1349 - The Infernal Pathway

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VÖ: 18.10.2019
Bandinfo: 1349
Genre: Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

In über 20 Jahren Bandgeschichte verlief der musikalische Schaffensweg der Norweger 1349 nicht immer gerade. Nachdem sie sich mit ihren frühen Werken schnell einen respektablen Ruf erknüppelt hatten, wagten sie sich mit "Revelations Of The Black Flame" (2009) in ungewohnte, experimentell-ambientiöse Gefilde und verprellten damit so manchen Verfechter der schwarzen Reinheitsgebote. Ein Jahr darauf folgte mit "Demonoir" eine Rückbesinnung auf die brachiale Tiefkühlkost der Anfangstage, die sich um die Zusammenführung beider Klangwelten bemühte. Doch alle guten Vorsätze und Gewaltakte in Ehren - so richtig vom Hocker hauen konnten mich die Herren erst wieder 2014 mit "Massive Cauldron Of Chaos", das mit einfachsten Mitteln und rotzigem Sound eine beeindruckende Black Metal Machtdemonstration platzieren konnte. Für den Nachfolger "The Infernal Pathway" haben sich 1349 fünf Jahre Zeit gelassen - welchen Weg begehen die Norweger dieser Tage und hat sich das Warten gelohnt?

Die Kunstexkursion "Dødskamp" warf die Frage auf, ob die melodischere und Heavy Metal-lastigere Komposition der Single repräsentativ für den nächsten Langläufer werden würde. In der Tat finden sich diese Attribute verstärkt in den aktuellen Songs wieder, doch müssen die Fans keinen allzu gravierenden Stilbruch befürchten. Im Großen und Ganzen bleiben 1349 in ihrem Element und liefern standesgemäße BM-Kost mit ausufernden Blastbeat- und Doublebassorgien, mit denen sich Drummer Frost nach allen Regeln der Kunst austoben kann. Der Hauptunterschied zum Vorgänger liegt in den verspielteren Riffs, die sich wie in "Abyssos Antithesis" oder "Enter Cold Void Dreaming" gerne aus der Thrash und Heavy Metal Schublade bedienen. Der Ausklang des Openers präsentiert dazu einen einminütigen Solopart, wogegen "Stand Tall In Fire" mit feinen Tappings aufwartet und "Through Eyes Of Stone" mit mehrstimmigen Leads in den Äther entlassen wird. Die meisten Songs rattern mit hoher Drehzahl, doch verschieben sich mit dem Fokus auf catchy Riffs und filigraner Gitarrenarbeit die Kräfteverhältnisse ein stückweit weg vom infernalen Geknüppel.

Mit "Abyssos Antithesis", "Enter Cold Void Dreaming", "Through Eyes Of Stone" oder "Striding The Chasm" gibt es eine Menge guter Songs, die stilistisch auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Daneben stehen eine handvoll exotischerer Kompositionen wie "Dødskamp", das für die Platte neu eingespielt wurde. "Deeper Still" entpuppt sich als starker Hinhörer, der streckenweise ins Midtempo abtaucht und mit erhabenen Leadmelodien tolle Hooks ausspielt. "Stand Tall In Fire" kommt auf acht Minuten, arbeitet mit gesprochenen und behutsam instrumentierten Passagen und bügelt sich durch alle Tempobereiche bis in den Highspeedbereich. Die Nummer liebäugelt am deutlichsten mit dem Heavy Metal und steht als eine der interessantesten Kompositionen der Platte korrekterweise an finaler Position. Die von "Demonoir" bekannte Ambientreihe "Tunnel Of Set" wird auf "The Infernal Pathway" fortgesetzt, beschränkt sich jedoch auf drei Teile und wirkt damit weniger aufdringlich und ausbremsend als beim 2010er Output.

Damit ist im Prinzip alles super, oder? Leider nicht ganz, denn eine Kleinigkeit fehlt mir an der neuen Scheibe der Norweger. Die Songs sind alle gut, es gibt genügend Abwechslung und von sturem Dienst nach Vorschrift und Selbstzitaten wird abgesehen. Auch die Gitarrenarbeit, die weniger auf klassische Tremolo-Wirbelstürme setzt, weiß zu gefallen. Doch erscheinen mir meine Lieblings-Pestbeulen im Gesamtbild und auch im Sound etwas zahm. Die Platte ist zwar durchaus geeignet, Kollegen und Reinigigungskräften den Aufenthalt im beschallten Büro madig zu machen, doch fehlt das vertonte Chaos des Vorgängers - die Ausstrahlung eines Songs wie "Cauldron", der einem den Schnodder in der Nase gefrieren lässt und wohlige Erinnerungen an nächtliche 1349-Eruptionen in strömendem Regen weckt. Der Teufel steckt im Detail und es ist sind Nuancen, die die Wirkung eines Songs maßgeblich mitbestimmen. So bleibt "The Infernal Pathway" ein gutes Album, aus dem man aber mit etwas mehr Gift und Galle mehr hätte rausholen können.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (14.10.2019)

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