VOGELFREY - Nachtwache

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VÖ: 25.10.2019
Bandinfo: VOGELFREY
Genre: Mittelalter Metal
Label: Metalville
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Lineup  |  Trackliste

Auch im Hause VOGELFREY steht man wieder mit einem neuen Output auf der Matte und bittet den Hörer zur „Nachtwache“. Nachdem der Vorgänger „In Ekstase“ leider nicht selbige zu entzünden vermochte, nehmen die Norddeutschen Mittelalter-Metaller nun kurzerhand einen neuen Anlauf, die Hörer so richtig in Wallung zu versetzen. Die Voraussetzungen dafür haben sie jedenfalls schon längst, denn die Hamburger bewegen sich musikalisch ein wenig abseits von gängigen Genreklischees und lassen nebst den typischen Mittelalter-Instrumenten auch den knackigen Metal-Klängen genügend Raum, um nicht in die generischen mainstreamkompatiblen Bereiche abzudriften wie manch andere Genrekollegen.

Und ja, mit „Ära des Stahls“ setzen VOGELFREY gleich einmal ein metallisches Statement in Form eines flotten Powermetal-Songs, der galoppierend nach vorne prescht und richtig Lust auf das Album macht. Der ohrwurmgefährdete Song wurde den Fans nicht umsonst vorab als Musikvideo vorgeworfen! Mit „Schüttel dein Haupt“ wird sodann der schwere, ein wenig NDH-orientierte Groove ausgepackt, zu dem man gepflegt das Köpfchen nicken kann – textlich kann man durchaus schmunzeln, jedoch abseits von Fremdschämfaktoren. In die Kerbe des Openers, nämlich der knackig-flotten Symbiose aus flotten, unkitschigen Powermetal-Klängen und mittelalterlicher Instrumentierung schlägt auch „Magst du Mittelalter?“, das die namensgebende Frage recht hingebungsvoll verfolgt. Zwar ist der Text ein klein wenig platt und der Ohrwurm-Song läuft Gefahr sich recht schnell abzunutzen, aber die bratenden Gitarren machen ihre Sache gut und der zackig dahinbretternde Titel kommt wirklich gut!

„Metamnesie“ spielt ein wenig mit Industrial-Anleihen und kredenzt eine höchst schmackhafte, schräge Mischung, während „Sündenbock“ mit kantiger NDH-Härte dahingroovt (RAMMSTEIN findet man noch immer nicht, befindet der Rezensent einmal mehr). Zwar wirkt die Verbindung reichlich brachialen Riffings und glatten Refrains ein wenig ungelenk, doch die kernigen Strophen des durchaus tanzbaren Songs reißen es heraus, dass man sich den Refrain ein wenig packender gewünscht hätte.

Die prägnante, kantige Trademark, die man zunächst im Chorus noch vermisste, bringt dann das schleppende „Alptraum“ mit sich, in dem Sänger Jannik seine harschere Seite auspackt und mit gurgelndem, ins Growling gleitendem Gesang angemessen beunruhigende Atmosphäre verbreitet. Nach diesem stimmigen, wohl stärksten Titel der Platte, fällt das Album gefühlt etwas ab. „Walhalla“, ein episch geratener Midtempo-Titel mit guter Kante braucht ein paar Anläufe ehe er zündet, obwohl die dramatische Endsequenz mit erhabenen Violinenklängen von Beginn an gut einfährt. Die galoppierenden Gitarren in „Midwinter“ machen zwar Spaß, können sich aber nicht ganz von Reminiszenzen an cheesige Happy Metal Klassiker lösen, dennoch entzündet der Song instant einen Ohrwurm.

Dass jedes VOGELFREY-Album irgendwo einen kleinen Ausfall braucht, das wird bei „Spieglein, Spieglein“ klar -  der Track bremst sich irgendwie durch seine fünfeinhalb Minuten Spielzeit und will sich nicht wirklich zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfinden. Zumal auch noch der Gesang ein wenig windschief geraten ist und auf seltsame Weise gegen die Stilistik des Titels arbeitet. „Auf St. Pauli“ ist als Rausschmeißer noch einmal cool gemacht und zeigt die Liebe der Hamburger zu ihrem wohl berühmtesten Stadtteil.

Mit „Nachtwache“ gelingt VOGELFREY ein deutlicher Schritt nach vorne. Vor allem die flotteren, deutlich metallisch orientierten Titel kehren die Stärken der Hamburger deutlich heraus, und das kernige, streckenweise dem NDH-Bereich entlehnte Riffing steht VOGELFREY gut zu Gesicht. Trotz der einen oder anderen etwas schwächeren Nummer, welche sich bevorzugt im hinteren Teil des Albums tummeln, gelingt VOGELFREY mit „Nachtwache“ ein richtig starkes Album, das eine deutliche Weiterentwicklung im Vergleich zum Vorgänger aufzeigt. Auch und vor allem live, sollten die Songs aber wirklich gut funktionieren!
 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (23.10.2019)

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