INGLORIOUS - Ride To Nowhere

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VÖ: 25.01.2019
Bandinfo: INGLORIOUS
Genre: Hard Rock
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

Wie man mit bluesigem Klassik-Rock einen denkwürdigen Senkrechtstart hinlegt, haben die Mannen von INGLORIOUS mit ihrem ersten Album "Inglorious" im Jahre 2015 vorgemacht. Das 2017er Album "II" schlug in die gleiche Presche, mischte klebrig, bluesige Riffs mit der Power-Klangröhre von Nathan James und einem durchdringend kräftigem Classic-Rock-Mantel. Nachdem sie in zahlreichen Shows und auf diversen Festivals auch live voll überzeugen konnten (meinereiner hat sich des öfteren davon überzeugt), folgt nun der Drittschlag mit "Ride To Nowhere". Dass mit dem Albumtitel durchaus auch ein Line-up-Wechsel und diverse Schwankungen in Band- und Privatleben gemeint sind, ist wahrscheinlich schwer zu erraten. Ob diese Wandlungen nun aber auch den so erfolgreichen Sound beeinflusst haben und in welche Richtung die Band zu gehen gedenkt? 

Nein, INGLORIOUS bleiben noch immer bei ihrem Hauptgeschäft. Classic Rock wird auch immer deren Richtung vorgeben. Tatsächlich hat der Wechsel nun aber doch mehr Power und im Gegensatz dazu etwas weniger Blues zur Folge. Dies macht aber nichts, auch wenn gerade diese raue bluesige Ecke im Sound der Briten deren Markenzeichen, deren Erkennungsmerkmal war. Doch die Rock-Röhre von Sänger Nathan James kann auch in traditionellem Classic Rock glänzen wie kaum ein zweiter. 

Direkter und straighter, ohne aber den melodischen Flow zu verlieren, kommen die Songs auf der dritten Scheibe von INGLORIOUS in einem klassisch-traditionellen Gewand und trotzdem mit so viel Kraft und Frische, dass nichts altbacken und abgekupfert wirkt.

Der Opener "Where Are You Now" zum Beispiel klärt, genauso wie "While She Sleeps", direkt über die neue, bluesarme Kreation auf. Neben Power-Tracks wird auch erneut - und eigentlich hauptsächlich - auf angegroovtes Mid-Tempo wie bei "Freak Show" oder "Tomorrow" gesetzt. Und natürlich können die Briten ihre bluesige Grundnote der Voralben nicht vollkommen verschweigen, rutschen sie bei "Time To Go" wahrscheinlich nicht ganz unabsichtlich erneut in diese Kerbe ab. Nicht verschweigen sollte man auch den Balladen-Einschlag, der hier zu einem raffinierten und keineswegs einfachen Power-Stück gemacht wurde. Bei "I Don´t Know You" vereinen sich sanfte Klänge, kraftvolle Vocals und ein nicht ganz so eingängiges, aber wunderschönes musikalisches Geflecht, das umso interessanter wirkt, als dass es eben keine 08/15-Ballade nach Schema-F ist. Diese wird allerdings dann doch durch den Rausschmeißer "Glory Days" abgedeckt, aber auch hier macht schon allein die minimale Besetzung von Klampfe und Vocals etwas Besonderes aus einem nicht wirklich banal gestrickten Balladenwerk. Erwähnenswert an dieser Stelle auch "Ride To Nowhere", das von der Machart so facettenreich wie interesant aufgebaut ist, dass es aus dem klassisch gestaffelten Rahmen fällt und mindestens heraussticht (und nach dem zweiten, dritten Durchgang zu einem meiner Lieblingstracks geworden ist). 

Im Endeffekt bleibt eines ganz klar zu sagen: Der erste Durchlauf ließ mich doch ein wenig stirnrunzelnd zurück. Die direktere Schiene, der Fokus auf Midtempo, das Fehlen der bluesigen Machart und die nicht mehr ganz so eingängig einfache Durchtaktung der Songs machte insgesamt doch den ein oder anderen kleinen Unterschied zu den Vorgänger-Alben aus. Doch die mannigfaltigen Details im Kompositorischen, die versierten Linien in den Melodien und vor allem bei den Vocals und am Ende ein wirklich intelligentes Machwerk haben mich bei Durchlauf Nummer zwei und drei vollkommen davon überzeugt, dass INGLORIOUS auf diesem leicht breiter getrampelten Pfad, den sie nun nutzen, erneut vollkommen ins Schwarze getroffen haben. Unterhaltsam und wertvoll, beides gleichermaßen! Tolle Scheibe!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (17.02.2019)

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