HEART - Live In Atlantic City

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VÖ: 25.01.2019
Bandinfo: HEART
Genre: Rock
Label: earMusic
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Lineup  |  Trackliste

Ein HEART-Live-Album mit Aufnahmen von 2006 klingt zu allererst nicht sonderlich aufregend. Aber weit gefehlt. Bei  "Live In Atlantic City" handelt es sich um ein hochklassiges Stück Musik, das zudem noch eine Blu-Ray beinhaltet. Das Konzert wurde im Rahmen der "Decades Rock Live"-Reihe aufgezeichnet und ist alles andere als nur ein "normales" HEART-Konzert aus der damaligen Zeit.

Neben bekannten HEART-Gassenhauern wie "Dog & Butterfly" oder "Dreamboat Annie" gibt es auch eine Vielzahl von Coverversionen mit hochkarätigen Gästen. Bei etlichen Songs ist DAVE NAVARRO (Ex-RED HOT CHILI PEPPERS, JANE'S ADDICTION)an der Klampfe mit dabei. Singer/Songwriter RUFUS WAINWRIGHT ist bei "Dog & Butterfly" mit von der Partie. Countrysängerin CARRIE UNDERWOOD (auch bekannt von American Idol) duettiert sich mit ANN WILSON auf "Alone". Beide liefern eine atemberaubende Gesangs-Performance ab. Leider ist der Song der einzige aus HEART's AOR-Hochphase der 80er bis Anfang der 90er Jahre, als es Hits wie "Who Will You Run To", "These Dreams" oder "All I Wanna Do Is Make Love To You" am Fließband gab. Diese Phase wird von HEART schon seit längerem weitgehend ignoriert, was ich nicht unbedingt nachvollziehen kann.

Die prominentesten Gäste auf dem vorliegenden Tonträger dürften HEART's Seatte-Kollegen ALICE IN CHAINS sein, die anno 2006 einen ihrer ersten Auftritte im neuen Lineup mit WILLIAM DUVALL am Mikro hatten. Auf der Blu-Ray gibt es leider nur "Rooster" zu sehen, während auf der CD auch noch "Would?" zu hören ist. Und das bringt mich auch gleich zum größten Kritikpunkt an dem CD/Blu-Ray Package: Das Konzert beinhaltet auf der Tonkonserve gut 65 Minuten, während die Blu-Ray-Fassung nur gut über eine Stunde geht. Recherchiert man die Setlist auf setlist.fm (klick hier) so erfährt man, dass etliche Songs mehr gespielt wurden als hier zu hören und zu sehen sind . Zumindest auf der Blu-Ray hätten es diese aber auch verdient, gefeatured zu werden. Zumal auch der Schnitt richtig übel ist. Beispiel: RUFUS WAINWRIGHT wird als Gast angekündigt, kommt auf die Bühne und bekommt eine Akustikklampfe umgehängt. Dann kommt der Schnitt - und bämm: Er performed einen Song ohne jegliche Gitarre. Das ist schon ziemlich amateurhaft geschnitten und trübt etwas die Freude an dem Ganzen. Qualitätskontrolle offenbar Fehlanzeige. Ebenso negativ ist die Tatsache, dass - wie so oft bei Konzertmitschnitten von US-Gigs - die ersten Reihen nur von jungen Hipster-Girls in Giselle-Bündchen-Optik bevölkert werden, die komplett in Ekstase die alten Classic-Rock-Songs geniessen. Ich wage einmal die Aussage, dass von diesen Mädels keine einzige eine Heart-CD in ihrer Sammlung hat. Den Heart-Fan Mitte 50 mit schütterem Haar, der die Band vielleicht wirklich seit den 70ern verfolgt, sucht man vergeblich. Die Blu-Ray wird durch ein 7-minütiges Interview-Gemetzel aufgefüllt, das ebenfalls komplett zerschnitten wurde. Sämtliche Gäste des Konzerts waren anwesend und von kaum einem hört man mehr als einen Satz. Es dürfte sich ebenfalls um eine längere Interview-Session gehandelt haben, die der Fan wohl auch lieber in voller Länge hätte geniessen wollen. Dabei ist auch PANTERA's PHIL ANSELMO, der gerade einmal "Yeah" sagen darf, beim Konzert offenbar auch auf der Bühne stand, aber auch leider der Schere zum Opfer fiel.

Nichtsdestrotrotz macht "Live in Atlantic City" trotz der genannten Defizite Laune. Der Sound ist top (wenn auch die Blu-Ray "nur" PCM-Stereo anbietet) und wurde offenbar auch nicht großartig nachbearbeitet, wie es ja oft bei "Live"-Aufnahmen der Fall ist. Zum Ende gibt es noch einmal sämtliche All-Stars bei "Barracuda" zu sehen. Warum das Ganze erst fast 13 Jahre später veröffentlicht wird, ist ebenfalls seltsam. Schade, dass dem Fan dann nicht mehr als nur eine Portion eines Konzerts geliefert wird. Großes Lob verdient die Aufmachung des Digipacks, das liebevoll gestaltet wurde. In einer Zeit, in der Musik oftmals nur noch lieblos als Datei hin- und herkopiert wird, durchaus etwas Besonderes.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die beiden Wilson-Sisters wieder zusammenraufen, nachdem es in den letzten Jahren einige privat bedingte Steitigkeiten gegegeben hat. Ob sie jemals wieder das europäische Festland mit einer Tour beglücken, wage ich jedoch zu bezweifeln. Sehr schade jedenfalls. Bis dahin kann man sich ja u.a. mit "Live in Atlantic City" trösten.



Ohne Bewertung
Autor: Martin Weckwerth (06.02.2019)

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