TANZWUT - Seemannsgarn

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VÖ: 07.06.2019
Bandinfo: Tanzwut
Genre: Mittelalter Rock
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Dass zwischen "Freitag der 13." (VÖ: 2015) und "Schreib es mit Blut" (VÖ: 2016) nur ein Jahr lag, hörte man letzterem Output der deutschen Mittelalter-Institution TANZWUT deutlich an; zumal zuvor auch in den Jahren 2013 und 2014 ein äußerst straffer Release-Zeitplan umgesetzt wurde und man offenbar beweisen wollte, dass man auch noch mit der grundlegend erneuerten Formation rechnen sollte. Wie sich mittlerweile aber allmählich herumgesprochen haben sollte, prangt mittlerweile die Zahl 2019 auf dem Kalender und als dann kürzlich TANZWUTs neuestes Album "Seemannsgarn" angespült wurde, rieb ich mir tatsächlich verwundert die Augen, weil ich zunächst dachte, dass ich in den letzten Jahren neues Material aus reiner Übersättigung übersehen und -hört habe, in Wahrheit aber doch Ruhe im Studio von Teufel und Co. einkehrte und dies nun das erste musikalische Lebenszeichen seit "Schreib es mit Blut" darstellt.

Einen besseren Zeitpunkt für eine Rückkehr hätten sie sich allerdings nicht aussuchen können, denn während viele ihrer Kollegen experimentieren und zu unterschiedlichen Klangufern aufbrechen, fokussieren sich TANZWUT auf klassischen Mittelalter Rock/Metal und sollten daher diejenigen auf ihre Seite locken können, die zwischen all dem Fortschritt gerne auch mal in Tradition schwelgen wollen. Der Einstieg - deutlich stärker als auf dem Vorgänger-, der im Trio "Seemannsgarn", "Galgenvögel" und "Reden ist Silber" zwischen Melancholie, gut getimten Mittelalter-Einschüben und deftigen Riffs alles bündelt, was dem Genre dereinst zu wachsenden Erfolgen verhalf, sollte dafür der Überzeugungsarbeit genüge sein. Gleiches gilt im Übrigen auch für "Im freien Fall" und "Herrenlos und frei", die ihrerseits auf ähnliche Art und Weise den Ausstieg aufwerten.

Das heißt im Umkehrschluss allerdings auch, dass TANZWUT leider erneut weitestgehend auf Electronica jedweder Art verzichten und sich somit einer Komponente berauben, die seinerzeit nicht nur zweckmäßiges Alleinstellungsmerkmal war, sondern auch viele denkwürdige Momente kreiert hat. Klar, man ist dank der Vocals von Teufel sowie der metallischen (NDH-)Grundausrichtung auch ohne besagte Einflüsse leicht von anderen Genre-Interpreten zu unterscheiden, aber man hat nicht selten das Gefühl, dass man damit den ein oder anderen ziellos umherirrenden Song hätte aufhübschen können. Denn: auch "Seemannsgarn" schleppt einige derselben Probleme seiner Vorgänger mit sich herum und hat spürbare Mühe dabei, über die knappe Stunde Spielzeit ein konstantes Niveau zu erreichen, sodass, wie englischsprachige Kollegen wohl sagen würden, gerade im Mittelteil viel hit or miss zustande kommt und dabei lediglich die aktualitäts-bezogenen "Schwarzes Gold" und "Das Gewissen" aus dem Tritt kommen.

Wie lässt sich das lösen? Das müssen TANZWUT im Endeffekt für sich selbst klären, aber gleichzeitig muss natürlich die Frage erlaubt sein, ob es wirklich 13 Songs benötigt. Einerseits ist es löblich und verständlich, dass man stets um Abwechslung bemüht ist und damit natürlich auch altertümliche Stücke oder Balladen einbauen möchte, doch andererseits ist das Sextett aktuell eben nicht in der Verfassung, ein durchgehend fesselndes Album zu schreiben, obwohl sich immer wieder richtig starke Nummern darauf tummeln. Das ist insofern schade, weil auch "Seemannsgarn" wieder viel Potenzial beweist, anschließend aber im Rausche seiner stärksten Songs nachlässig wird und das Qualitätslevel nicht halten kann. Die Moral: Auch längere Pausen zwischen zwei Alben sind kein Erfolgsgarant.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (09.07.2019)

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