TESLA - Shock

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VÖ: 08.03.2019
Bandinfo: TESLA
Genre: Hard Rock
Label: Universal
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

TESLA gehören im 35. Jahr ihres Bestehens schon lange zu den Genre-Veteranen. Gestartet in den Mid-Achtzigern inmitten der Hair-Metal-Welle, die dann die Flanellhemd-Fraktion leider weggespült hat. Gut, dass die Jungs um Jeff Keith nie so richtig in die Glamwelt gepasst haben sondern eher zu den raueren Vertretern ihrer Gattung a'la AEROSMITH  und ältere DEF LEPPARD gehörten, die mehr als nur ein Pretty-Boy-Image vorzuweisen hatten. Wer erinnert sich nicht an geniale Scheiben wie das Debut "Mechanical Resonance" oder "The Great Radio Controversy", die für mich in den engeren Kreis der CDs für die berühmte einsame Insel gehören?

Auch die späteren Werke verdienen durchaus Beachtung, insbesondere das 2007er Comebackalbum "INto The Now" nach zehn Jahren Pause  dürfte zu den glanzvollsten Comebackscheiben einer "alten"  Band gehören. Am Livesektor waren die Jungs auch nach dem Ausstieg von TOMMY SKEOCH immer fleissig aktiv, während es nur noch alle vier, fünf Jahre etwas Neues aus dem Studio zu berichten gab. 

Die letzte Scheibe "Simplicity" (2014) sollte ihrem Namen alle Ehre machen, war mir dann aber doch zu einfach gestrickt und stellt für mich mangels herausragender Songs doch den Tiefpunkt der gesamten TESLA-Discographie dar. Von daher waren die Erwartungen auch nicht wirklich hoch an "Shock". Aufhorchen durfte man, als die Band preisgab, mit DEF LEPPARDs Phil Collen als Produzenten zusammen zu arbeiten. Mit den tauben Leoparden und insbesondere Phil besteht schon seit Jahren eine innige Freundschaft und so wurde in der Vergangenheit auch des Öfteren gemeinsam getourt (warum kommt so ein Paket nicht nach Europa???). 

Erster Vorbote der Zusammenarbeit hierzu war der  2016er Song "Save That Goodness", der durchaus die Handschrift von Collen trug. Diese ist auf "Shock" jedoch noch bei weitem ausgeprägter.

Die erste Auskopplung des Albums war der Titelsong, der doch sehr stark nach LEPPARD klingt. Mit dem synthetischen Schlagzeug ist das Stück durchaus gewöhnungsbedürftig und wer bereits nach ein bis zwei Hördurchgängen aufgegeben hat, dem hat sich der Song dann wohl nicht mehr erschlossen. So ging es mir anfangs genauso, nach mehrfachem (Zwangs-)Hören entfaltete sich aber die Ohrwurmtauglichkeit und der Song bekommt den Stempel "gut" aufgedrückt. 

Herr Collen ist nicht nur Produzent des Albums, sondern auch an jedem Song auch songwriterisch beteiligt und das merkt man natürlich zwangsläufig. Wie eingangs erwähnt sind TESLA musikalisch ja nicht allzu weit von DEF LEPPARD entfernt, auf "Shock" ist es jedoch nur ein schmaler Grad zur Identitätskrise, so sehr klingen manche Songs nach Joe Elliott & Co. Hat man diese Pille erst einmal geschluckt muss man konstatieren, dass die Scheibe durchaus Spaß macht. Es wird ordentlich gerockt wie beim Einstiegsduo "You Won't Take Me Alive" und "Taste Like", bei denen letzterer durchaus auch auf "Pyromania" stehen könnte. 

Was ich an "Shock" hauptsächlich zu kritisieren habe ist die Tatsache, dass sich etwas zu viele ruhige Songs/Balladen auf dem Album befinden und diese auch von der Songreihenfolge her mehr als unglücklich aneinandergereiht wurden. Ist "We Can Rule The World" (sehr nahe am Kitschfaktor) nach den beiden Einstiegsrockern noch recht gut platziert (vielleicht etwas zu früh), so ist das Dreiergespann mit "Love Is A Fire", "California Summer Song" und "Forever Loving You" ganz einfach zu langweilig, als dass man das hintereinander hören muss. Zum Glück kann man sich ja heutzutage die Songs selbst mixen. Bei Alben an sich ein Sakrileg aber in diesem Falle absolut notwendig. Bei "California Summer Song" könnte man zudem zu dem Schluss kommen, den Song komplett wegzulöschen, ein Tiefpunkt in der TESLA-Historie. Offenbar wird auf einen Sommerhit geschielt, eine Art KID-ROCK-Light sage ich mal und das hört sich so schlecht an wie der Song leider auch ist.

Zum Glück sind die folgenden Lieder dann wieder der rockigen Fraktion zuzurechnen: "The Mission" besticht durch seine Abwechslung zwischen akustischen und härteren Abschnitten. "Tied To The Tracks" ist oldschool-TESLA pur, rockt granatenstark und gehört zu den besten Stücken des Albums. "Afterlife" lässt einen kurzzeitig wieder durchatmen, ehe "I Want Everything" wieder DEF LEPPARD (ich wiederhole mich) pur liefert. Mit "Comfort Zone" gibt es zum Abschluss noch einmal ein etwas experimentell angehauchtes funky Stück mit QUEENschen Gitarrenparts und ebenfalls mit (nein ich nenne die Band nicht mehr) "XXXXXXX" - Chören, bei denen auch Phil Collen unüberhörbar ist.

Fazit: TESLA habe im Vergleich zum Vorgänger "Simplicity" eine 180-Grad-Wendung hingelegt. Die Songs sind bis ins Detail durchproduziert und arrangiert und die starke Annäherung an DEF LEPPARD dürfte nicht jedermanns Sache sein. Dennoch macht die Scheibe nach mehreren Hördurchgängen ordentlich Spaß. Blendet man die oben genannten Schwächen aus bleibt ein solides TESLA-Album übrig, mit dem man den beginnenden Frühling einläuten kann. Bei weitem kein Klassiker aber dennoch: Well Done!

                   

 

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (27.03.2019)

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