INCANTATION - bietet "Here The Dead Live" gerade für eine EP ordentlich Futter. Mit sechs Songs, unter denen sich auch die aktuellen Evolutionsstufen drei Demosongs aus 2016 befinden, kommt das erste Rendezvous der Franzosen auf stolze 26 Minuten Laufzeit. Doch alle Zeit der Welt ist keinem Patienten dienlich, wenn sie nicht gewinnbringend genutzt wird - doch auch hier überzeugen NOX IRAE aus dem Stand. "Phantom Parasite Trauma" eröffnet mit einem betörenden (oder verstörenden?) Chaos und geht über in eine zünftige Old School Death-Nummer, die mit griffigen Riffs und interessanten Arrangements punktet. Die vielbeschworene Eingängikeit ist vorhanden und abgesehen von dem lässigen Rock'n'Roll-Solo am Ende des Songs bleibt der Einstand mustergültig. Daran nahtlos anknüpfend, zeigt die herrlich dreckige Death'n'Roll-Perle "All Is Over", dass NOX IRAE nicht allzu viel von eindimensionalen Kompositionen halten (Achtung, Suchtgefahr! Wo ist eigentlich Eddie Guz, wenn man ihn sucht?!). Dementsprechend eigenwillig und eigenständig erklingt der Rest der EP: mal thrashig und MAIDENesk gallopierend wie in "Knife Under Throat" oder gar punkig/rockig/doomig wie in "Cold Wind". Jeder Song entfaltet seinen eigenen Charme, bleibt auf seine Weise überraschend und läuft im ersten Anlauf runter wie Öl.

Der Old School Death Metal gibt zwar nie das Zepter ab, doch werden NOX IRAE durch ihr vielfältiges Riffing und geschicktes Songwriting niemals langweilig oder vorhersehbar. Dass die Franzosen nebenbei noch ein gutes Händchen für starke Hooks beweisen, macht die Sache noch besser. Sie schaffen damit die Quadratur des Kreises in dem Sinne, dass sie den Elch ganz klar im Dorf lassen, ihn aber durch die gekonnte Beigabe von Sekundärwirkstoffen gleichermaßen vertraut wie abwechslungsreich röhren lassen. Und genau so wollen wir unseren Death Metal doch serviert bekommen, n'est-ce pas?



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (13.11.2019)

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