BEWITCHER - Under The Witching Cross

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VÖ: 10.05.2019
Bandinfo: BEWITCHER
Genre: Black / Thrash Metal
Label: Shadow Kingdom Records
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Lineup  |  Trackliste

Womit vertreibt man sich die Zeit, wenn VENOM, wie Kollege Christian "Frostbitten Magus Of Evil Steiermark" Wiederwald in seiner Sezierung zu deren aktuellem Krachtonträger "Storming The Gates" trefflich in's Schwärzeste getroffen hat, nur noch „allerhöchstens Durchschnitt“ in das Presswerk ihres Vertrauens absenden? Man schaut sich woanders um, denn andere Mütter haben bekanntlich auch schöne Black/Thrash/Speed Metal Bands. Und da die Esse im Hause MIDNIGHT aktuell noch nicht zu glühen scheint, erscheinen BEWITCHER mit ihrem Second Coming "Under The Witching Cross" gerade zur richtigen Zeit im brach liegenden Oldschool-Rumpel-Land. Die Frage ist: Lohnt sich der Hexentanz auch sonst, oder hört man's halt einfach nur, weil's grad' nix Anderes gibt?

Ihr ahnt es schon zu Recht: Den Preis für besondere Originalität werden BEWITCHER mit "Under The Witching Cross" nicht abräumen, dafür aber für besonders nostalgisch-räudigen Lärm, der sich nur dann reproduzieren lässt, wenn man vorher haargenau die richtige Schnittmenge aus „sich nicht zu ernst nehmen" und "sich zu ernst nehmen" ermittelt hat. Ein bisschen Spielglück gehört sicherlich auch zum Erfolgsgeheimnis, aber wenn es ein Album gibt, das diesen mit NWOBHM angereicherten Sound in knackigen 32 Minuten so pointiert auf den Punkt zu bringen weiß, dann wohl dieses. "Savage Lands Of Satan" dürfte dabei nicht nur der adäquate Albumopener sein, sondern wird sich - nicht zuletzt wegen der schmissigen Lead-Arbeit - auch live gut darin machen, die Heerscharen von Killernieten und Kutten umgehend für den Kampf an der Seite böser Mächte zu mobilisieren. Bevor man dann mit "Heathen Woman" und "Too Fast For The Flames" endgültig den Gashebel an die Leistungsgrenze treibt und die Speed-Einflüsse - keine Macht den Drogen! - sukzessive erhöht, wird es in "Hexenkrieg" noch einmal rockiger.

Was mir besonders gut an "Under The Witching Cross" gefällt, ist die lockere bzw. ungezwungene Attitüde, mit der man später auch noch in Rom zündelt oder "Under The Sign Of The Goat" ein "Frostmoon Ritual" abhält und dabei einen Hauch Traditional Doom-Epik vorträgt. Während man bei vielen Projekten oftmals vom Gefühl beschlichen wird, man würde das rein aus kalkulierter Motivation einspielen, um ein paar Alles-Gutfinder damit abzuholen, klingen BEWITCHER - genauso wie MIDNIGHT eben auch - so authentisch, als hätten sie die letzten gut 30 Jahre unter einem modrigen Stein verbracht und dort nichts Anderes getan, als tagein tagaus die Klassiker von VENOM, MOTÖRHEAD und IRON MAIDEN auf Lunge zu inhalieren. Mit anderen Worten: "Under The Witching Cross" ist ein Must-Have für all jene, deren musikalische Zeitrechnung irgendwann in den 80ern ein abruptes Ende genommen hat, wird sich grundsätzlich aber für die meisten Oldschool-Liebhaber als kleines Juwel entpuppen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (22.05.2019)

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