GLARE OF THE SUN - Theia

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VÖ: 21.06.2019
Bandinfo: GLARE OF THE SUN
Genre: Doom Metal
Label: Lifeforce Records
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Lineup  |  Trackliste

Wir sprachen ja bereits einmal darüber, dass das Bundesland der Festspielstadt Salzburg bereits so manche spannende, ungewöhnliche Formation hervorbrachte. Nahtlos in diese wachsende Riege eingliedern kann man GLARE OF THE SUN, die mit „Theia“ bereits ihr zweites Album am Start haben. Sieht man sich die aktive und vergangene Referenzliste der einzelnen Mitglieder dieses Fünfers an, die von ZOMBIE INC. Über COLLAPSE 7, MICROTONNER und GHOULS COME KNOCKIN' bis hin zu PROLL GUNS reicht, so wird schnell klar, dass hier keine Frischlinge mehr am Start sind. Und das merkt man der von Martin Schirenc und Dan Swanö produzierten Platte dann auch an. Doch nun genug des Namedroppings, denn im Vordergrund stehen bei GLARE OF THE SUN keine schnöden Vergleiche, sondern die Musik selbst, die sich wie ein strahlender Diamant aus der tiefen Schwärze erhebt.

Der Fünfer geht bei „Theia“ dabei mit Lyrics sehr sparsam um und akzentuiert die Musik gekonnt mit vokalen Elementen, die von geheimnisvollem Flüstergesang über mystische Harmonien bis hin zu kantig-aggressiven Eruptionen reichen. Dabei siedeln sich GLARE OF THE SUN irgendwo zwischen träumerischem Post Rock/Metal und atmospärischem Doom an, mit dezentem Hang zu proggigen Songstrukturen, teils, wie in „VII“, auch ein wenig in die atmosphärische Richtung der heimatlichen Granden von OUR SURVIVAL DEPENDS ON US – so verwundert es nicht weiter, dass sich auf „IV“ Thom Kinberger von selbigen ein gesangliches Stelldichein gibt.

Einzelne Titel aus dem in zwölf Kapitel (in römischen Zahlen von I bis XII durchnummeriert) unterteilten Werk herauszugreifen fällt schwer, denn „Theia“ fungiert als in sich greifendes Gesamtkonzept, dessen einzelne Songs sich mit jedem Hördurchlauf wie eine Blüte entfalten und dem Hörer dabei eine wunderbar vielfältige musikalische Welt offenbaren.

Die Reise durch „Theia“ beginnt dramatisch, weniger doomig, denn schon post-metallisch und offenbart sphärische Soundwelten, die die Malerei mit Emotionen perfektioniert haben. Zwischen fragil flüsternden Stimmen und harschem Geschrei liefern GLARE OF THE SUN ein abwechslungsreiches Hörerlebnis, das zwischen kantig dahingroovenden Parts, epischen Arrangements, sanften Akustikpassagen und kratziger Aggressivität mäandert und den Hörer dabei nachhaltig über die gesamte Spiellänge von mehr als einer Stunde zu fesseln weiß. Ob nun als Akustikgitarren-Interlude („VI“), als schleppend-schwerer Doom-Brocken („VIII“), mit großartigem, melancholischen Spannungsbogen („IX“) oder als sanfter, mystischer Titel („XII“), der das Album stimmungsvoll ausklingen lässt – bei GLARE OF THE SUN sitzt jede Note dort, wo sie sein soll. Wie Bausteine fügen sich die Songs zu einem großen Ganzen zusammen, dessen musikalischer Anziehungskraft man sich nur schwer wieder entziehen kann. Einmal eingetaucht in dieses akustische Universum, ist es schwer, sich wieder daraus zu lösen, denn selbst nach dutzenden Hördurchläufen verliert „Theia“ nichts von seiner tiefen Faszination, die aus der gekonnten Vertonung von Emotionen erwächst.

GLARE OF THE SUN haben mit „Theia“ wahrlich ein kleines Juwel geschaffen, das frei von Genrezwängen allen Liebhabern atmosphärischer Musik sehr viel Freude machen sollte. Zur leichtfüßigen Berieselung taugt das zweite Album der Salzburger allerdings nicht - es wäre auch eine Schande, derart komplexem, wunderschönem Liedgut die Aufmerksamkeit zu verweigern, die es verdient. Der Rezensent ist verliebt in "Theia" - und ihr hoffentlich auch bald...

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (19.06.2019)

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