WINDSWEPT - The Onlooker

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VÖ: 08.02.2019
Bandinfo: WINDSWEPT
Genre: Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Kreative Pausen gibt es bei Roman Saenko und seinen Mitstreitern von DRUDKH in letzter Zeit augenscheinlich überhaupt keine mehr. Zwar hat man BLOOD OF KINGU und ASTROFAES beispielsweise komplett auf Eis gelegt sowie OLD SILVER KEY mit ALCESTs Neige schon vor längerem unterbrochen, doch dafür wurde erst vor zwei Jahren WINDSWEPT als Zweigstelle vorgestellt, die immerhin schon mit einem richtig guten Album ("The Great Cold Steppe"; VÖ: 2017) und einer starken EP ("Visionaire"; VÖ: 2018) ausgestattet wurde. Wie das bei einem Ableger aber so üblich ist, stört sich manch einer gerne mal daran, dass sich das Material oftmals zu sehr am Hauptprojekt orientiert, aber das war eigentlich schon nach der ersten Vorstellung offensichtlich. Wer damit seine Komplikationen hat, sollte "The Onlooker", das vor kurzem erschienene Zweitwerk, tunlichst meiden.

Ehrlich gesagt kann ich mir just in diesem Augenblick aber kein Szenario vorstellen, in dem sich jemand ernsthaft weniger Output von den Ukrainern, die der Speerspitze des atmosphärischen Black Metal zu Recht angehören, wünscht - wenn es denn qualitativ dem gewohnten Umfeld eingeteilt werden kann. Denn eines ist klar: Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben wir es hier - genauso wie beim Debüt eben - mal wieder mit Material zu tun, das trotz offensichtlicher Parallelen zum DRUDKH-Œuvre nicht gänzlich zu aktuellen Publikationen dieser passen würde. Das liegt nicht nur am unterschiedlichen Ansatz beim Songwriting, für das man sich bei WINDSWEPT, ganz der alten Schule verpflichtend, viel "weniger" Zeit lässt, was wiederum in geradlinigeren und noch weitaus altmodischeren Kompositionen aufgeht, sondern auch an der Aura, die sich wahrscheinlich gerade deshalb erst richtig entfalten kann.

So primitiv wie das manchmal auch erscheinen mag, so authentisch und stimmungsvoll klingt "The Onlooker". Einen großen Anteil daran haben Mix und Mastering aus dem ViTeR Music Studio in Kharkiv, mit dem zusammen das Trio (WINDSWEPT) bzw. Quartett (DRUDKH) erhebliche Fortschritte vorlegen können, wenn es um einen möglichst schroffen, organischen und unverfälschten Black Metal-Klang geht. Gepaart mit der typischen musikalischen Handschrift von Roman Saenko und Co. ergibt das in der Gegenwart ein nahezu tadellos funktionierendes Gesamtkonstrukt, das mit vermeintlich banalen Kniffen für intensive Atmosphäre garantiert und selbst mit acht neuen, mancherorts gerne abschätzig als DRUDKH B-Saiten diskreditierten Songs immer noch vielen anderen Genre-Vertretern in Kernaspekten wie Glaubwürdigkeit, Soundproduktion und Eigenständigkeit um Längen voraus ist.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (31.03.2019)

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