ETERNAL STORM - Come The Tide

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VÖ: 23.08.2019
Bandinfo: ETERNAL STORM
Genre: Melodic Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Wenn die vier Spanier von ETERNAL STORM etwas nicht sind, dann "von der schnellen Truppe". Seit nunmehr zehn Jahren sind die Herrschaften im Geschäft, haben in dieser Zeit gerade mal eine EP veröffentlicht und waren mit ebenso vielen Songs an ebenso vielen Split-EPs beteiligt. Ob man sich für das Debütalbum "Come The Tide" besonders viel Zeit genommen hat oder ob sich die Kapelle womöglich für ein oder zwei Osterfeste zur Siesta zurückzog, ist nicht weiter überliefert. Fest steht allerdings, dass die Melodeather aus Madrid schlussendlich ihren Weg zum indischen Label Transcending Obscurity gefunden haben. Und auch, wenn ich mein Fazit damit vorwegnehme, leite ich mit der Bemerkung über, dass der auf Death Metal spezialisierte Undergroundstall damit mal wieder einen formidablen Riecher bewiesen hat.

Ob die Arbeit an "Come The Tide" nun wirklich fünf Jahre in Anspruch genommen hat oder nicht - das Ergebnis spricht in jedem Fall für einen akribisch durchdachten und mit Herzblut gelebten Schreibprozess. Die neun ausschweifenden Songs sind in sich und untereinander stimmig bis ins letzte Detail und werden in einem ebenso perfektionistischen Soundgewand dargeboten. Die Musik hat ihren Schwerpunkt im melodischen Death Metal und symbiotisiert mit postigen bis avantgardistischen Einflüssen. Eröffnet wird die Scheibe mit dem Zweiteiler "Through The Wall Of Light", der für sich alleine betrachtet schon ein wahnwitziges Talent in Sachen Songwriting manifestiert. "Through The Wall Of Light Pt.I (The Strand)" übernimmt dabei den harschen und stürmischen Teil, in dessen Zügen die hämmernde Doublebass wie ein dreckiger Bastard aus Präzisionsnähmaschine und Presslufthammer den Takt vorgibt. Nach der nahtlosen Überleitung zu "Through The Wall Of Light Pt.II (Immersion)" erfolgt eine abrupte Kehrtwende, nach der cleane Gesänge in ruhiger Klangkulisse herrschen und sogar das Saxofon Einzug hält. Mit der Rückkehr zum Death Metal schließt sich der Kreis, die Gesamtkomposition erscheint trotz fundamentaler Unterschiede und scheinbar unüberwindbarer Kontraste wie aus einem Guss. In "Detachment" geben sich beißende Rhythmusgitarren die Hand mit verschlängelten Leads, die eine unfassbare Fesslungskraft entfalten und sich in die Großhirnrinde fressen wie ein ausgehungerter Holzwurm in einen nahrhaften Mahagoni-Sessel.

Gravierende Kritikpunkte gibt es nicht zu beklagen, allenfalls kleinere Verbesserungspotenziale von kosmetischer Natur. So kommt es hin und wieder vor, dass es die temperamentvollen Spanier mit der Theatralik einen infinitesimalen Schritt zu weit treiben. Zudem ist "Of Winter And Treason" für seine Länge von zehn Minuten etwas sperrig geraten und hat im direkten Vergleich mit den anderen Songs der Platte verhältnismäßig wenig zu bieten. Im Angesicht des gebotenen Niveaus will ich diese kleinen Meckereien jedoch keinesfalls überbewerten. ETERNAL STORM mögen zwar dieser Tage erst mit ihrer Debütplatte an den Start gehen, doch offenbaren sie in ihren Kompositionen eine lange Verbundenheit mit ihrem Handwerk und damit einhergehend gehobene Fertigkeiten sowie ein nicht zu unterschätzendes Potenzial. "Come The Tide" ist dabei ein bemerkenswerter Album-Einstand, der sich vor den großen Namen des Genres keineswegs verstecken muss und Lust auf mehr macht.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (23.10.2019)

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