NORDJEVEL - Necrogenesis

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VÖ: 29.03.2019
Bandinfo: NORDJEVEL
Genre: Black Metal
Label: Osmose Productions
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Lineup  |  Trackliste

Der nordische Teufel schlägt wieder zu! Nachdem sich bei NORDJEVEL (Djevel = norwegisch für "Teufel") jüngst ein wenig das Besetzungskarussel drehte, geht es nun mit "Necrogenesis" in die zweite Runde. Vom Debut "Nordjevel" (2016) sind noch Fronter Doedsadmiral und Basser DeceptiCunt geblieben, neu an Bord sind Destructhor (ex-MORBID ANGEL) und Dominator, der u. a. für rund zehn Jahre die Felle bei den Schweden DARK FUNERAL verkloppt hat. Er folgt auf Fredrik Widigs, der sich nach dem Debut wohl dachte "Nej, bara MARDUK, jävla skit!" und beschloss, sich fortan auf seine Arbeit bei der Panzerdivision zu konzentrieren.

Ein lesbares Cover, ein Pentagramm mit acht Zacken (sozusagen ein "Oktagramm") und ein käsebleiches, ausgehungertes Maskottchen entsprechen jetzt nicht unbedingt den üblichen Szene-Erkennungsmerkmalen. Die Bandfotos sprechen da schon eine ganz andere Sprache, denn die Aufnahmen sind so trve, dass sie fast schon wieder komisch sind. Kriegsbemalung, grimmige Blicke, lange Zimmermannsnägel, Blut und und Petruskreuze deuten an, dass man bei NORDJEVEL bekommt, was man sich unter dem Banner "nordischer Black Metal" so vorstellt.

Den Hörer erwartet ein aggressiv nach vorne preschender schwarzmetallischer Abriss: flirrende Tremolos treffen auf dezente Thrash- und Death-Einschläge, die sparsam eingesetzten Melodien werden geschickt im Geprügel verpackt. Mit ihren tief melancholischen Riffs zocken NORDJEVEL zuweilen noch deutlicher im Fahrwasser ihrer Kollegen von DARK FUNERAL, deren langjährigen Drummer sie ja bekanntermaßen rekrutiert haben. Bei "Black Lights From The Void" oder bspw. "The Fevered Lands" ist diese Nähe deutlich herauszuhören. An anderer Stelle zeigen die Norweger aber auch, dass sie mehr können, als den schwedischen Meistern der Finsternis zu huldigen. So punktet z. B. der Opener "Sunset Glow" mit seinen dreckig fräsenden und hackenden Riffs, die sich von der Masse abheben. Das darauf folgende "Devilry" wartet mit melodischen Passagen und verfrickelter Gitarrenarbeit auf, ohne dabei Wut und Kälte vermissen zu lassen. "Amen Whores" setzt zunächst auf Geschwindigkeit und Gebolze, um im Mittelteil die Schlagzahl zu drosseln und ein markantes Duett aus cleanem Herrenchor ("Amen") und BM-Gekeife ("Whores") zu platzieren. Die Nummer hat Charakter und wurde wohl nicht zufällig als Videoauskopplung gewählt. Mit "Apokalupsis Eschation" gibt es in der zweiten Albumhälfte noch einen deftigen Wutausbruch, der mit seinen stürmischen Riffs und fetten Grooves im Gehör bleibt. Zu guter Letzt zeigen NORDJEVEL mit "Panzerengel" noch einmal, dass sie das schwarzmetallische Grundvokabular beherrschen. Das deutsche Vokabel wird zwar häufig und gerne zitiert und ist damit auch nichts Neues mehr, gehört aber irgendwie doch schon zum guten Ton. Musikalisch bewegt sich die Nummer auf gewohnten Pfaden und gibt sich im Refrain ein wenig thrashig. Nach fünf Minuten erklingen Chöre, Streicher und Maschinengewehre. Man vermutet das Ende der Platte, bis plötzlich wieder Gitarren erklingen und zu einer letzten Materialschlacht überleiten. Die finalen MG-Salven stammen schlussendlich aus Dominators Schießbude...

NORDJEVELs zweites Album ist ein potentes Stück Black Metal geworden und eine Kante wütender ausgefallen als sein Vorgänger. Auch der markante Drumstil Dominators macht sich bemerkbar. Wie schon beim Debüt hatten die Norweger vermutlich keine Rundumerneuerung des Genres im Sinn, sichern sich aber definitiv einen Treppchenplatz in der Kategorie "spiele straighten Black Metal, aber tu das gefälligst vorbildlich". Fazit: hörenswert!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (26.03.2019)

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