OSSUARIUM - Living Tomb

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VÖ: 01.02.2019
Bandinfo: OSSUARIUM
Genre: Death Metal
Label: 20 Buck Spin
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Lineup  |  Trackliste

Bei Old School Death Metal-Fans sollte bei der bloßen Erwähnung von 20 Buck Spin schon seit geraumer Zeit das untote Sehorgan aufleuchten, aber gerade in den letzten zwei oder drei Jahren hat das amerikanische Label unter bereitwilliger Mithilfe von Acts à la TOMB MOLD, SCORCHED oder auch ULTHAR sein eigenes Gütesiegel entwickelt, dank dessen man als Auditorium inzwischen auch blindes Vertrauen (für Verschiedene besonders praktisch) entgegenbringen kann. Mutmaßlich durch den Erlös der bisherigen Veröffentlichung errichtet, erwacht, irgendwo im Bundesstaat Oregon, in einem von Dan Seagrave in dünkelgrünen Schein getränkten OSSUARIUM (zu Deutsch: Beinhaus; darin werden die Gebeine Toter aufbewahrt) Anfang Februar durch obskure Nekromantie totes Leben aus den Mausoleen, um die Anzahl nekrotischer Einwohner um einige bereitwillige Hörer zu erweitern.

Was genau man sich ausgerechnet in Portland zum Tee oder Kaffee mischt, wurde mir bislang noch nicht seriös überliefert, aber TRIUMVIR FOUL und RITUAL NECROMANCY beispielsweise präsentierten zuletzt eine eher düstere Interpretation der Lebensfreude. Oder ist es möglicherweise das Wetter? Auch meine meteorologischen Fähigkeiten sind arg limitiert. Was ich aber mit Sicherheit prognostizieren kann: auch beim Hören von OSSUARIUM braut sich rasch ein ungemütliches Tief über einem zusammen, das sich erst dann wieder lichtet, wenn man die 40 Minuten genussvoll überstanden oder vorher resignierend abgebrochen hat. Für letztere Vorgehensweise gibt es für OSDM-Verfechter bei Verstand allerdings keinen Grund, denn "Living Tomb" ist nicht irgendein Debütalbum, das sich mit fremden Federn schmückt, um mit dem Oldschool-Etikett etwas Aufmerksamkeit rauszuschlagen, nein, es entwickelt durch viele eigenwillige Entscheidungen eigenständigen Charakter.

Das Fundament der Grabstätte besteht dabei sicherlich aus räudigem Old School Death Metal ("Blaze Of Bodies" und "Malicious Equivalence" z.B.), doch der Überbau ist auch von Doom Metal, Atmosphäre und vielen Details geprägt, was man zunächst vielleicht gar nicht erwarten würde. Vor allem die beiden längeren Stücke "Vomiting Black Death" (die typischen Funeral Doom-Gitarren ab der zweiten Minuten sind stimmungstechnisch clever eingebunden) und "Corrosive Hallucinations" (hier finden psychedelische Keyboardtexturen und melodisch-hypnotische Gitarren ihren Einsatz) sowie der "End Of Life Dreams And Visions"-Zweiteiler, der ähnlich verfährt, künden einerseits von Expertise und andererseits davon, dass in OSSUARIUMs Schaffen mehr als bemüht-konstruierte, todesmetallische Erinnerungskultur verborgen liegt. Die ordentlich rumpelnde, dreckige und hallende Produktion sorgt zusätzlich dafür, dass man sich erst für eine Weile in abscheulich miefende, menschliche Überreste knien und graben muss, um sämtliche Elemente ("Writhing Emptiness" beispielsweise fährt gegen Ende einen finnisch angehauchten Doom-Part auf) an das spärliche Tageslicht fördern zu können.

Genau das lohnt sich aber, denn "Living Tomb" ist der äußerst erfreuliche Einstand einer Band, die hierauf sehr viel Potenzial offenbart und einen Großteil davon bereits nutzt. Somit sind OSSUARIUM 20 Buck Spins nächstes großes Versprechen an die Zukunft des Death Metal und mit ihrer Melange aus zähflüssigem OSDM, dem atmosphärischem Gitarrenspiel des harmonierenden Duos Kelley / McCleary sowie dem vereinzelt und subtil platzierten Keyboardunterbau genau das, was man im Death Metal aktuell benötigt, um nicht im Mahlstrom der Copycats unterzugehen. Gütesiegel bestätigt. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (04.02.2019)

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