XAON - Solipsis

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VÖ: 12.04.2019
Bandinfo: XAON
Genre: Modern Metal
Label: Mighty Music
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Lineup  |  Trackliste

Wer meinen Namen als Reviewer für Stormbringer schon hie und da auftauchen sah, der weiß, dass ich die “sanftere” harte Musik bevorzuge, also Rock, Bluesrock, Melodic und auch die Sachen, wo “Power” dabei steht. Es ist eher selten, dass ich mich in die „harte“ harte Musik verirre, aber wenn ich es tue, dann hat es seinen Grund und ist es mir auf jeden Fall wert.

So auch heute mit der Schweizer Band XAON, die einen sehr interessanten Mix auf ihr zweites Album gepackt hat. Zufällig rein gehört, ließen mich ein paar Songs nicht mehr los, vor allem der Namensgeber des Albums "Solipsis". Bei XAON wird auch der aufgeschlossene „Normalkost“-Hörende fündig, vor allem, wenn er – wie ich – gelegentlich für gewisse Stunden (Frust, Ärger und so) mal was braucht, was so richtig rein haut, aber natürlich mit Niveau.

Stilistisch bewegen sich die Schweizer irgendwo zwischen DARK TRANQUILLITY, TYPE O NEGATIVE und SEPTIC FLESH, bei manchen Songs schaffen sie es, wie ARCH ENEMY zu klingen, bei anderen nach Filmmusik und Metal-Bühne/Oper.

Die beiden Masterminds Vincent Zermatten und Rob Carson schaffen es, den zumeist zugrunde liegenden Death Metal mit zahlreichen unterschiedlichen Richtungen aufzupeppen, ohne dabei zu verstören oder das Hauptaugenmerk - gute Musik machen - zu verlieren. Basierend auf einer schwerpunktmäßig extremen Musik entsteht so durch das Hinzufügen von sanften Parts, orchestralen Einspielungen, Pianoklängen und bearbeiteten Vocals vielfältige Songs, die eine harmonische Aggression (oder aggressive Harmonie?) beherbergen.

Beim Einsatz von Chören zum Hervorheben von Textpassagen und Refrains wird nicht gespart. Wechsel in der Geschwindigkeit gehören zu jedem Song, durch sie werden die langen Stücke – oft über sechs Minuten – in kleinere unterschiedliche Einheiten geteilt, sodass der Eindruck entsteht, mehr als nur einen Song anzuhören. Erst wenn sich am Ende Gesangstechnik und Basissound wiederfinden, wird klar, dass man noch immer das gleiche Stück hört. In diesen langen Songs gibt es natürlich lange Instrumentalteile, bei denen zumeist die Gitarre brilliert und mit den Soli einen wichtigen Part übernimmt, sehr oft wird der Rhythmus von der ratternden Doublebass bestimmt, es kommt aber auch vor, dass mal ein Piano den Ton angibt beziehungsweise die orchestrale Einspielung am wichtigsten ist.

Wie schon kurz angesprochen - bestes Beispiel hierfür ist "Solipsis". Die Riffs zu Beginn sind 1 a mit der Kombination Chor und Synthesizer – mal mit sphärischen Klängen, dann wieder als harter Gegenpunkt zu Bass und Schlagzeug. Der Gesang ist sehr vielfältig: clean, Growling, rau, lieb, Chor, .. Mal haut der Song rein, dann schwebt er und dann reißt er einen durch diesen Hammer Rhythmus mit, der wahnsinnig ins Ohr und in den Kopf fährt (heabangen!!), und dem man sich einfach nicht entziehen kann. Eine absolut geniale Nummer.

Weitere Anspieltipps:

„Eros“: 50 % extremer Metal, 50 % Theater/Oper. Es wird mit einem sehr schönen akustischen Gitarrenspiel und Streichern gestartet, dann ein Metal-Teil. In der Mitte des Songs und als Höhepunkt ein gewaltiger Chor mit Orchesterbegleitung. Und natürlich der obsolete harte Ausklang. Bei diesem Song überwiegt der „normale“ Gesang und macht ihn daher zu einer gewagten Mischung.

„Mobius“: langsam, ruhig, nachdenklich, dann Schwenk zu einer filmreifen bombastischen Melodie, bevor Screams, Growling, Double-Bass und Gitarren-Attacken einsetzen. Ein Epos entsteht, die Vocals mal als Sänger, dann als Geschichtenerzähler, verschiedene Sichtweisen, Ansätze, Emotionen werden durch die unterschiedlichen Stimmlagen und Bearbeitungen der Vocals ausgedrückt. Mir fällt einfach kein anderer Ausdruck als „filmreif“ ein. Das ist genau das, was vor dem geistigen Auge abläuft: Action, Verfolgung und Gefühl.

„Beast“: ein Gewaltakt am Schlagzeug, überwiegend brutal gespielt und geröhrt, dann aber normale Vocals und Orchesterbegleitung im Background. Einfach typisch XAON - dieses Muster ist die überwiegende Spielart auf dem Album, aber es funktioniert hervorragend.

„Mask“: der letzte Song hat Thrash Anteile in Kombi mit Orchester, aber auch wieder die schön gesungenen Teile mit Doublebass-Begleitung.

Fazit: Durch ihre Kombination verschiedener Stile und weil sie eigentlich vor nichts zurückschrecken, kann man XAON weder als Death Metal noch als Extreme Metal Band sehen. Reiner Metal ist es auch nicht. Aufgrund der Vielfältigkeit darf Progressiv herhalten, wobei sie dafür eine extreme Härte mitbringen. Insgesamt ein sehr interessantes und gelungenes Werk, an dem man nicht vorbei gehen sollte.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (15.05.2019)

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