BLACKDEATH - Phantasmhassgorie

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VÖ: 04.02.2019
Bandinfo: Blackdeath
Genre: Black Metal
Label: Heidens Hart
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das sibirische Hoch bringt nicht nur die Jahrhundertwinter in den deutschsprachigen Raum, sondern es ist auch der Vorbote zum kommenden Album der Schwarzstahlrussen BLACKDEATH. Wer sich vor dem stillen Tod bereits in seinen eigenen vier Wänden verbarrikadiert hat und einen wachsenden Hass gegenüber dem Wetter empfindet, kann im wortmalerischen „Phantasmhassgorie“ Trost finden. Trotz der ungeschickt formulierten Songtitel versteckt sich in den Texten eine lyrische Meisterleistung. 
Allein der witzige Albumtitel ist eine eigene Kategorie für sich. Eine einfache Googlesuche reicht nicht aus, um der Bedeutung des Wortes „Phantasmhassgorie“ auf die Spur zu kommen. Es handelt sich um eine Allegorie, also um einen bildlichen Vergleich eines zu beschreibenden Objekts, einer Person oder einer Tatsache. Ein Tipp von mir: Googelt das griechische Wort „Phantasma“.

Im Gegensatz zum vorherigen Album „Gift“ hat sich BLACKDEATH von dem kratzigen Gitarrensound wegbewegt und die Gitarre mehr in den Hintergrund gestellt. Colonel Para Bellum (Bass & Vocals) steht mit seinen markerschütternden Schreien im Mittelpunkt, um den Fokus auf seine kunstvollen Texte zu konzentrieren. Die Deutsch-affinen Schwarzmetaller haben aus den Untiefen der okkulten und diabolischen Weltliteratur düstere Figuren ausgegraben. Es ist die Rede von jüdischen Dämonengestalten wie „Asmoday alias Sydonay“, die das Ende aller Tage über die Erde bringen. BLACKDEATH verwendet lateinische Sprichwörter so, dass jeder geistliche Christ den Russen den Teufel austreiben will. Zum Beispiel wird „Dominus vobiscum" (Möge der Herr mit euch sein) von Colonel Para Bellum zu „Dominus inferus vobiscum" (sinngemäß: Der Herr der Unterwelt möge mit euch sein) umgewandelt. Die wortwörtliche Übersetzung „Der unterirdische Herr sei mit euch“, die auch in BLACKDEATHs Songtexten vorkommt, ist dem okkulten Verstand eines österreichischen Autors namens Gustav Meyrinck alias Gustav Meyer aus dem 18. Jahrhundert entsprungen. Das Album „Phantasmhassgorie“ verbirgt noch weitere spannende Referenzen und geschichtsträchtige Symbolik in sich, aber ich habe euch schon genug gespoilert. 
Das Zusammenspiel von Bass, Gitarre und Schlagzeug ist ein wahrer Ohrenschmaus. Während der Bass gemächlich zwischen spannungsvollen Tönen herumschnalzt, sorgt Abysslooker (Gitarre) mit disharmonischen Akkorden für einen wahnsinnigen Sound. In der Welt des Black Metal ist es oft schwer, Schlagzeugbeats zu variieren, aber Maya schafft es - zumindest am Anfang der Lieder -, nicht nur mit Blast Beats loszupoltern. Gegen Schluss verfällt auch der Schlagzeuger den Spielgewohnheiten eines 0815-Schwarzstahlmusikers.

Hass. Hass. Hass. Das Wort ist überall im Album zu finden: in den Texten, in der Musik. Und Hass steht sogar auf dem Cover. So deutlich wie ihre Message sind sowohl ihre lautmalerische Musik als auch die künstlerischen Songtexte. BLACKDEATH beschreibt eine dem Untergang geweihte Welt, die von Naturgewalten und Dämonen heimgesucht wird. Währen das lyrische Ich die Himmelsbewohner verflucht, treiben Monster der Unterwelt ihr Unwesen auf der Erde. Der erfahrene Schreihals Colonel Para Bellum kann den Hass in seiner Gesangsart genau widerspiegeln. In den langen instrumentalen Parts vermisst man trotz allem den Gesang nicht. Das amüsante Gehüpfe der Bassline und die präzisen Schlagzeugbeats halten einen bei Laune. Im Großen und Ganzen ein diabolisches Apokalypsen-Szenario, dass ich mir bei einem Horrotrip oder auch einer Phantasmhassgorie vorstelle.




Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Julian Dürnberger (02.02.2019)

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