JON SCHAFFER'S PURGATORY - Purgatory - EP

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VÖ: 21.12.2018
Bandinfo: JON SCHAFFER'S PURGATORY
Genre: US Power Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

"Schneeflöckchen, Weißröckchen,
wann kommst du geschneit?
Du wohnst in den Wolken,
dein Weg ist so weit.

Komm setz dich ans Fenster,
du lieblicher Stern,
malst Blumen und Blätter,
wir haben dich gern."

Man will dem Turbopatrioten Jon Schaffer ja nicht notwendigerweise vorwerfen, dass er hier mit dem rot-weiß-blauen Auge auf das Weihnachtsgeschäft schielt oder mit der Neuaufnahme von fünf aus den Jahren 1985/1986 stammenden Demosongs der ICED EARTH-Vorgängerband PURGATORY America great again machen will, aber das Timing ist, wie bei so vielen in dieser Jahreszeit erscheinenden Tonkonserven, zumindest nicht verkaufshinderlich. Und man kann Jon-Boy nicht vorwerfen, dass er hier einfach irgend einen Müll rausschiebt, dazu ist er ein zu guter Musiker, dazu schart er zu gute Musiker um sich und dazu ist das jurassische Material auch zu gut. 

Die Musiker wären Jon Schaffer natürlich höchstselbst, begleitet vom Morrisound Studio-Headhoncho Jim Morris an den Gitarren, dem Original-PURGATORY-Bassisten Bill Owen, dem Original-PURGATORY/ICED EARTH-Sänger Gene Adam, dem ehemaligen ICED EARTH-Drummer Mark Prator und Ruben Drake, der auch auf Schaffers Zweitbaustelle DEMONS & WIZARDS den Bass schmirgelt. 

Bis auf "Lobatomy" vom allerersten Demo "Burning Oasis" wurden alle jemals auf einem PURGATORY-Demo erschienenen Songs neu eingespielt und mit zeitgemäßem Sound versehen. Es ist jetzt so, dass es doch einige betagtere Herrschaften gibt, die sich noch an die Songs erinnern dürften. Selbige dürften aber ob der zeitgemäßen Aufnahme durchaus auch ein leichtes Jauchzen nicht unterdrücken. 

Sind wir ehrlich. Natürlich klingt es wie ICED EARTH. War ja auch der Vorläufer. Wir sehen respektive hören hier schon die ureigenen Merkmale des Schafferschen Sounds, mit dem er dann eine Zeitlang Anfang der 90er knapp vor dem großen Durchbruch gestanden ist. Warum es dann doch anders gekommen ist, ist erstens Gegenstand mannigfaltiger Diskussionen und zweitens hier höchst-wurscht.

Die Songs sind alle knackiger US-Metal Marke ICED EARTH, das prägnante Gitarrenspiel ist da, der Rest der Musiker lässt sich vom Chef auch nicht vorführen und die Stimme glänzt gerne mit KING DIAMOND-Spitzen.

Jetzt ist das alles natürlich idealerweise am 21. Dezember käuflich zu erwerben und die Schallfolien-Metal-Nerds werden wie jeden zweiten Tag reflexartig "Kommerz" schreien und natürlich haben sie damit recht. 25 Minuten für eine CD oder ein MLP-Vinyl ist schon etwas frugal bemessen. Andererseits werden die alten Tapes wohl schon in irgendwelchen Kellern das Zeitliche gesegnet haben und eine neue, bunt schimmernde CD oder ein ebenso neues, gepresstes Erdöl machen die Songs dann wieder für den Fan des Anfangs wie auch neuere Klientel erreichbar.

Einerseits/Andererseits also. Die Songs sind einwandfrei, erfanden auch damals das Genre nicht neu, spielen aber schon ganz oben mit. Andererseits, wer kauft sich eine Fünf-Song-CD? Fragen über Fragen, die sich hier dem weihnachtsgeldbewehrten Metaller stellen. Die Scheibe ist top produziert ohne zu modern zu klingen, die Songs sind stark und ich glaube damals hat Jon-Boy auch noch nicht rote Kappen getragen. Schon klar, letzteres ist nur für linksversifftes Niedermenschentum wie den Verfassertum ausschlaggebend, aber "Out of the blue, it turned into horror / How could they? / Why would they? / The innocent suffered". 

Wiederwald, was wollen Sie uns damit schon wieder sagen?

Fünf Songs aus der Urzeit Jon Schaffers, superb neu eingespielt mit in Hochform agierenden Originalmitgliedern, späteren Mitgliedern, Mitgliedern von Nebenprojekten und dem Chef des Studios höchstselbst. Damals schon hatte er, der Jon, das Händchen für diese kleinen Epen wie nur er, der Jon, sie zu schaffen (...) imstande war. Sound ok, Aufmachung top.

Anständiges Werk, bissi kurz halt...



Ohne Bewertung
Autor: Christian Wiederwald (19.12.2018)

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