ZAUM - Divination

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VÖ: 26.04.2019
Bandinfo: ZAUM
Genre: Doom Metal
Label: Listenable Records
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Lineup  |  Trackliste

Neues aus dem orientalischen Dschungel: ZAUM kehren drei Jahre nach ihrem Meisterstück "Eidolon" mit dem von mir sehnlichst erwarteten Nachfolger, "Divination" ward er genannt, zurück und setzen ihre Reise durch die dicht bewachsene Flora entlegenster Orte fort. Geändert hat sich bei dem zum Trio herangewachsenen Projekt (Nawal Doucette ist am Keyboard dazugestoßen, um den Sound noch sphärischer gestalten zu können) wenig bis nichts; einzig die Labelheimat verschob sich von Schweden (I Hate) nach Frankreich (Listenable Records), was im europäischen Raum sicherlich für etwas mehr Bekanntheit sorgen sollte. Die künstlerische Klasse dafür haben die Kanadier, den eigenständigen Stil sowieso.

Was den persönlichen Status Quo von ZAUM in meiner eigenen kleinen Welt perfekt beschreibt? Dass ich nach dem ersten Durchgang gleichzeitig unter- und überwältigt war. Wie das gehen soll, versuche ich am besten mal so zu beschreiben: Unterwältigt deshalb, weil der Überraschungseffekt nach "Eidolon" natürlich irgendwie verflogen ist und man dementsprechend nicht mehr ganz so schelmisch grinst, weil man diese irre Stilmische noch nie zuvor gehört hat - ähnliches kennt man ja auch von URFAUST, die natürlich trotzdem immer noch ganz großes rituelles Tennis (ihr wisst schon, mit Totenschädeln, Weihrauch und Kerzenständern...) spielen. Genau dasselbe wie das niederländische Duo Infernale schaffen ZAUM mit "Divination" allerdings auch, womit wir schon bei dem Punkt angelangt wären, wieso ich dennoch überwältigt bin: weil die drei neuen, überlangen Stücke trotzdem über alle Zweifel erhaben und mir eine Gänsehaut nach der anderen bescheren.

Man muss nämlich auch mal die Palme im Dschungel stehen lassen: Herausragende Kunst bleibt herausragende Kunst, selbst wenn man als Außenstehender keinen vermeintlichen "Fortschritt" verspürt und aus logischen Gründen nicht mehr überrascht werden kann. Zumal speziell bei ZAUM sowieso kein Gefühl von Übersättigung o.Ä. grassieren wird, weil ihr Stilmix aus lediglich vom Bass dröhnenden Stoner (nicht selten wird dieser auf Funeral Doom-Tempo gedrosselt), betörendem Ambient und ritualistischen Gesängen einzigarter kaum sein könnte. Die Gefahr, dass man in der nächsten Zeit von einer Trilliarde stilistisch abgekupferter Projekte belagert wird, könnte kaum geringer sein; und selbst wenn: die drei Kanadier hätten auch weiterhin ihr Monopol darauf, weil sie schlichtweg begnadete Künstler sind und das auch auf "Divination" wieder bestätigen.

Vielleicht ist das Drittwerk an dem ein oder anderen Punkt (zu Beginn von "Procession" z.B). etwas lebhafter oder gar aggressiver als "Eidolon", aber das sind allerhöchstens kleinere Ausschläge auf einer Aktivitäts-Skala, die der eines Faultiers gleichkommt - ein liebevoll gemeinter Vergleich übrigens, denn ZAUM legen viel mehr Wert auf üppige Ambience. Ansonsten eignet sich nämlich auch "Divination" wieder bestens für entspannte Brettspiel- sowie laue Sommerabende, Bekämpfung von Herbst-/Winterdepressionen und - vor allem - all jene Momente, in denen man einfach mal abschalten möchte oder vielleicht sogar muss und gleichzeitig auch in eine ferne Welt ohne Sorgen und Ängste entschwinden will - also für quasi alles. In diesem Metier sind ZAUM nicht nur Meister, sondern Magier - und diesen Titel wird ihnen so schnell auch niemand abluchsen können.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (01.05.2019)

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