BLOOD RED SAINTS - Pulse

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VÖ: 22.02.2019
Bandinfo: BLOOD RED SAINTS
Genre: Hard Rock
Label: AOR Heaven
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Lineup  |  Trackliste

Die britischen BLOOD RED SAINTS haben sich nach einem New Yorker Speedway-Team benannt (warum auch immer - wohl wegen des gut klingenden Namens) und sind seit 2014 aktiv. Ihr Debutalbum von 2014 namens "Speedway" sowie der 2018er "Love Hate Conspiracies"-Nachfolger sind mir leider kein Begriff, heimsten aber vielfach gute bis euphorische Kritiken aus dem Melodicrock-Zirkel ein. Somit durfte man gespannt sein, was einen mit "Pulse" erwartet.

Nach dem Start des mir vorliegenden Vorab-Downloads über die heimische Anlage traute ich aber meinen Ohren erst einmal nicht: Es quillt ein Soundbrei sondersgleichen über einen herein. Kurz als ich davor war, den Techniker des Vertrauens zu rufen, um den Verstärker zu reparieren, legte ich kurzzeitig DEF LEPPARDs "Hysteria" als Sound-Referenz ein, um festzustellen, dass technisch alles in bester Ordnung war. Also liegt es leider an dem Produkt selbst, das fast gänzlich unhörbar ist in der vorliegenden Fassung. Testweise habe ich dann das Lyric-Video zum Song "Invincible" (s.u.) getestet und siehe da, es klingt dort schon um einiges besser. Also ist zugunsten der Band davon auszugehen, dass das finale (physische) Produkt dann doch einen halbwegs hörbaren Sound aufweist, und die mp3-Version hier wohl eher unter "verunglückt" einzustufen ist.

Sound hin, Sound her, die Scheibe gehört zeitnah besprochen und so geht es mit "Believer" in die erste Runde: DEF LEPPARD-Einflüsse sind hier bereits stark vertreten und die Produktion (soweit man denn etwas hört) ist auch sehr effektlastig, was mit zunehmender Dauer aber eher lästig wirkt (mehr dazu später). Die 'Nanana'-Chöre sind eher etwas platt und der Song für einen Opener um einiges zu lahm.

"Animals" ist etwas flotter, auch hier wird der JOE ELLIOTT-Gedächtnisgesang aufgefahren und die Chöre der tauben Leos nachgeahmt, ohne jedoch deren Klasse auch nur annähernd zu erreichen. 

Nach DEF LEPPARD stehen auf "Cross To Bear" BON JOVI Pate, der Song schrammt knapp an einer dreisten Kopie vorbei, der Gesang klingt wie von der Ex-Fönwelle persönlich eingesungen. Netter Song aber.

"Invincible" schraubt die Einflüsse der beiden genannten Bands etwas zurück und klingt etwas eigenständer, mit Abstand der beste Song auf "Pulse". Ein treibender Rocker mit Mitsing-Refrain, so wie es der MelRock-Lover gerne hat.

Mit dem schnellen "I'm Your Devil" geht es in die nächste Runde. Der Sound zerreisst mir hier fast meine Boxen, teilweise ist nur Bass und Bassdrum zu  vernehmen und man muss die Bässe seiner Anlage fast komplett runterdrehen. Macht wirklich keinen Spaß. Der Track an sich ist recht nett, aber ein bisschen zu hektisch runtergezockt für meinen Geschmack.

"Crash Into Me" ist die erste Ballade, tut keinem weh, aber auch schon ein paar Mal zuvor (besser) gehört. Der Refrain bleibt allerdings im Ohr hängen - immerhin! Aber auch hier wieder starke BON JOVI-Zitate!

Der schwere Titelsong plätschert unter den Schichten von klebrigen Soundeffekten eher höhepunktslos vor sich hin, ehe auf dem etwas gewollt auf modern getrimmten "Message To God" mit 'It's My Life I'm Living It' nun auch lyrische Plattitüden der New Jersey (Ex)-Rocker nachgeahmt werden. Nicht gerade der Burner.

"What Have We Become" könnte eine DEF LEPPARD-B-Seite sein, die es zu Recht nicht auf ein Album der Sheffield-Jungs geschafft hat.

Danach gibt es mit "Warrior" ein vollkommen synthetisches Pop-Stück, welches nur so von grausamen Autotuning-Effekten und Vocal-Verfremdungen trieft und den an sich grundsätzlich guten Song ziemlich an die Wand fährt.

"Bring Me Back To Life" ist dann wieder DEF LEPPARD in Reinkultur, fast schon eine Coverversion von "Two Steps Behind" mit etwas härteren Gitarren.

Fazit: Nein, der Sound hat es einem nicht wirklich leicht gemacht, dieses Album zu besprechen Warum Plattenfirmen so etwas versenden, verstehe ich nicht wirklich, denn der Schuss geht dann doch eher nach hinten los. Aber auch wenn man den Sound ausblendet (was sehr schwer ist!) ist "Pulse" ein eher enttäuschendes Album. Es fehlt fast komplett eine persönliche Note und es hat seinen Grund, warum DEF LEPPARD und BON JOVI (letztere zumindest früher) in einer gänzlich anderen Liga spielen als die BLOOD RED SAINTS. Vielleicht war es ja auch ein Schnellschuss, so schnell nach der zweiten Scheibe bereits die Dritte auf den Markt zu werfen. Das Klientel der beiden Legenden-Bands sollte mal die Lauscher zum Antesten spitzen, mir ist das aber insgesamt viel zu wenig und ich höre dann doch lieber die besseren Originale.

Sorry Jungs



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (21.02.2019)

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