THE NEAL MORSE BAND - The Great Adventure

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VÖ: 25.01.2019
Bandinfo: THE NEAL MORSE BAND
Genre: Progressive Rock
Label: Radiant Records
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Lineup  |  Trackliste

Prog-Großmeister Neal Morse hat nach dem 2016er Doppelalbum „The Similitude Of  A Dream“ noch nicht genug und führt seine Adaption der literarischen Vorlage „The Pilgrim’s Process“ fort. Die abschließenden Worte des Vorgängers „Let the great adventure begin…“ stellen sich nun rückblickend nicht als Abschluss, sondern vielmehr als Auftakt der Fortsetzung heraus. Daher wirkt „The Great Adventure“ weniger wie ein Nachfolger, sondern eher wie ein Begleiter oder ebenbürtige Fortsetzung mit einem fließenden Übergang, welche aber doch einen eigenen Charakter vorweist und nicht nur in der Kombination, sondern auch losgelöst als eigenständiges Werk funktioniert.

Die Handlung fokussiert sich diesmal auf den verstoßenen Sohn, was sich in einer deutlich aggressiveren Ausrichtung der Musik bemerkbar macht. Vergleicht man beide Alben miteinander kann man deutlich hören, wie sich der jugendliche Elan beziehungsweise Sturm und Drang manifestieren. Klanglich äußert sich der gesteigerte Härtegrad in deutlich rauerem Gesang sowie einer Steigerung des Riffanteils, wodurch die Musik ein deutlich kantigeres Profil erhält. Diese Entwicklung erfolgt ohne das Haupttrademark von THE NEAL MORSE BAND, nämlich große Melodien für die Ewigkeit, zu vernachlässigen. Schon bei „Overture“ wird die musikalische Verwandtschaft von „The Similitude  Of A Dream“ und „The Great Adventure“ deutlich. Äußerst geschickt greift die Gruppe bereits vom Vorgänger bekannte Motive wieder auf, um auf bereits bekannte Personen oder Handlungsstränge zu verweisen. Diese aus dem Bereich der Oper entlehnte Technik der Leitmotive sorgt beim Hörer, sofern dieser den Vorgänger kennt, für ein unmittelbares Wiedererkennen und ein direktes Eintauchen in das Album. Das schwindelerregende musikalische Niveau wird mühelos gehalten und nur dezent verfeinert. Zu welch einer homogenen Einheit sich THE NEAL MORSE BAND mittlerweile entwickelt hat zeigt sich nicht nur bei den ausgefeilten Instrumentalpassagen und halsbrecherischen Breaks, sondern immer stärker auch im mehrstimmigen Gesang. Kümmerte sich beim Debüt „The Grand Experiment“ noch hauptsächlich Meister Morse persönlich um den Leadgesang, haben sich seine Mitstreiter von Backgroundsängern zu regelrechten Co-Leadsängern entwickelt, wovon ein Konzeptalbum dessen Handlung von verschiedenen Charakteren getragen wird besonders profitiert. Zusätzliche Intensität erzeugt die Band durch eine geschickte Dramaturgie der einzelnen Stücke, was für ständige Höhepunkte sorgt. So ist beispielsweise das zärtlich melancholische „A Momentary Change“ geschickt zwischen den krachenden Eruptionen „Welcome To The World“ und „Dark Melody“ platziert. Diese musikalischen Kontraste halten das Aufmerksamkeitslevel beim Hörer auf einem konstant hohem Niveau, sodass während der 22 Stücke nicht ein Hauch Langeweile aufkommt.
 
„The Great Adventure“ ist ein Monster von einem Album, dessen Qualitäten man differenziert beurteilen muss. „The Great Adventure“ ist für sich genommen ein schlicht phantastisches Prog-Album und ein erstes frühes Highlight des Jahres. Ob „The Great Adventure“ oder sein Vorgänger „Similitude Of A Dream“ höher zu bewerten ist, kann meiner Meinung nach unmöglich beantwortet werden, da ein Vergleich dieser Werke gar nicht erst zulässig ist. Obwohl beide Alben für sich genommen eigenständig sind, ist der Verbund beider Werke so eng miteinander verwoben, dass man diese nicht getrennt beurteilen sollte. Vielmehr sollte man ehrfürchtig anerkennen, dass THE NEAL MORSE BAND mit diesem Doppelschlag einen künftigen Genreklassiker erschaffen hat.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Michael Walzl (23.01.2019)

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