EXHORDER - Mourn The Southern Skies

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VÖ: 20.09.2019
Bandinfo: Exhorder
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Irgendetwas scheint an 2019 so speziell zu sein, dass nach POSSESSED ("Revelations Of Oblivion") und SACRED REICH ("The Awakening") nun auch noch EXHORDER nach jahrzehntelanger Kryostase auftauen und der Öffentlichkeit demonstrieren wollen, dass man nach solch einem Zeitraum nicht zwingend korrodiert sein muss. Ja, genau die EXHORDER, die sich mit den relativ gleichwertigen "Slaughter In The Vatican" (1990) und "The Law" (1992) zwei ausgezeichnete Alben, die sich in der Schnittmenge von Groove und Thrash Metal aufhielten, einst den - ich nenne es einfach mal so - Hybridstatus der Geheimtipp-Legende erarbeiten konnten und nicht selten mit PANTERA bzw. einer etwas aggressiveren Version davon assoziiert wurden. Stolze 27 Jahre nach besagtem "The Law" erscheint dieser Tage nun also der Nachfolger "Mourn The Southern Skies" via Nuclear Blast, und wenn man bei diesem Album überhaupt an das Wort "Rost" denken muss, dann allerhöchstens im Zusammenhang des professionellen Gegrilltwerdens.

Wie schon bei POSSESSED vor einigen Monaten (der Rock Hard Gig hat den überwiegend positiven Eindruck intensiviert) bin ich auch dieses Mal wieder verblüfft, wie souverän man aus einem Tiefschlaf erwachen und quasi aus dem Stand ein derart solides bis sehr gutes Zeugnis in den Stahl prägen kann - und nebst Kyle Thomas (Vocals) zählt mit Vinnie LaBella sogar noch ihr Ur-Gitarrist und Songwriter, der den charakteristischen Sound in der eigenen Genetik unentfernbar hinterlegt haben sollte, zur Comeback-Formation von EXHORDER. Längst der Vergangenheit gehören hingegen die Produzenten Scott Burns und Rob Beaton an, die die ersten beiden Veröffentlichungen veredelt, sich zwischenzeitlich aber längst aus der Szene zurückgezogen haben. Für "Mourn The Southern Skies" übernahm also die schwedische Szene-Wunderwaffe Jens Bogren - eine Personalie, die im Vorfeld durchaus kontrovers diskutiert wurde.

Dass sich die zehn Songs dadurch natürlich glatter und geschliffener (für manch einen gar zu glatt und geschliffen) gerieren, versteht sich schon beim bloßen Namedropping des Skandinaviers von selbst, dem prägnanten Stil und der angriffslustigen Attitüde des Quintetts tut dies jedoch keinen Abbruch; im Gegenteil: Man spurtet mit "My Time" nicht nur rasant-thrashig los, sondern kann sich das Momentum auch über die knappe Stunde Spielzeit größtenteils präservieren. Dabei wird man nicht nur von richtig temporeichen Thrashern à la "Beware The Wolf" und "Ripping Flesh" (der Titel spricht für sich) überfallen, sondern wird auch noch von einigen typischen Groove-Stampfern ("Asunder", "Hallowed Sound" und "Arms Of Man" bspw.), die durch die runderneuerte Rhythmus-Sektion und den Zweitgitarristen Marzi Montazeri an Frische gewonnen haben, niedergestreckt.

Kein Grund zur Kritik also? Ein bisschen schon, denn die beiden längeren Stücke "Yesterday's Bones" (7 Minuten 4 Sekunden) und der abschließende Titeltrack (9 Minuten 30 Sekunden) bremsen an ihren jeweiligen Einsatzpunkten das Tempo und damit auch den Flow aus. Während ersteres noch mit einem großartigen Solo punkten kann, erscheint mir der melodisch-epische Ansatz von "Mourn The Southern Skies" hingegen, so gelungen die Vocals hier auch sein mögen, als zu viel des Guten. Nichtsdestotrotz wird der Leser bereits erkannt haben, dass die Minuspunkte damit äußerst limitiert auftreten und man sich auf ein insgesamt starkes Comeback freuen darf, welches trotz des modernen Sounds authentisch-oldschool klingt und sämtliche Trademarks von EXHORDER bündelt. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (17.09.2019)

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