ATLANTEAN KODEX - The Course Of Empire

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VÖ: 13.09.2019
Bandinfo: ATLANTEAN KODEX
Genre: Epic Metal
Label: Van Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Lernt man nie aus?

Lerne ich nie aus?

Habe ich jemals gelernt?

Im konkreten Fall habe ich zuerst BIG TIME abgelost und dann mörderisch gewonnen und gelernt. Das Label, respektive die PR-Agentur hat mir das aktuelle ATLANTEAN KODEX-Album als Download geschickt. Das ist so üblich. Der Musikschreiber bekommt die Dateien, ein paar Infos und los geht´s. Ich hör mir diese Alben dann sehr oft am MP3-Player an, beim Training, beim Spazieren, draußen, irgendwo. 

So eben auch der Fall mit "The Course Of Empire". Blöd nur, wenn die Audiodateien nicht oder nur unzureichend getagged wurden und darob die Reihenfolge der Lieder nicht mit dem tatsächlichen Release übereinstimmt. Der alternde Reviewer war verwirrt. Neu taggen, Ablauf widmungsgemäß und los geht´s.  Ihr seht, brutale Bedingungen unter die hier in den Stormbringer Towers gearbeitet wird, einem Sweat-Shop nicht unähnlich. "Haha!" werfe ich dem minderjährigen Lithiumknappen entgegen, "du hast es gut, nur rein in die Mine und wieder raus. Unsereins schlägt sich mit den Hydras des Musikbusiness herum. Ein Wahnsinn, fürwahr!". Ein Alexei Grigorjewitsch Stachanow hätte die erste Kaffeepause nicht erreicht!

Hm? Achso, "The Course Of Empire", das mit Höchstspannung erwartete neue Album der Bayern ATLANTEAN KODEX. Die Ruhrpott-"Fachpresse" (irgendwann muss ich einen kleinen Aufsatz über diese ehemaligen Szeneikonen schreiben, oh ja, ich muss) überschlägt sich vor Freude und wirft dem Epos, welches auf das beste deutsche Album aller Zeiten "The White Goddess", den Super-Superlativ "bestestes Album" nach. Hoffen wir, dass sich die Herren und die Dame (Coralie Baier ersetzt Michael Koch an der Gitarre) um Manuel Trummer in Zukunft nicht erneut übertreffen, nach langer Wartezeit unseren Kosmos auf ein Neues umdefinieren.

Wie? Stimmt, "The Course Of Empire". Deutlich härter, eckiger, dunkler gar als die Vorgänger werfen uns ATLANTEAN KODEX mehr als eine Stunde epischsten Metal der kitschfreien Sorte vor die Füße. Raumfüllende BATHORY der "Blood, Fire, Death"-Ära (siehe auch die Ähnlichkeiten in der Covergestaltung) und alte MANOWAR sind wie immer die Referenzen, obschon die Band natürlich auf völlig eigenen Füßen steht. 

Extrem gelungen ist der Sound. Mächtige Gitarren, nicht weniger massive Drums und der immer besser werdende Gesang schieben deftig an, verwaschen aber nicht im Mix und es gibt dann eben diese Momente, in denen man die Musik des Fünfers beinahe atmen hört, man kann zwischen die Instrumente hören, sehen. In Zeiten der arg ärgerlichen Lautstärkenkriege ist ein solches Klangbild eine Wohltat der allerersten Güte.

Die Songs sind allesamt lang (fast) und progressiver geworden. Hier strebt sich die Band aber, diesen Begriff zu gebrauchen. "Progressiv" sei mittlerweile nur mehr ein Synonym für "technische Musik". Die Arrangements auf dem Album "The Course Of Empire" sind aber auf jeden Fall vielschichtiger geworden. Es bedarf einiger Umdrehungen bis man sich auch nur etwas auf dem Album zurechtfindet. Hier ist auch mein Problem mit der dritten Studioveröffentlichung der Band: Bisweilen lässt man die Songs nicht gewähren sondern nagelt in etwas Gelungenes wie den Uptempo-Part von "Chariots" einen beinahe doomigen Epic-Part rein der die Energie des Songs zuvor völlig verpuffen lässt. Ist ja gut, Jungs und Mädel, ihr seid Epic Metaller, aber sich  mit aller Gewalt einen runterzu-ohohohohoho-en muss nicht immer sein.

Ist "The Course Of Empire" also besser als die beiden Vorgänger? Absolut. Härter, interessanter, unzugänglicher, weniger kitschig. Warum dann nur vier Punkte? Weil ich wohl noch einige Wochen brauche, um ein wirklich fundiertes Fazit abzugeben. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass das Album im Herbst und im Winter deutlich besser funktioniert als bei fast 30 Grad im September. 

Leicht möglich, dass ich mich dem Album später im Jahr erneut auf Stormbringers Seiten nähern werde. Fürs Erste verbleibt aber ein neuer Höhepunkt in der Karriere von ATLANTEAN KODEX.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (13.09.2019)

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