AORATOS - Gods Without Name

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VÖ: 22.03.2019
Bandinfo: AORATOS
Genre: Black Metal
Label: Debemur Morti Productions
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

AORATOS ist die neueste Inkarnation von NIGHTBRINGER- und AKHLYS-Mastermind Naas Alcameth. Nachdem der Sänger, Gitarrist und Texter bereits in seinem zweitgenannten Sideprojekt vermehrt Dark Ambient Einflüsse einbrachte, wandelt er mit seinem neuesten Streich auf sehr ähnlichen Pfaden. "Gods Without Name" lädt ein zu einer Reise in die tiefsten Sphären der Dunkelheit, d. h., wenn man sich traut.

Warum sich Naas Alcameth für seine nächste Platte ein neues Medium ausgedacht hat, erschließt sich auf den ersten Blick nicht, denn musikalisch betrachtet wandeln AORATOS wie erwähnt auf den Pfaden von AKHLYS. Natürlich lässt sich auch die Verwandtschaft mit NIGHTBRINGER nicht leugnen, was im Angesicht des gemeinsamen Protagonisten auch nicht weiter verwunderlich ist.

"Gods Without Name" folgt, wenn man so will, auf AKHLYS' "The Dreaming I" und übt sich im Wechsel zwischen zwei Extremen: den ruhigeren, beängstigenden Dark Ambient-Klängen und der totalen Black Metal Zerstörung. Das Album beginnt und endet dramaturgisch durchdacht mit Dark Ambient-Schauer im Intro "Parallax I" und Outro "Parallax II". Der erste Gänsehautmoment folgt, wenn Naas Alcameth im sich langsam aufbäumenden "Holy Mother Of Terror" die ersten Zeilen herauskeift. Nach kurzer Zeit findet man sich wieder in vertraut verstörenden Klangkulissen mit hochpräzisem Highspeed-Geballer an den Drums und gefrierenden Tremoloriffs. Die handwerklichen Fertigkeiten und der Sound sind - wie bei den anderen Projekten Naas Alcameths - über jeden Zweifel erhaben. Die Tempowechsel sitzen und reißen besonders dann mit, wenn die explosiven Blastbeats wie aus dem Nichts erscheinen und die Ambient Vorhänge förmlich zerfetzen. Ebenso imposant ist z. B. der Übergang in "Dread Spirit Of The Place", in den nach einigen geflüsterten Zeilen die hämmernden Drums langsam eingefadet werden. Die Szene wirkt, als stünde der Dämon direkt vor dem Hörer und ließe ihm das Blut in den Adern gefrieren, während er langsam dazu ausholt, den Unglücklichen schwungvoll in die unendliche Tiefe eines schwarzen Lochs zu schleudern. "Thresher" macht seinem Namen alle Ehre und wütet erbarmungslos und ohne Pause. "Prayer Of Abjection" gönnt dem Hörer als reine Geräuschkulisse eine "Ruhepause", d. h., soweit man das als solche bezeichnen darf.

"Gods Without Name" ist ein schwerer Brocken, ein vertonter Albtraum und in gewisser Hinsicht auch eine Fortsetzung des Werks von AHKLYS. Es ist morbider, unbarmherziger und schwerer zugänglich. Es subtrahiert auch die letzten Reste von Melodie und Eingängigkeit aus den angesprochenen Quellen und destilliert nichts als die reine Dunkelheit heraus. Warum es dazu einer neuen Band bedurfte, bleibt auch nach ausführlicher Lektüre der Spekulation überlassen. Am Ende spielt das auch keine große Rolle. Offenbar kann auch ein Naas Alcameth nicht aus seiner Haut. Das aktuelle Werk passt gut in seinen bisherigen Kontext und das ist auch gut so.

Zugegeben: auf die ersten drei bis vier Hörer hat mir die Platte nicht gefallen. "Gods Without Name" ist kein Album, das nebenbei gehört werden will. Ebenso wenig möchte es auf Anhieb gefallen oder seichte Unterhaltung liefern. Es will ergründet werden und die ungeteilte Aufmerksamkeit des Hörers genießen. Wer dazu nicht bereit ist und nicht zufällig mit dem Werk von AKHLYS vertraut ist, der dürfte seine Schwierigkeiten mit der Scheibe haben. Für den geduldigen Hörer, der sich darauf einlässt und den schwarzen Teer erst einmal sacken lässt, wird es nach einigen Durchgängen jedoch wohlgefällig und hypnotisch.

 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (15.03.2019)

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