SUBTERFUGE - Prometheus

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VÖ: 15.11.2019
Bandinfo: SUBTERFUGE
Genre: Progressive Metal
Label: Pure Steel Records
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Lineup  |  Trackliste

Keine halben Sachen machen SUBTERFUGE. Die Progressive Metal Band aus dem polnischen Łódź veröffentlichte voriges Jahr ihr Debütalbum "Projections From The Past" und legt bereits heuer ihr zweites Werk "Prometheus" nach. Das alleine wäre ja noch nicht so wahnsinnig außergewöhnlich, jedoch handelt es sich bei beiden Outputs jeweils um ein Doppelalbum! Da dürfte also ein echter Kreativpool am Werken sein - und tatsächlich: Die Songs strotzen geradezu vor Einfallsreichtum! Doch nicht nur das. Wie unschwer zu erkennen, widmen sich die polnischen Newcomer der Geschichte rund um die allseits bekannte Prometheus-Sage. Griechische Mythologie also. Wenn schon, denn schon.

Demzufolge sind die insgesamt sechzehn Kompositionen des Doppelalbums auch nicht gerade einfacher Stoff zum gemütlichen nebenbei hören. Es gibt auf über 90 Minuten viel zu entdecken und SUBTERFUGE nutzen die gesamte Klaviatur ihrer musikalischen Möglichkeiten. Zarte, beinahe schon zerbrechliche Parts treffen auf knallharten (Death) Metal und lassen so gut wie keinen Raum für Vorhersehbares. Das Fronter-Paar Kinga Lis und Mateusz Drzewicz sind dabei für mich eine echte Entdeckung. Sie reduzieren sich nicht auf traditionelle Klischees a la Mann = harsch / Frau = lieblich, sondern leben eine Bandbreite vor, für die jede andere Band nicht nur morden, sondern auch eine Riege an Gastsängern benötigen würde. Meistens singen sie abwechselnd, wobei die männlichen Vocals häufig die aggressiveren Parts einnehmen. Allerdings ohne sich in ausgelatschte Pfade der alten Beauty/Beast Schemata zu verirren. Das haben sie nicht nötig, dafür sind die Fähigkeiten dieser Band ganz enschieden zu ausgeprägt. Im nächsten Moment liefern sich die beiden schon ein gefühlvolles Duett um gleich darauf gemeinsam zu Shouten wie in bester Classic Metal Manier. Und wenn bei "The Meeting" auch noch das Saxophon seine Stimme erhebt fühlt sich das so natürlich an, als wäre es die normalste Sache der Welt, daß in einem Metalsong auch Blasinstrumente zum Einsatz kommen. Die erste CD schließt mit dem epischen (im Sinne von überlangen) "Truth" und dem ewigen Thema: Wer sind wir, wo gehen wir hin, warum sind wir hier?

In ähnlicher Tonlage geht es auf der zweiten CD weiter. "Escape" holt den Hörer in einer Verschnaufpause ab und arbeitet sich gemächlich, beinahe hypnotisch in den zweiten Teil des Albums vor. Der Friede währt nicht lang und schon findet man sich wieder mittendrin im Prometheus'schen Gewitter. Dieses wird besonders heftig, sobald es Richtung "Revenge" geht, wo phasenweise schon feinster Death/Thrash zelebriert wird. Das ist übrigens ein Punkt, der mir an SUBTERFUGE sehr gut gefällt: Trotz der enormen Abwechslung innerhalb der Songs, lassen die Kompositionen dem Hörer genügend Zeit, sich auf die Nummer einzulassen und zugleich sich geistig auszutoben. Der Hörer muss sich nicht alle 20 Sekunden auf ein neues Tempo einstellen, sondern kann auch mal genießen. Oder bangen. Oder einfach zwischendurch die Geschichte von Prometheus googeln, falls man da - so wie ich - in der Schule gerade nicht aufgepasst hat.

Viel Licht muss bekanntlich auch etwas Schatten werfen. Im Fall von SUBTERFUGE ist es vielleicht der Sound, der nicht so ganz optimal ist. Hier jammern wir aber bereits auf wirklich hohem Niveau, denn der Mix ist transparent, klar und hat ausreichend Saft unter der Haube. Für dieses Ausnahmealbum ist mir persönlich der Gesamtsound jedoch etwas zu undergroundig und hätte sich noch mehr Politur verdient. Gerade das könnte aber für andere den positiven Unterschied ausmachen und sollte für niemanden, der bis hier her gelesen hat, ein Grund sein, nicht in dieses wirklich große Album hineinzuhören!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: adl (18.11.2019)

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