MILLENNIUM - A New World

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VÖ: 25.10.2019
Bandinfo: MILLENNIUM
Genre: NWoBHM
Label: Pure Steel Records
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Lineup  |  Trackliste

Während es vergleichbare Bands in 35 Jahren auf deutlich mehr Alben bringen, reichte es für die NWoBHM-Randfiguren MILLENNIUM in dreieinhalb Dekaden gerade einmal zu drei Tracks auf einem Sampler, drei Longplayern und mehreren Demos. Zwischen dem Debüt aus dem Jahr 1984 und dem Follow-Up von 2016 liegen schlappe 32 Jahre, eine offizielle Bandauflösung, mehrere Veränderungen im Line-Up und eine Reunion, die es rein objektiv nicht gebraucht hätte, im Fahrwasser der Renaissance vergleichbarer Acts aber scheinbar lukrativ genug erschien, die alten Kämpen 2016 unter dem Label MILLENNIUM erneut an den Start gehen zu lassen.

Shouter Mark Duffy sah sich im Zuge der Promotionkampagne des neuen Werks zu der Aussage veranlasst, dass die NWoBHM-Wurzeln der Band auf „A New World“ deutlich zu hören seien, was zweifellos zutreffend ist. Das lässt allerdings nicht zwangsläufig Hörgenuss aufkommen, da diese Abstammung für sich genommen noch nicht für Qualität bürgt. Während die Basis-Tracks und deren Instrumentierung gefallen können, wirkt die Stimme des oben schon zitierten Frontmanns wie ein permanenter Show-Stopper. Das Organ pendelt irgendwo zwischen Reibeisen und atonal umherirrendem Stadion-Gegröle, das sich ein ums andere Mal - leider erfolgreich -  gegen die stilvoll gedoppelten Leads der Stromgitarren durchsetzt. Hinzu kommt die akut fehlende Hookline-Dichte und handwerklich wenig beeindruckendes Songwriting, das für die Austauschbarkeit der Songs verantwortlich ist.

Obgleich MILLENNIUM immer wieder den Versuch unternehmen, Anleihen bei den Genre-Größen IRON MAIDEN, SAXON oder DEMON zu machen, gelingt deren Umsetzung mäßig bis gar nicht, da das Feeling für hittaugliche Melodien den Jungs aus Billingham leider abgeht. Das bezieht sich, wie schon angemerkt, auf die Gesangslinien. Exemplarisch sei hier „Kill Or Be Killed“ genannt, das über grandiose Gitarrenarbeit verfügt und locker mit großen MAIDEN-Tracks mithalten könnte, wenn da nicht der gerade in diesem Titel völlig unzureichende Gesang wäre, der es tatsächlich schafft den „Chorus“ um zwei Töne mäandernd zu hoppelnden Schüttelreimen ins Bodenlose abschmieren zu lassen. Die geradezu peinlich wirkende Bridge mit einem abschließenden, völlig uninspirierten Urschrei, der schlicht die anvisierten Töne nicht trifft, tut ein Übriges.  

Nach dem Opener „Give Me A Sign“, der an derselben Krankheit leidet, folgt „World War 3“, der kompositorisch einem Offenbarungseid gleichkommt, denn hier lassen sich Strophe und Kehrvers tatsächlich nur anhand des Textes auseinanderhalten. Die Lyrics der Scheibe drehen sich, wie schon des Öfteren bei MILLENNIUM, um apokalyptische Szenarien, die vom Ende der Menschheit, einer neuen Weltordnung, Kriegen und Katastrophen fantasieren, was die Chose nicht unbedingt besser verdaulich macht. Die im Promosheet avisierte Abwechslung sucht man leider vergebens, vielleicht mit ein Grund für das sich nach den Aufnahmen zur CD erneut drehende Personalkarussell der Combo.

FAZIT: MILLENNIUMs viertes Album „A New World“ ist leider wiederum nicht der große Wurf. Punktet die Band gekonnt mit starker Intrumental-Abteilung, die durchaus solide die Vorreiter des Genres zitiert, machen die einfallslos-stümperhaften Gesangslinien des Frontmanns die guten Ansätze umgehend zunichte und hinterlassen Ratlosigkeit. Für den nächsten Versuch, der schon in Planung zu sein scheint, sollten die wackeren Musikanten entweder ein Millennium verstreichen lassen, oder aber sich die Unterstützung eines talentierten Songschreibers [Anm. d. Lekt.: Oder Sängers - warum nur hab ich da reingehört...?] sichern.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Stefan Haarmann (28.10.2019)

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