L.A. GUNS - The Devil You Know

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VÖ: 29.03.2019
Bandinfo: L.A. GUNS
Genre: Sleaze Rock
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

Ich weiß nicht, wie es euch damit geht, aber ich frage mich jedes Mal, wenn wieder eine dieser Alt-Herren Bands, die ich seit Jahrzehnten kenne, mit einem neuen Album und Video anrückt, ob das jetzt bei der Skala von 0 bis 100 eher bei TOP oder bei richtig süß oder doch eher bei Schrott und "einfach schrecklich" einzuordnen ist. Hauptsächlich stelle ich mir die Frage, weil sich manche Bands auch nach Jahrzehnten nicht von ihrer Vergangenheit lösen können und man keine Entwicklung entdeckt.

Die L.A. GUNS sind ein schwieriger Fall für mich. Um fair zu sein, muss ich bei dieser Oldie-Band die Optik von der Musik trennen, weil die Optik, Jungs, das pack ich nicht. Natürlich weiß ich, dass man im Showbiz gibt, was die Fans erwarten und dass man als Musiker gewisse Ideale lebt und sich vom Durchschnitt unterscheiden will. Aber mit 62 diesen fetten Lidstrich bzw. die dunkel gemalten Ringe unter den Augen und der schwarze Nagellack… sorry… das kauft man nur mehr ALICE COOPER ab. Bei den L.A. GUNS finde ich es einfach nicht mehr angebracht so rumzulaufen, nicht mal für ein Video. Ich renn ja auch nicht mehr im 80er Stil vor die Haustüre (außer es ist Fasching), ich habe eben akzeptiert, dass ich nicht mehr so jung bin wie damals und dass das, was damals toll war, heutzutage nur mehr schrecklich ist. Diese Veränderung - tja - die hat zum Beispiel Phil Lewis nicht gecheckt. Puuuhhhh.

Und was tut sich musikalisch?
Nach ihrer Wiedervereinigung 2017 war das Ergebnis bei „The Missing Peace“ wieder sehr nahe an den Erstlingen der Band. Man fand Anschluss an die lockere Gangart von früher auf dem Album, was man wohl der neu aufkeimenden Freundschaft zwischen Phil und Tracii zurechnen kann.

Beim neuen Album geht die Entwicklung weiter bzw. ein wenig in eine andere Richtung. Die 'GUNS spielen nicht mehr so viel Sleaze und Hairspray Rock wie früher, sie sind auf gewisse Weise gereift und auf jeden Fall härter geworden. Auf dem neuen Album hört man viele Einflüsse der Rock-Anfänge heraus, wie zum Beispiel BLACK SABBATH, LED ZEPPELIN oder sogar punkige, rotzfreche Strecken (Opener „Rage“). Phils Stimme hält das Ganze zusammen und bringt die Verbindung zu den L.A. GUNS, die man als Oldschool Fan kennt.

Weitere Songs, die hervor stechen, sind das leicht bluesig angehauchte „Loaded Bomb“ mit einem lässigen Rhythmus, der mich gelegentlich an G’N’R erinnert. Der Title-Track „The Devil You Know“, der im leicht düsteren, heavy und langsamen Stil von BLACK SABBATH gespielt wird oder „Going High“ mit dem drückenden Bass und Riffs, die härter sind, als man es von ihnen im Durchschnitt gewohnt ist.

Fetzig und sleazig geht aber natürlich auch noch immer, wie „Needle To The Bone“ und „Don’t Need To Win“ zeigen. Rock’n’Roll wird bei „Gone Honey“ gespielt, die erforderliche Ballade heißt „Another Season In Hell“ und ist eher hart geraten, was man schon am Titel erkennen kann. Beendet wird „The Devil You Know“ mit dem Bonus Track „Boom“, der sich mit jeder Spielminute für mich persönlich zum Höhepunkt des Albums mausert. Es ist eine knackige Rock-Nummer, die perfekt für Live-Auftritte ist, rockig, zum Mitgrölen geeignet und mit einem guten Gitarrensolo versehen, sodass man hört, dass in dieser Band nicht der Wurm drin ist, sondern Spaß und Biss da sind, und wir vielleicht in ein paar Jahren mit dem nächsten Album rechnen können.  

Die L.A. GUNS haben auf jeden Fall ein klares Lebenszeichen gesetzt und gezeigt, dass man mit über 60 noch ordentlich rocken kann. Aufgrund der Anleihen beim 70er Rock, lässt sich die Scheibe wahrscheinlich eher dem Classic Rock zuordnen, als dem Sleaze.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (09.04.2019)

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