WITCHGÖAT - Egregors Of The Black Faith

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VÖ: 13.02.2019
Bandinfo: WITCHGÖAT
Genre: Black / Thrash Metal
Label: Morbid Skull Records
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Lineup  |  Trackliste

Und täglich grüßt die Ziege - dieses Mal aus El Salvador. Das zentralamerikanische Land mag nicht unbedingt das schwermetallische Epizentrum der westlichen Hemisphäre sein - immerhin rangiert es mit etwas mehr als einer Metalband pro 100.000 Einwohner auch global betrachtet eher in den unteren Rängen. Es dürfte aber zumindest als lokaler Hexenkessel durchgehen, denn mit Blick auf Mittelamerika hebt sich El Salvador zumindest mit einer lokal erhöhten Band-Konzentration hervor. Daneben ist besonders interessant, dass sich unter den insgesamt 151 aktiven und inaktiven Gruppen, die die weltweite "Encyclopaedia Metallum" listet, überwiegend Vertreter der extremen Spielarten tummeln.

Darunter befindet sich auch die Kapelle WITCHGÖAT, die sich erst 2016 aus erfahrenen Musikern der zentralamerikanischen Szene zusammengeschlossen hat. Nach ihrer ersten Demo "Umbra Regit" (2018) gehen die Salvadorianer mit ihrem Debut "Egregors Of The Black Faith" direkt in die Vollen. Und vor dem, was die Amigos aus der Landeshauptstadt San Salvador hier abliefern, kann so mancher europäischer Mitstreiter demütig seinen Hut ziehen. Quasi aus dem Stand gelingt WITCHGÖAT hier ein schnörkelloser, brachialer Batzen von liebevoll legiertem Black und Thrash Metal, der seinen Hörer auf direktem Wege in die zentralamerikanische Vorhölle befördert.

Dass die Band sich schwerpunktmäßig im Black Metal aufhält, lässt sich bereits unschwer an dem überwiegend monochromen Cover, dem kunstvoll kalligraphierten Bandlogo und dem Albumtitel in Frakturschrift erkennen. Der blutrünstig krächzende und röhrende Gesang von Fronter M. Miasma tut sein Übriges. Musikalisch gesehen spielen WITCHGÖAT eine sehr vergnügsame Black- / Thrash-Mischung mit Anleihen an manch skandinavische Teufelskapelle und alte Recken des Thrash Metal, besonders aus dem Lager des guten alten Teutonen-Thrash. Die Scheibe ist roh und etwas verwaschen produziert, drückt dabei aber ungemein und erklingt sehr voluminös und vollmundig. Das musikalische Gebräu erscheint kompromisslos, raubeinig, ungehobelt, ein wenig prollig und rumpelnd wie ein alter Zementmischer; kurz: Black Thrash, wie er sein muss.

Nach dem Intro "Litanies Of The Adversary" gibt es mit "Proliferation Of The Dark Souls" direkt und ohne Umwege auf die Zwölf. Nach einem polternden Thrash-Auftakt holen WITCHGÖAT zu einem stürmischen Black Metal Sturm der Marke MARDUK aus und leiten zu einem flutschenden Solo über. Zum Schluss hin wird nochmal ordentlich geprügelt und geblastet, bis mit einem flotten Lead-Outro zu "Black Vomit Of Souls" übergeleitet wird. Auch Nummer zwei funktioniert als astreiner Black / Thrash Hybrid, bei dem maschinengewehrartige Riffs abgefeuert werden und erstmals deutliche Anleihen an frühe DESTRUCTION und KREATOR durchbrechen. "Emanations From The Underworld" beginnt zunächst in der Tradition seiner beiden Vorgänger und schweift in der zweiten Hälfte ins groovende Midtempo ab. Mit "Eyes Of The Profane" gibt es treibenden Black Metal im Stile von GORGOROTHs "Under The Sign Of Hell". Im Solo wird die Nummer für einen kurzen Moment fast atmosphärisch. Mit "Umbra Regit" folgt ein weiterer Vorschlaghammer, in dem die allmächtigen DESTRUCTION in ihrem frühen Stil wieder omnipräsent sind. "Beyond The Soil Of The Dead" knackt zum krönenden Abschluss erstmals die Sechs-Minuten-Marke und lässt noch einmal alle Finessen der Platte Revue passieren.

Mein lieber Herr Gesangsverein - da hat mir mein erster musikalischer Exkurs nach El Salvador mal kräftig die Ohren durchgeblasen. Dass die Jungs von WITCHGÖAT für ihre Sache brennen, nimmt man ihnen voll und ganz ab. Dieses mit glühender Nadel gestrickte Werk gibt richtig derbe auf die Mütze und hat wenig übrig für Theatralik oder Melancholie. Mit diesem starken Debut können die Jungs guten Gewissens den Untergrund aufmischen und finden dabei auch hoffentlich mal den Weg in die mitteleuropäische Festivallandschaft.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (17.03.2019)

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