ROGGA JOHANSSON - Entrance To The Otherwhere

Artikel-Bild
VÖ: 19.07.2019
Bandinfo: ROGGA JOHANSSON
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Der Status Schwedens als El Dorado für althergebrachten Death Metal ist unbestritten. Auch ist es keine Seltenheit, dass sich Musiker des Genres in mehreren Bands gleichzeitig tummeln. In Rogga Johansson dürfte aber selbst der emsigste Elchmalträtierer seinen Meister finden, denn was dieser Mann so alles zusammenzimmert, grenzt an Leistungssport am Sechssaiter. Es gibt ja Bands, deren Liste ehemaliger Mitglieder das Format "Telefonbuch" ausfüllen könnte, aber im Falle Rogga Johanssons gilt dies schlicht für die Zusammenstellung seiner Bands und Werke bis dato. Und was braucht ein Musiker, dessen Fleiß und Produktivität derart rekordverdächtig sind? Richtig - eine weitere Band, und zwar unter eigener Flagge! Und weil Rogga Johansson auch als ROGGA JOHANSSON nichts anbrennen lässt, steht mit "Entrance To The Otherwhere" bereits die zweite Soloscheibe des Schweden in den Regalen.

Die Vermutung, dass der Death-Metal-Veteran als Solokünstler ungebunden Musik komponiere, die zu seinen "üblichen Verdächtigen" wie PAGANIZER, REVOLTING, usw. nicht so recht passen würde, liegt nahe und trifft auch in gewisser Weise zu. Doch sollte man, womöglich zum Wohlgefallen vieler Kenner seiner Kunst, keine allzu großen Quantensprünge erwarten. ROGGA JOHANSSON bleibt auf dem Teppich und schwingt weiterhin motiviert die (leicht vermoderte) schwedische Flagge. So erscheint der Einstieg mit "The Re-Emergers" recht vertraut und wie eine melodischere Version seiner aggressionsliebenderen Bands. Das Zusammenspiel aus eingängigen Leads auf der einen Seite und harten Rhythmuswänden auf der anderen Seite funktioniert gut und läuft ebenso unbeschwert rein. "Till Bergets Puls" nimmt den Fuß noch weiter vom Gas, arbeitet sonst nach einem ähnlichen Schema und ist, vielleicht mal abgesehen von den gewöhnungsbedürftigen Keyboards, nicht weniger unterhaltsam.

Es folgen drei weitere Elchmassaker (oder vielleicht doch eher Elchmassagen) von gediegener Schlagzahl, bis ROGGA JOHANSSON noch einmal tief in die Wundertüte greift. Das Instrumentalstück "Berget Vaknar" fährt sanfte Klavierklänge bei romantisch knisterndem Feuer auf und dürfte damit die Überraschung des Albums sein. Überraschend ist dies allemal, aber wenn man ehrlich ist, auch ziemlich schnulzig - immerhin dürfte Leo DiCaprio wieder unentwegt aus dem Nordatlantik auftauchen, wenn man dieses Stück zu laut spielt. Der Titelsong "Entrance To The Otherwhere" erweist sich vielschichtig und kombiniert Punkrock-Einflüsse mit schweren Death-Metal-Riffs und Klaviereinlagen, die auch gut ankommen. Mit "A Journey Into Fear" wird kurz vor Torschluss noch einmal zünftig der Elch gegrillt, bevor "In The Grip Of Garpedans" einen doomig schleppenden Schlusspunkt setzt.

Damit schließt die Bilanz von "Entrance To The Otherwhere" mit acht potenten (Melodic) Death-Metal-Songs und einer...nun ja, bleiben wir einfach bei "Überraschung". Wer in diesem Jahr noch nicht genug von Rogga Johansson zu Ohren bekommen hat, nicht bis zur nächsten PAGANIZER-Scheibe warten kann oder einfach nur Spaß am Elch hat, der dürfte hier fündig werden. Von mir gibt's dafür dreieinhalb von fünf möglichen Geweihen!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (17.08.2019)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE