ÆRA - The Craving Within

Artikel-Bild
VÖ: 25.01.2019
Bandinfo: ÆRA
Genre: Black Metal
Label: Aeternitas Tenebrarum Musicae Fundamentum
Lineup  |  Trackliste

Mit ÆRA erscheint 2017 abermals ein neuer Name auf der Ahnentafel des (Pagan) Black Metal - und dieses Mal steht eine in vielerlei Hinsicht traditionelle Band auf der Matte. Ganz stilecht besteht ÆRA nur aus zwei Mannen: Multiinstrumentalist und Songwriter Ulf Kveldulfsson und Stimme Stein Akslen. Bisher blickt das Duo auf die EP "Of Forsworn Vows" und die Single "Rite Of Odin" zurück. Letztere besteht nur aus dem gleichnamigen Lied, das auch auf dem hier durchgebügelten ersten Langspieler "The Craving Within" enthalten ist. So kratzen wir denn den frischen Schnee vom Cover des Debuts und schauen, was wir darunter finden.

Schnee! Schnee auf Berggipfeln und dichte Wolken. Im Vordergrund prangt das verschnörkelte und einigermaßen lesbare Bandlogo, in das ein Thorshammer eingeflochten ist. Cover und Aufmachung deuten in Richtung des traditionellen Black Metal und nordischer Mythologie - was zugegebenermaßen passt. ÆRA spielen einen schönen, altbackenen Black Metal von überwiegend norwegischer Prägung (und das, obwohl der Kopf hinter dem Projekt aus dem warmen Chile stammt). Musikalisch dominieren klassisch-schwarzmetallische Verhaltensmuster wie Tremolos, Blastbeats und dergleichen. Aufgepeppt wird das Ganze durch Keyboardeinlagen, die mal dezent und mal opulent zum Vorschein treten. Der Sound ist roh gehalten. Der grimmige, fast zu Unkenntlichkeit verzerrte und verkrächzte Gesang erlaubt ein nur rudimentäres Hörverständnis und zwingt den geneigten Textanalysten zur Netzrecherche oder zum Vorsprechen bei Meister Ulf. Stein Akslen könnte genauso gut das Rezept von Omas bestem Winterpunsch vortragen - man würde es vermutlich für eine Kriegerhymne halten und abfeiern. Textlich bewegt sich das Duo allerdings weit entfernt von kulinarischen Kostbarkeiten und bleibt in den für Pagan Metal üblichen Themenbereichen. Dabei greifen sie auch die nordische Mythologie auf (vgl. "Rite Of Odin"). So weit, so gut - aber was kann diese traditionsbewusste Pagan Black Metal Band?

Vor allen Dingen Songwriting! Denn auch, wenn ÆRA mitnichten neue Wege beschreiten und sich lieber genüsslich im (k)alten Schlamm der 1990er Jahre suhlen, so machen sie gerade das ausgesprochen gut. Gleich im ersten Song "Skaldens Død" zeigt sich, wie punktiert und konzentriert Maestro Ulf seine Instrumente und Stilelemente arrangiert. So beginnt das Album zunächst relativ unspektakulär mit Blastbeats, rasenden Tremolos und knarzenden Vocals. Die hintergründigen Keyboards lassen bereits aufhorchen, bevor Ulf nach ca. 40 Sekunden beginnt, mit seinen Riffs in erhabene Klanglandschaften abzuheben. Im späteren Verlauf wird das Tempo gedrosselt und das Tremologeschleife eingestellt, woraufhin die Gitarren eine leichtfüßig-melodische Bridge einstreuen. Bei ca. 4:15 nimmt die Nummer beherzt Schwung und wechselt krachend zurück zur Raserei - ab dann gibt es bis zum furiosen Finale gnadenlos auf die Mütze. Ähnlich packende Übergänge finden sich in "Frost Within" oder "Rite of Odin". Zudem treten in mehreren Songs vermehrt melodische Einflüsse aus dem Pagan und Viking Metal zu Tage, die den textlichen Inhalten zum passenden Klang verhelfen. "Rite Of Odin" überzeugt daneben mit seinen groovenden, headbangtauglichen Midtempopassagen und dem Einsatz von Klavierklängen. Auch das stimmungsvolle "Profetien" und das treibende "Norrøn Magi" erweisen sich als stark. Die sechs Songs sind auf einem guten und gleichbleibenden Niveau komponiert, Verbesserungswürdig sind eher Kleinigkeiten wie beispielsweise die etwas zu langgezogene einleitende Passage in "Norrøn Magi". Auch der Gesang könnte etwas weniger mechanisch klingen. Aber das ist mal wieder Jammern auf hohem Niveau.

ÆRA wandeln hörbar auf den Pfaden der Urväter ihres Genres und machen damit einen tollen Job. Sie vollziehen damit natürlich nicht mehr den Quantensprung, wie ihn die Visionäre der 1990er Jahre einst "versehentlich" geschafft hatten. Innerhalb dieser Genregrenzen ist das naturgemäß nicht mehr möglich und würde auch nicht ernsthaft erwartet. Schließlich würde ein solcher Schritt logischerweise von der hier dargebotenen Kunst wegführen. Innerhalb dieser Grenzen beweisen ÆRA jedoch ein tiefes Verständnis der Musik und der Vertonung der damit verbundenen Emotionen. Sie wüten wie frühe IMMORTAL und schielen mit ihrem ausgeklügelten Songwriting in Richtung der jungen EMPEROR. Mit ihrem von Wikingermelodien durchzogenen Black Metal bezeugen sie auch die Nähe zu BATHORY. Insoweit entpuppt sich "The Craving Within" gewissermaßen als Anachronismus und man stellt sich die Frage, welchen Stellenwert ÆRA wohl im Norwegen oder Schweden der 1990er gehabt hätten. Hätten Sie den Schulterschluss mit den damaligen Bands geschafft? Wären sie auch zu Gast in Euronymous' Plattenladen gewesen? Wer weiß...aber ungeachtet dessen interessiert doch im Hier und Jetzt vor allem die Frage, ob sie nach diesem gelungenen Auftakt auch das Zeug für noch schwerere Brocken haben - und in diesem Punkt zeige ich mich optimistisch.

Die EP "Of Forsworn Vows" wurde noch vom ersten Sänger Tzel eingesungen. Auf ÆRAs Bandcamp-Seite kann man sich jedoch mit "Rite Of Odin" einen Eindruck von "The Craving Within" machen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (24.01.2019)

WERBUNG: Rock Shock Theater
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE