TONY MILLS - Beyond The Law

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VÖ: 18.06.2019
Bandinfo: TONY MILLS
Genre: Melodic Rock
Label: Battlegod Productions
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Lineup  |  Trackliste

Beim Namen TONY MILLS klingelt es vermutlich nur bei eingefleischten Melodic-Rock-Experten/Innen, denn trotz seiner mittlerweile 40 Jahre andauernden Karriere, konnte Mills eigentlich nie wirklich aus den Schatten der großen Namen des Business heraustreten. Als Frontmann der Glam-Metal-Band SHY, mit der er acht Alben aufnahm, tourte er in den goldenen 80er Jahren sogar als Support für Bands wie MEAT LOAF, TWISTED SISTER und BON JOVI.

Sein Einstieg bei TNT im Jahr 2006 kam leider zu spät, da zu diesem Zeitpunkt der Erfolg der Norweger schon dermaßen bröckelte, dass deren langjähriger Shouter Tony Harnell bereits das Weite gesucht hatte. Mit TNT spielte er vier Alben ein, die mäßig erfolgreich waren und in den Augen der Kritiker wenig bis keine Gnade fanden. Workaholic Mills arbeitete in der Folge mit zahlreichen, namhaften Künstlern zusammen und veröffentlichte neben seinen bisher fünf Soloalben, Longplayer mit Bands wie SERPENTINE, SIAM, DOCKER´S GUILD, NERGARD und CHINA BLUE.

Nun liegt sein sechstes Solowerk vor, das leider mit allergrößter Wahrscheinlichkeit sein Vermächtnis an die Melodic-Rock-Welt sein wird, da bei Mills im April dieses Jahres Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde. Dass Mills selbst diese niederschmetternde Diagnose nicht daran hindern würde, „Beyond The Law“ fertigzustellen und auf den Markt zu bringen, war spätestens seit dem vorletzten Album mit dem vielsagenden Titel „Over My Dead Body“ klar, bringt dieser doch die Entschlossenheit des Briten zum Ausdruck, entgegen aller Widrigkeiten sein Ding durchzuziehen.

Und das hat er auf „Beyond The Law“ eindrucksvoll. Das Album behandelt als eine Art Mini-Konzeptalbum die Prohibition im Amerika der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, streift die Jugendkultur der 1960er Jahre in den USA und packt das Ganze in unglaublich fluffigen AOR/Melodic-Rock, dass man sich fragt, warum Mills die breite Anerkennung bis heute verwehrt blieb. Seine Stimme, die mich stets an JOURNEYs Steve Perry erinnert, glänzt auf allen Tracks eindrucksvoll und strahlt heller denn je.

Neben großartigen Kompositionen, für die neben Mills Co-Produzent Tommy Denander verantwortlich zeichnet, besticht der Longplayer durch eine kristallklare Produktion, die die technischen Fähigkeiten aller Beteiligten perfekt abbildet.

Schon der Einstieg in das Album gelingt mit „The Westside“ enorm souverän, ein stampfender Ohrwurm, der mit typisch reduzierter Strophe startet, um dann im Chorus das gesamte Potential des Gespanns Denander/Mills aufzuzeigen. In der Folge bleibt das Niveau der Kompositionen unverändert hoch. Der Titel-Track „Beyond The Law“ ist ein Killer, der neben einer sensationellen Strophe einen ebensolchen Chorus bietet, flankiert von einer Halftime-Bridge, die etwas Fahrt herausnimmt, ohne den Song aufzubrechen. Ein geniales Teil.

„Running Guns“ ist ein Blues-Rocker der Extraklasse, der neben abermals perfektem Gesang Ohrwurmqualitäten hat und nach unterhaltsamen 4:40 Minuten zum pumpenden „F.B.I.“ überleitet, bevor es mit „Black Sedan“ direkt den nächsten Hit auf die Ohren gibt, gegen Ende unter Einsatz der Double-Bass des Schlagzeugs. Die einzige Ballade des Albums, „Bonnie´s Farewell“, erinnert in der Strophe an beste SUPERTRAMP-Zeiten („Rudy“), bevor mit „Code Of Silence“ und „Gunfire“ ein Melodic-Rock-Album seinen Abschluss findet, das man kaum besser hätte machen können.

FAZIT: TONY MILLS legt mit seinem sechsten Soloalbum „Beyond The Law“ ein Meisterwerk vor, das angesichts seiner Krebserkrankung wohl gleichzeitig sein Vermächtnis an die (Musik)Welt sein wird. Neben brillantem Gesang und ausgereiften, energetischen Kompositionen, bietet das Werk beste Unterhaltung auf einem Niveau, das ich nur als Weltklasse bezeichnen kann. Sollte dieses Album das letzte musikalische Lebenszeichen Mills bleiben, ist ihm mit „Beyond The Law“ ein wahrhaftig starker Abgang gelungen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Stefan Haarmann (13.09.2019)

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