MESSCORADE - Hellcome

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VÖ: 30.09.2016
Bandinfo: MESSCORADE
Genre: Deathcore
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Hereinspaziert, hereinspaziert, meine lieben Kinder! Willkommen bei unserer kleinen Show! Keine Scheu, tretet ein...ihr werdet es nicht bereuen...hehehe. Heute haben wir etwas ganz Besonderes vorbereitet, nur für euch, als Überraschung quasi! Sagt mir, Kinder, mögt ihr Clowns? Clowns mit lustigen Fratzen, die euch Witze erzählen und sich gegenseitig mit warmem Kirschkuchen bewerfen? Ja? Ach, wie schön ist das...nur zu schade, dass ihr das heute nicht bekommt, liebe Kinder. Unsere Clowns sind etwas anders. Unsere Clowns lachen zwar, aber ihr Zähne, nun...die sind etwas spitzer als die Zähne von normalen Clowns. Witze kennen sie leider keine wirklich guten, dafür ein paar nette Horrorgeschichten von den Monstern, die in eurem Schrank wohnen und sich unter eurem Bett verstecken. Ja, und was ihre Späße angeht, den warmen Kirschkuchen hatten wir versucht, aber das war einfach nicht die Art unserer Spaßmacher. Sie würden viel lieber Abfangen mit euch spielen...es gibt aber immer nur eine Runde. Wenn sie euch haben, dann müsst ihr...naja...zum Abendessen bleiben! Was denn, habt ihr jetzt Angst? Wollt ihr etwa gehen? Zu schade...denn ihr kommt hier nicht raus. Bis. Die Show. Vorbei ist. Bleibt also schön sitzen, Kinderlein, denn jetzt kommt unsere lustige Clownstruppe, heißt sie willkommen! Hier ist MESSCORADE! Hahahaha!

Ehm, also, ihr merkt schon, das Image der Band, um die es heute gehen soll, es fußt wohl, ähnlich wie der zeitlose Klassiker "It", auf der von vielen getragenen Angst vor den vermeintlich harmlosen, dick geschminkten Spaßmachern aus dem Zirkus. Ja, nicht nur ihr dachtet da jetzt möglicherweise an AVATAR, rein optisch schlägt man hier ja in eine zumindest ähnliche Schiene. Die musikalische Kost, die wir auf dem Debütwerk der Streirer, das auf den Namen "Hellcome" hört, geboten bekommen, ist jedoch um Einiges corelastiger als das, was ihre schwedischen Kollegen aus der Freakshow uns bis jetzt geboten haben. Das Klangbild wird geprägt von einer Mischung aus harten Breakdowns sowie oftmals eingesetzten Tempo- als auch Rhythmuswechseln, gepaart mit oft starken Überschneidungen zur Klangfarbe des klassischen Death Metals, besonders kommt mir hierbei die "Hau drauf" - Attitüde von CANNIBAL CORPSE in den Sinn.

Klingt etwas überladen? Ja, das ist es am Anfang auch. Nach einer kurzen Anlaufzeit beginnt man aber langsam, sich in den eigenwilligen Flow der Band einzufühlen. Nach dem einer Nachrichtensendung aus dem kalten Krieg nachempfundenen Intro wird mit dem musikalischen Einsteiger "FTW" zunächst einmal ein kurzer WTF Moment geboten, der aber kurze Zeit später von einem "Ah, jetzt" abgelöst wird. Von da an wird man über eine lange Spielzeit des Albums mit einer Menge Material versorgt, das zu rhythmischen Nackenbewegungen einlädt, vorrausgesetzt, man behält den Überblick über die manchmal recht unübersichtlichen Songstrukturen.

Oftmals wirkt "Hellcome" noch sehr...nennen wir es "ungestüm", teils bleibt der Eindruck, als wollte man hier zu viel auf einmal in seine Songs hineinpacken und riskiert damit, den Hörer aus dem Hörfluss zu werfen. Songs wie "12 Gauge" machen den Aufbau da wesentlich besser, allerdings auch hier ohne an Abwechslung zu sparen. Ab und an werden sogar mildere, fast asiatisch angehauchte Töne angeschlagen, die einen Kontrast zu den oft sehr intensiven Schallwänden bieten, die wie ein pyroklastischer Strom auf die Gehörgänge prallen ( "Ever After" und "Peacemaker"). Letztendlich bleibt "Hellcome" aber größtenteils eines: Ein wilder, nicht zu bändigender, aber oftmals auch undurchsichtiger Abriss, was sich oft auch textlich und beim Stil des nunmehr nicht mehr an der Band beteiligten Vocalisten Reiti niederschlägt. Zweiterer bietet mit vereinzelten Höhenwechseln zwar etwas Variation, man kommt jedoch nicht darum herum, oft eine gewisse "Dumpfheit" zu erkennen.

Das Debütalbum von MESSCORADE ähnelt in nicht wenigen Punkten demselbigen der nun auf gänzlich anderen Wegen wandelnden ASKING ALEXANDRIA, denn "Hellcome" und "Stand Up And Scream" leiden an ähnlichen Problemen in Sachen Songaufbau und Umsetzung des eigentlich Gewollten. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass "Hellcome" einen wesentlich härteren Ansatz verfolgt und mit der puren Rohheit und Gewalt in ihrer Musik, als auch mit einigen wirklich tollen Riffs über etwaige wesentlich schwächere Parts hinwegtrösten kann. Was bleibt ist ein wildes, jugendliches Debütalbum mit Livepotenzial, das jedoch auch noch reichlich Platz für Steigerungen lässt. Auf die Zukunft der Band darf mal jedenfalls gespannt sein, plant doch der neu dazugestoßene Vocalist Kevin "Hellcome" mit ihm am Mikro nochmals aufzunehmen, als "Herzensprojekt" quasi. Was uns die jungen Steirer sonst noch alles zu berichten haben (vielleicht in einem Interview oder so?), nun, dazu hoffentlich bald mehr!




Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Daniel Csencsics (01.03.2019)

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