YESTERNIGHT - The False Awakening

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VÖ: 00.00.2018
Bandinfo: YESTERNIGHT
Genre: Progressive Rock
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Ein polnisches Trio namens YESTERNIGHT wirbt in ihrem Promosheet mit einem „sensationellen Debüt“, sowie der Abwesenheit von proggiger Langeweile und einem großen Schub Emotionen. Wenn vom Fleck weg so hoch gegriffen wird, lohnt es sich vielleicht, einen eingehenden Blick auf „The False Awakening“ zu werfen, welches auch durch künstlerisches Coverartwork neugierig macht.

Bei näherer Betrachtung stellt sich aber heraus, dass YESTERNIGHT zwar Prog sind, jedoch weit entfernt vom Rock, dem sie sich selbst zuordnen wollen. Dazu fehlt es einfach an erdigen Gitarren, die auf diesem Album definitiv zu kurz kommen. Zwar kann „The False Awakening“ durch ausgewogenen und transparenten Mix punkten, doch unterm Strich hat das Album doch einige Schwächen, die mir persönlich als Rezensent zwar nicht den Spaß am Album verderben, doch der Prog-Rock-Anhängerschaft den Zugang zur Musik eher verwehren werden.

Dabei startet das Album mit dem stimmungsvollen Auftakt „The False Awakening“ und dem folgenden „My Mind“, das mich stark an THRESHOLD erinnert, alles andere als schlecht. Die zwar auch als Stärke heraushebbare prägnante Stimme des Sängers trifft vielleicht nicht den Geschmack der Mehrheit, aber kann dennoch einige gute Momente liefern. Zum Beispiel im balladesken „To Be Free“, das tatsächlich, trotz leichtem Hang zum Verfehlen der Töne, die angepriesene emotionale Stimmung liefert. Das direkt davor platzierte „About You“ zeigt, trotz ähnlicher Anlage, das genaue Gegenteil davon, da der Sänger auch hier die Töne nicht immer so trifft, wie er gerne möchte. Musikalisch ist dies dafür der wahrscheinlich progressivste Titel des Albums.

Dieser Gegensatz zeigt sich auch beim überlangen Abschlusssong „Just Try!“, bei dem am Anfang selbst mir langweilig wurde, ehe der Song ab der düsteren Bridge in der Mitte des Songs Fahrt aufnimmt und sich in einem kolossalen Finale in Form von ausuferndem Solo-Gewichse ergeht. „Solitude“ hingegen bleibt über die gesamte Spielzeit unspektakulär, während „Who You Are“ fast ein wenig in Richtung Lounge Musik tendiert, dabei jedoch deutlich mehr Interesse generieren kann.

Was den Hörfluss des Albums jedoch nachhaltig stört, das sind die fast jedem Song angehängten Outros oder Interludes, die insgesamt sehr unstrukturiert wirken und nicht wirklich zum musikalischen Rest des Albums passen wollen. Im Outro von „About You“ klingt das beispielsweise, als wäre jemand aus Versehen vor einem Orchester auf seinen 80er-Jahre-Synthesizer gefallen. Und ob „Yesternight“, eigentlich mein persönlicher Lieblingstitel des Albums, tatsächlich so abrupt enden sollte, ist nicht komplett eruierbar und lässt den Hörer ratlos zurück. Der Song fühlt sich irgendwie wie ein gemütliches Schäferstündchen an, das zärtlich und bedacht auf den Höhepunkt hinarbeitet und dann ganz plötzlich -

 

Meinen persönlichen Geschmack trifft „The False Awakening“ zwar, doch der breiten Masse der Progrock-Community wird YESTERNIGHT aufgrund des deutlich zu kurz kommenden Rock-Anteils vermutlich kaum gefallen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Marc Folivora (31.12.2018)

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