METAL DE FACTO - Imperium Romanum

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VÖ: 22.11.2019
Bandinfo: METAL DE FACTO
Genre: Melodic Power Metal
Label: Rockshots Records
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Lineup  |  Trackliste

Dass es in Finnland fast die Hälfte des Jahres recht finster ist, ist bekannt. Dass es in Finnland überdurchschnittlich viele Metal-Musiker gibt, ist ebenfalls bekannt. Und dass diese, wenn sie wieder einmal mit dem jährlichen Vitamin-D-Mangel kämpfen, auf seltsame Gedanken kommen, sollte sich gleichfalls bereits herumgesprochen haben. Dabei konzentrieren sich die Ergüsse unserer geliebten nordischen Sonderlinge hauptsächlich auf entweder tieftraurige, todessehnsüchtige Klänge – oder die Musik wird in Bergen an Zuckerguss und kitschklebender Fröhlichkeit ertränkt.

Wenn sich dann Sami Hinkka (ENSIFERUM) und Esa Orjatsalo (ex-DREAMTALE) musikalisch befruchten und dann noch mit Atte Marttinen (ex-KIVIMETSÄN DRUIDI), Benji Conelly, Mikael Salo (beide EVERFROST) und Mikko Salovaara (LEVERAGE) die halbe Szeneelite des nordischen (Melodic-)Powermetals dazu holen – was darf man dann wohl erwarten? Genau – einen instant Zuckerschock!

Natürlich ist weder die Thematik der unter dem Namen METAL DE FACTO (oh, diese Wortspiel-Verlockung...) firmierenden Truppe neu, denn das römische Reich wurde schon oft und ausgiebig genug besungen, noch ist der Sound auf „Imperium Romanum“ über die Maßen originell oder auch nur in irgend einer Weise innovativ – also warum sollte man METAL DE FACTO dann überhaupt hören? Ganz einfach – weil sie verflucht genau wissen, was sie da tun!

„Imperium Romanum“ fängt mit „The Conqueror“ gleich mit einer Ohrwurmhymne an, dessen Refrain man bereits nach dem zweiten Hördurchlauf inbrünstig mitplärren kann. Direkt nachgeschossen wird das stampfende „Legionnaires' Oath“, dessen Refrain vor Epik nur so strotzt. „Naturalis Historia“ steht da in keinster Weise nach und zündet ebenfalls ohne Umschweife. Gerade in der Double-Lead-Verbindung von Gitarre und Keyboard merkt man stark die Vergangenheit von Esa Orjatsalo bei DREAMTALE, die sich mit ähnlichen Strukturen in die Herzen der Fans kitschklebten. „Inferno“ nimmt das ansonsten zügige Tempo etwas raus und füllt den Gehörgang dank ausgiebigem Keyboardeinsatz einmal mehr mit Zuckerwatte und ausdrucksstarkem Gesang.

Spätestens bei „Bacchanalia“ kommt METAL DE FACTO dann so richtig einer aus – die Hookline könnte ohne weiteres auch von den deutschen Kleister-Königen FREEDOM CALL oder ihrem früheren finnischen Pendant SONATA ARCTICA stammen und der brutal eingängige Refrain hat es genauso in sich! Mit Ohrwurm-Chören kennen sich die Finnen ja aus... Dann allerdings eine Schnarchballade wie „Echoes In Eternity“ direkt nach einen so massiven Superohrwurm zu setzen, stellt sich als strategisch ungünstig heraus. Nach einigermaßen epischem Beginn schläft einem nach einem Drittel der Spielzeit des Songs das Gesicht ein und man betätigt die Skip-Taste – wiewohl der Titel von Aufbau und Spannungsbogen gute Arbeit leistet, wirkt er dennoch wie ein Fremdkörper im fröhlich-flotten Gesamtkonzept des Albums.

Das Instrumental „Colosseum“ stimmt dann wieder versöhnlich und liefert drei Minuten astreiner, rein instrumental gehaltener Griffbrettwichserei – von knackiger Bass-Hookline über ausuferndes Keyboardgeklimper bis hin zu ausgiebigster Strapazierung der Sechssaiter, mit schönen Tempovariationen und irrem Gelächter als Schlusspunkt. „Ides Of March“ punktet erneut mit starker, powernder Gesangsleistung und starkem Spannungsbogen, während die Epik wieder einmal geballt aus den Boxen quillt. Bei „The Ascending Of Jupiter“ wird das Gaspedal streckenweise noch einmal ordentlich heftig durchgetreten  und es kitschklebt wieder an allen Ecken und Enden, ehe das Album mit dem Longtrack „Germanicus“ auf die Zielgerade zusteuert. Hier werfen METAL DE FACTO noch einmal alles in den Ring, sodass der ausschweifende Titel zwischen galoppierenden Parts, getragenem Refrain und schlüssigen Tempowechseln nicht langweilig wird – der starke Schlusspart mit sonorer Sprechstimme rundet das Album dann noch gekonnt ab.


Fazit: „Imperium Romanum“ liefert nix neues, aber ist trotzdem (oder gerade deswegen!) geil. Massiv starkes Futter für die Freunde der Zuckerguss-Klänge, das man sich wieder und wieder reinziehen kann, ohne dass es langweilig wird. Bitte mehr davon!

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (18.11.2019)

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