ANCHORAGE - The Fifth Wall

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VÖ: 07.06.2019
Bandinfo: ANCHORAGE
Genre: Post Hardcore
Label: Pogo's Empire
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Lineup  |  Trackliste

Noch im Frühjahr berichtete ich sehr begeistert von einer frischen Band aus Wien namens ANCHORAGE, mit deren Sänger Chris ich direkt ein Interview führen durfte. Zu dieser Zeit plauderten wir noch über die angehenden Aufnahmen und die kommende EP und seit 07.06. 2019 ist sie nun da und trägt den Namen „The Fith Wall“.

Die Herren Vadim (Vocals), Chris (Guitar/Backing Vocals), Rafael (Guitar), Kenny (Bass) und Dominik (Drums) haben sich mit ihrem Post-Hardcore, welcher schon eine feine Menge an Punk-Attitude mit sich bringt, schon sehr beeindruckt und daher war ich gewaltig scharf darauf mal eine Scheibe von ihnen in die Finger zu bekommen. Nachdem Chris mir schon einen kleinen inhaltlichen Vorgeschmack gegeben hatte war die Spannung natürlich groß. Doch bevor ich direkt auf die Tracks eingehe, gibt es noch ein kleines Update zu den aktuellen Entwicklungen was die Band betrifft.

2017 hat sich die aktuelle Formation zusammengefunden und losgelegt Songs zu komponieren, welche dann auch schon im November des Jahres live zu hören waren. Die Herren spielten in den ersten Jahren fleißig in Österreich, aber auch schon im Ausland, herum und kurz nach dem Release der EP zerlegten sie schon das NOVA ROCK, bei welchem sie zum größten Circle-Pit Österreichs aufriefen. Ich ließ mir von Anwesenden berichten, dass jener Pit schon amtlich war, da ich das Festival leider dieses Jahr auslassen musste. Doch egal, der Steilstart der Partie dürfte somit fein dargestellt sein und somit befassen wir uns endlich mit der EP.

Chris meinte damals zu mir, dass die Band auf jeden Fall die Creme de la creme der Kompositionen als Tracklist für die EP, welche übrigens von Daniel Fellner produziert wurde, zusammenstellen wird. Schlussendlich besteht jene aus vier mächtigen Tracks, welche auf jeden Fall eine gute Erklärung für den steilen Start der Partie sind.

Losgelegt wird mit dem Track „A Voice Within“, welcher etwa vor einem Jahr als Debüt-Single, inklusive Video, veröffentlicht wurde. Mit einem netten Fade-In wird man in den Song gezogen, in welchem die straighten Drums direkt zeigen wo es langgeht. Die Gitarren liefern einerseits sehr melodisch, drücken dann aber bei den Breakdowns ganz schön an. Die drückenden Passagen sind dann auch jene in welchen der Bass einem auch so richtig schön durch den Magen fährt. Um 1:30 wird etwas entschleunigt und dann mit voller Kraft in den Refrain gefahren, welcher nicht nur zum „Mitplärren“ anregt, sondern auch eine perfekte Pitmöglichkeit darstellt. Als Krönung des Ganzen lassen sich dann die dazugehörenden Vocals von Vadim bezeichnen. Der Herr weiß schon ganz genau wie er mit der Dynamik der Instrumentalsektion arbeiten muss und liefert dadurch mit einer verdammt nicen Intensität. Soviel einmal nur zum Opener der EP.

Nachgeschossen wird mit dem Track „Default“, welcher ebenfalls schon mit einem Video veröffentlicht wurde. Diese Nummer fährt einem direkt ins Gesicht und speziell heftig wird es ab 2:10, da Vadim sich einfach nur mehr brachialst die Seele aus dem Leib plärrt. Darauf folgt eine verdammt kurze Pause, bis Dominik mit einem Fill in den Refrain überleitet.

Nummer Drei wurde erst vor Kurzem auch mit einem Video bestückt und zeigt sich im Vergleich zu den vorherigen Tracks etwas ruhiger, doch nur zum Anfang. „Karma“ bringt fette Rhythmik, aber vor Allem „Mitsing-Passagen“ vom Feinsten, inklusive „Call and Answer-Sektion“. Die Passage um 2:40 baut enorm Druck auf bevor der Refrain nochmals losbricht und schlussendlich das Fade-Out kommt.


„Serpentines“ nennt sich der vierte Track und jener schlängelt sich wunderbar mit seinem verdammt motivierendem Sound ins Ohr. Zuerst gibt es mit schneller Rhythmik aufs Fressbrett und im Refrain wird es wieder etwas melodischer. Die Übergangspassage vom ersten Refrain zum Vers hämmert richtig nice und gibt der zweiten Hälfte des Songs nochmal extra Schub, wobei der Aufbaupart ab 2:20 einen gewaltig auf Touren bringt.

So, da wir nun die musikalische Seite des Ganzen beleuchtet haben, gehört auch einmal den Lyrics Aufmerksamkeit gewidmet. Die ganze EP lässt sich auch durch die Brille eines gewissen Konzeptes sehen, welches von Vadim erdacht wurde. Die Songtexte hatten ursprünglich keinen konkreten Zusammenhang, doch in der Gesamtheit betrachtet bemerkte er, dass sich die Themen als Beschreibungen der Todsünden zusammenfassen lassen. „A Voice Within“ beschäftigt sich somit mit der Sünde der Faulheit, genauer gesagt thematisiert Vadim hier die Begebenheit, dass wir uns sehr oft selbst blockieren. Die Aufgabe sieht er in der Auflösung der Blockaden durch das finden eines Ankerpunktes. Da er Musik als Medium sieht, welches Anderen hilft und verbindet, ist klar, dass auch diese EP als Ankerpunkt von Anchorage zu sehen ist.

„Default“ widmet sich dann der Sünde Nummer Eins : Stolz. Hier wird jedoch nicht wie gewohnt einfach auf die Arroganz, welche bei „überstolzen“ Personen gerne auftritt, aufmerksam gemacht, sondern eher darauf, dass man nicht den Fehler bei Anderen suchen soll, bevor man ihn nicht bei sich gesucht hat. Eine wirklich interessante und zum Denken anregende Message!

„Karma“ und „Serpentines“ setzen sich dann beide mit Wut und Bitterkeit auseinander, wobei in zwei verschiedenen Blickwinkel. „Karma“ bezieht sich eher auf Wut die man auf sich selbst richtet und „Serpentine“ nimmt sich eher der Wut nach Außen an. In beiden werden aber auch Sorge und die dazugehörige Angst angesprochen.

Man merkt, dass Vadim sich da schon Einiges durch den Kopf gehen lassen hat,  nicht nur wenn es um den Gesamtrahmen geht, sondern im Generellen. Da das Konzept noch nicht vor der Entstehung der Tracks feststand, muss man die Texte auch als Resultat von persönlichen Eindrücken Vadims sehen und sich auch für die Darlegung dementsprechend bedanken. Diese starke persönliche Bindung zu den Tracks hört man Insgesamt, aber auch im Speziellen an den Vocals. Schlussendlich bleibt die Message der EP kurz und fassbar: „Be yourself!“

Somit bleibt nur mehr zu sagen, dass „The Fifth Wall“ eine wirklich gelungene EP geworden ist und ich zurecht gespannt war. Die Songs laufen schon brav in der Playlist meines Autos und werden dies auch noch einige Zeit weiter tun. Ich bin wirklich gespannt was da noch so von ANCHORAGE kommen mag, die EP ist jedenfalls Post-Hardcore vom feinsten und dass auch noch mit einer feinen Message!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Gregor Eder (05.07.2019)

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