WOLFHORDE - Hounds Of Perdition

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VÖ: 11.01.2019
Bandinfo: WOLFHORDE
Genre: Folk Metal
Label: Inverse Records
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Lineup  |  Trackliste

Eigentlich wollte ich die nachfolgende Rezension mit einer Bemerkung der Marke "wieder was Neues aus Finnland" eröffnen - und wäre damit wohl mit Anlauf und zwei Füßen krachend in den berühmten Fettnapf gesprungen. Denn die Kapelle WOLFHORDE gibt es tatsächlich schon seit 2001. Da wundert es schon sehr, dass die Finnen erst dieser Tage mit ihrem zweiten Studioalbum "Hounds Of Perdition" antreten und auch dessen Vorgänger "Towards The Gates Of North" erst satte 15 Jahre nach der Bandgründung veröffentlichten. Ich habe ja schon etwas von skandinavischer Gemütlichkeit gehört, aber das hier Gebotene treibt's auf die Spitze...und unterstellt eine Ausweitung des Begriffs auf Fennoskandinavien [Achtung, Klugscheißeralarm! Aber Einsicht ist der erste Weg zur Besserung...].

Nachdem wir unter Beweis gestellt haben, dass wir die gängigen Suchmaschinen im Web anwenden können, dürfen wir uns auch gleich der Musik widmen. Wer bei finnischem Folk Metal gleich an ENSIFERUM und FINNTROLL denkt, der gewinnt auch beim WOLFHORDE-Einkategorisierungswettbewerb zumindest den zweiten Preis.

Der Platz auf dem Siegertreppchen legitimiert sich zunächst dadurch, dass die Reminiszenzen an die genannten Bands zuweilen recht offensichtlich sind. Beim Anspielen von "Doctor Of The Plague" würde ich nämlich, wenn ich es nicht besser wüsste, direkt FINNTROLL hinter der Musik vermuten. WOLFHORDE vertonen mitunter in diesem Song nämlich eins zu eins diese typisch FINNTROLLige Beklopptheit, wie sie (eigentlich) nur die Mannen mit den Gummiohren hinbekommen. Diese total verrückte, lustige und mit traditionellen Instrumenten geschmückte Mischung lädt regelrecht dazu ein, mit Trollohrprothesen und selbstgebrautem Met bewaffnet über den Festivalplatz zu kaspern. Ebenso könnte man das pathosgeladene "Forged In Ice" beinahe zum Anlass nehmen, die WOLFHORDE mit den Schwertträgern zu Zeiten ihrer "Victory Songs" zu verwechseln - man tausche hierbei die Ersatzlauscher gegen ein Schwert und ersetze das "Kaspern" durch "mit erhobenem Haupt über das Schlachtfeld schreiten" - der Met bleibt erhalten.

Genauer betrachtet reicht es demjenigen, der WOLFHORDE in eine Schublade mit ihren bekannteren Landsmännern steckt, jedoch nur zum zweiten Platz dieses imaginären Wettstreits. Denn abgesehen von den zugegebenermaßen aufdringlichen Parallelen bringen die Wölfe auch Einiges an Eigenleistung mit. Das bereits angesprochene "Doctor Of The Plague" glänzt nämlich auf der anderen Seite auch mit Riffs, die stark dem Groove Metal entlehnt sind und der Sache noch einmal einen anderen Drive verleihen. Der "Black Song" tanzt stilistisch völlig aus der Reihe und begeistert als eigenständige Nummer mit überwiegenden Elementen des Melodic, Heavy und Symophonic Metal. Die Stimme von Drummer und Sänger Hukkapätkä hat zudem einen hohen Wiedererkennungswert und wechselt zwischen tiefen Growls und gänzlich oder teilweise clean gesungenen Vocals. Im Klargesang offenbart sich eine klassische Gesangsausbildung oder zumindest ein angeborenes oder erworbenes Talent.

Auf der einen Seite mögen WOLFHORDE recht stark im Fahrwasser von ENSIFERUM und FINNTROLL fahren. Auf der anderen Seite jedoch zeigen sie aber auch genügend eigene Ansätze und Wiedererkennungsmerkmale. Die synthetischen Klänge wirken zuweilen noch ein wenig überladen bis kitschig, aber das sind eher geringfügige kosmetische Problemchen. Unterm Strich ist "Hounds Of Perdition" zu jeder Sekunde vergnügsam anzuhören und wächst mit jedem Durchgang. Und da die Finnen nun offenbar auf den Geschmack gekommen sind, kommen sie auch sicherlich weiterhin schneller aus dem Quark als früher.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (03.04.2019)

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