NAILED TO OBSCURITY - Black Frost

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VÖ: 11.01.2019
Bandinfo: NAILED TO OBSCURITY
Genre: Death/Doom Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Das niedersächsische Death-Doom-Ensemble NAILED TO OBSCURITY hat sich offenbar nicht nur der Melancholie verpflichtet, sondern, beginnend mit "King Delusion" im Jahre 2017, auch der qualitativen Aufwertung des Jahresanfangs. Und weil sie dieses Credo zuletzt so formidabel umgesetzt haben, gibt ihnen auch ihr neues Labeldomizil Nuclear Blast völlig zu Recht die Chance dazu, ebendiesem mit "Black Frost", dem vierten Album in der nun schon 14 Jahre andauernden Laufbahn, gerecht zu werden - am 11. Januar übrigens. An all diejenigen Protektionisten der einzig wahren Metal-Lehre, bei denen schon nach der bloßen Nennung des zutiefst bösen Donzdorfer Plattendealers sämtliche Kommerz-Sicherungen durchgebrannt sind, habe ich aber direkt eine erquickliche Botschaft auszusenden: NAILED TO OBSCURITY ist immer noch dieselbe Band, die sie vorher auch schon war. Keine der von den Übereifrigen herbeifantasierten Umerziehungsmaßnahmen, lediglich etwas mehr Promotion, um dem Quintett die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihre überaus fantastische Kunst einfach verdient hat.

Genau genommen hat sich seit "King Delusion" nicht das mindeste verändert: Victor "V. Santura" Bullok (u.A. DARK FORTRESS, TRIPTYKON) ist immer noch der Mann für die organischen Klangrahmenbedingungen sowie seine Woodshed Studios die prädestinierte Wiege dafür, Santiago Caruso hat erneut für die stimmungsvolle Visualisierung gesorgt und NAILED TO OBSCURITY selbst praktizieren genau das, was Fans der alten KATATONIA und OPETH, aktueller Vertreter wie DAYLIGHT DIES und NOVEMBERS DOOM sowie alten (und neuen) PARADISE LOST in eine Zwickmühle der Gefühle manövriert. Soll man sich nun für alle sichtbar ob der hohen Güteklasse erfreuen oder doch weiter bedröppelt dreinblicken und dem passenden Soundtrack dazu stillen Tribut zollen? Verzeihet die geistlose Blödelei, aber sie amüsiert sich ja auch über meine Wenigkeit.

Um "Black Frost" aber vollends gerecht werden zu können, begehen wir nun gemeinsam ein seriöseres Terrain und analysieren, warum bzw. wieso NAILED TO OBSCURITY und die Lobeshymnen mittlerweile nahezu unzertrennlich erscheinen:

a) Raimund Ennenga ist immer noch genau die richtige Wahl für das Mikrofon. Sämtliche seiner Stimmlagen haben unerhört viel Ausstrahlung und decken in authentischster Manier so viele unterschiedliche Graustufen der Verzweiflung ab, dass man ihn einfach nicht vernachlässigen darf, wenn es um die begabtesten Sangeskünstler dieser Subsparte geht. Es ist völlig nebensächlich, ob er flüstert ("Feardom"), verbittert keift ("Cipher") oder mit seinen klaren Vocals durch die drückende Finsternis streift ("The Road To Perdition").

b) Ohne rückblickend noch mal die Rezension zu "King Delusion" gelesen zu haben, meine ich mich daran erinnern zu können, dass ich damals auch die beiden Gitarristen Volker Dieken und Jan-Ole Lamberti für ihre irre gut komponierten Melodien und Riffings besonders hervorgehoben habe. Auf "Black Frost" waltet die Saitenachse vielleicht einen Ticken sperriger und doomiger, gleichzeitig aber auch vielseitiger und düsterer, viele Harmonien wie z.B. in "The Aberrant Host" oder auch dem elegischen "Resonance" nehmen mehr Zeit zur Entfaltung in Anspruch, bieten gleichzeitig aber eine Nuance mehr Tiefe und mindestens genauso viel Gänsehautpotenzial wie die besten Momente des Vorgängers.

c) Durch den großartigen Mix und das gewohnt erstklassige Mastering ebenfalls wieder ersichtlich bzw. hörbar: Die Rhythmus-Sektion um Schlagzeuger Jann Hillrichs und Bassist Carsten Schorn ist die Fleischwerdung der Songdienlichkeit. Es gibt höchstens etwas mehr als eine Hand voll Bands in diesem Sektor, die sich an solch einem unerschütterlichen Fundament erfreuen dürfen. Und wer bleibt noch übrig, wenn die fünf obigen Granden schon inbegriffen sind? Richtig, allzu viele Optionen stehen nicht mehr zur Auswahl.

Die abschließende Conclusio, die sich daraus ergibt? Eigentlich überflüssig, da sich alles Wissenswerte aus den drei Unterpunkten ergeben sollte. Und dennoch muss ich noch mal betonen, wie sehr ich NAILED TO OBSCURITY, die auch hier wieder ihre einzigartige Handschrift hinterlegt haben, ihren Plattendeal bei Nuclear Blast gönne. Einfach deshalb, weil sie als Band auch schon härtere Zeiten hatten, trotzdem drangeblieben sind und nach dem ohnehin schon richtig guten "Opaque" mit "King Delusion" schlussendlich ein Ausrufezeichen markiert haben, das sie mit "Black Frost" wiederum bestätigen können. Für alle Wertungsnörgler sei noch angemerkt: das vollendete Meisterwerk werden NAILED TO OBSCURITY noch erschaffen, wenn ihnen der aktuelle Ethos erhalten bleibt. Die Anlagen dafür könnten kaum besser ausgeprägt sein.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (07.01.2019)

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