BATUSHKA - Hospodi

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VÖ: 12.07.2019
Bandinfo: BATUSHKA
Genre: Black Metal
Label: Metal Blade
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Lineup  |  Trackliste

Ich möchte diese CD-Besprechung mal für ein Geständnis nutzen - ich höre nicht sooo viel Metal, wie einige Leute vielleicht glauben. Bedingt durch meine Tätigkeiten als Schreiberling, Kabarettist und Moderator komme ich mit soviel mit Musik in Berührung, dass es für zwei Leben reicht, da nehme ich in meiner spärlichen Freizeit eher ein Buch zur Hand, als eine CD. Ab und zu braucht man halt Pause von all diesem satanischen Lärm. Und deshalb bin ich auch (glaube ich halt) gegenüber sämtlichen Metal-Bands auch unvoreingenommener.

Ich vergleiche nicht die Drums der SATANISCHEN FERSENZUTZLER mit den Drums der OBERKRAINER DRACHENBEKÄMPFER vom ersten Demo aus dem Jahre 1984, eben weil ich nicht so sehr in der Szene drin bin, wie so manch andere. Aus dem selben Grund sehe ich mir nie einen Trailer von einem Kinofilm an - ich will immer das Gefühl haben, wie die Jungfrau zum Kinde zu kommen. Diesmal komme ich eben bei BATUSHKA zum Handkuss.

Diese Band habe ich seit ihrem ersten Auftreten in der Szene 2015 nur so nebenbei mitbekommen. Ich weiss gerade, dass sie vermummt, bzw. verkleidet auftritt und daß es im Moment bei ihnen zugeht, wie in einer x-beliebigen Daily-Soap: Ein Bandmitglied hat das dringende Bedürfnis, sich die Namensrechte der Band zu sichern, ohne die Kollegen vorher zu fragen, die hatten aber irgendwie auch dieselbe Eingebung und schon sind wir mitten in einem Rechtsstreit.

Dazu noch viele Kommentare in den Social-Media-Kanälen, meistens von Leuten, die seit Anbeginn der Bandkarriere schon bei ihnen im Proberaum sitzen und natürlich aus erster Hand wissen, was genau da passiert ist... also eh, wie bei allen Themen im Internet... Aber lassen wir das mal alles weg und konzentrieren uns auf die Musik. Und die ist gut, verdammt gut.

Für mich ist es die erste musikalische Begegnung mit dieser Band und was soll ich sagen? ICH WILL MEHR DAVON!!!

Beim ersten Mal anhören von "Hospodi" stellt sich dieses Gefühl von "na, ja - eh nett!" ein. Doch dann ist das Album zu Ende, man widmet sich anderen Aufgaben und da sind plötzlich Melodien, Riffs und Chöre im Kopf und die kriegt man nur schwer wieder raus. Also das Album wieder und wieder eingelegt und es wächst und wächst und wird immer besser.

Viele andere Bands arbeiten mit denselben Elementen wie fetten Chören, sphärischen Klängen, langgezogenen Riffs. Doch BATUSHKA heben sich vom Gros der anderen Bands hervor und das massiv, einfach weil es "echt" klingt. Es passt einfach perfekt zusammen und wirkt zu keinem Zeitpunkt peinlich oder billig. Vor allem schaffen sie es, interessant zu bleiben.

Immer wenn man für einen Sekundenbruchteil denkt "jetzt wirds aber schon ein wenig eintönig" ändert der Song abrupt die Richtung, es kommt ein Break, ein neuer Chor, der den Song massiv aufwertet und man ist wieder zufrieden. Die Songs sind meilenweit entfernt vom Schema F!

Zu den Texten kann ich leider nichts sagen, die Titel sind in einer mir unbekannten Sprache und ob sie jetzt über die Spielregeln beim "Skip-Bo", oder über die Schwierigkeiten beim Bienenzüchten "singen", entzieht sich meiner Kenntnis - also eh wie bei 90% aller Metal-Bands. Die einzige Info, die ich habe, ist dass "Hospodi" eine altslawische Bezeichnung für "Gott" ist.

Wenn ihr, so wie ich, zum ersten Mal mit der Band in Berührung kommt, empfehle ich Track Nr. 5 "Polunsznica" (nein, meine Katze lief nicht über die Tastatur - der heisst wirklich so), Track Nr. 9 "Stestoj Czas" und vor allem den Abschlusstrack Nr. 10 mit einem Wahnsinnsriff, der sich im Hirn festsetzt - "Liturgiya", zu dem es auch ein aktuelles Video gibt.

Fazit: Ein grossartiges Album, fesselnd, interessant und ich werde mir gleich das erste Album der Band besorgen und bei der nächsten Gelegenheit ein Konzert von ihnen besuchen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Richard Metfan (15.07.2019)

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