HELLRAZER - Bonecrusher

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VÖ: 03.06.2019
Bandinfo: HELLRAZER
Genre: Heavy Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Man stelle sich einen Dialog zwischen Marty McFly und Doc Brown vor, bei dem beide darüber sinnieren, was sie bei einer Reise nach 1985 alles in ihren DeLorean stecken würden:

Marty: "Ich denke da an meine Freundin Jennifer Gitarre, die war damals noch frisch und schön..."
Doc: "Ich denke an...[die Augenbrauen und die Stimme hebend]...HELLRAZER!"
Marty: "HELLRAZER? Ist das nicht der Gruselfilm, in dem Lemmy von MOTÖRHEAD mitgespielt hat?"
Doc: "Nein, HELLRAZER mit "Z" und ohne "I" - das sind kanadische Schwermetallforscher, die nebenbei Musik machen! Die sind besser als dein ständiges HUEY LEWIS & THE NEWS-Gedudel!"
Marty: "Sie sind der Doc, Doc! Vielleicht sollte ich wirklich mal neue Musik hören, von HUEY LEWIS bekommt Einstein Blähungen..."
Doc: "Präzise!"

So oder so ähnlich könnten HELLRAZER den Weg nach 2019 gefunden haben - vielleicht ist es aber auch einfach nur eine zeitgenössische Band, die den Sound der 1980er zu schätzen weiß und ihn mit "Bonecrusher" zum vierten Mal in Albumlänge feiert. Ungeachtet der Frage, ob Dr. Z und Co. eigentlich 30 Jahre älter sein sollten oder nicht, zählt sowieso nur das Ergebnis.

 

 

Und das ist zumindest am Anfang der Platte durchaus respektabel. "Capture Or Kill" legt in treibendem Tempo vor, schüttelt sich tolle Riffs aus dem Ärmel und macht auf Anhieb Spaß. Der Opener ist die PRIESTigste Nummer der Platte und erinnert sowohl in der Axtarbeit als auch im Gesang deutlich an die Insel-Altmeister. Auf dem Rest der Platte trifft dies zu Gunsten der eigenen Fasson sowie anderer Einflüsse nicht mehr so eklatant zu, was natürlich begrüßenswert ist. Das walzende "Spitting Venom" und sein thrashig angehauchter Nachfolger "Ancient Fire" gehen ebenfalls wie eine Dosis Traubenzucker ins Blut und betanken die metallischen Glykogenspeicher. Der Einstieg in die Platte ist damit ganz gut gelungen, auch wenn zwischendurch immer wieder hervortritt, dass HELLRAZER tendenziell in die Länge komponieren. Dies zeigt sich deutlicher im weiteren Verlauf der Platte, denn das meiste, was da folgt, erscheint im Gesamtbild etwas repititiv bis zahnlos und kann für mein Gehör nicht mehr mit den ersten drei Songs mithalten. Das Gitarrensolo in "Bonecrusher" oder einige starke Riffs in "Necropolis" und "End Of Days" gehen dabei schon als kleine Highlights durch, halten die Lieder aber auf Dauer nicht über Wasser. Dazu kommen häufige Wiederholungen wie in "Necropolis" oder "Killroom", die auf lange Sicht eher zum Skippen als zum Headbangen animieren. Das mit scheidenden Riffs und Ralf Scheepers (PRIMAL FEAR) Gesang gesegnete "Metal Heavy" bleibt daher in der zweiten Albumhälfte mein Fels in der Brandung. Der Sound ist drückend und bis auf die sterilen (Bass-)Drums im Großen und Ganzen gelungen.

Als Oldschool-Fan, der die Backkataloge der üblichen Verdächtigen schon im Schlaf vortragen kann, kann man mit "Bonecrusher" nicht viel verkehrt machen. Wenn HELLRAZER beim nächsten Album etwas ballaststoffärmer komponieren und sich mehr auf die starken Riffs konzentrieren (die sie ja beherrschen), bekommt der Fluxkompensator womöglich doch noch seine "Eins Punkt Einundzwanzig Gigawatt" und ermöglicht mehr als die Verifizierung der morgigen Wetterprognose.

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (13.08.2019)

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