IRREVERSIBLE MECHANISM - Immersion

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VÖ: 14.09.2018
Bandinfo: IRREVERSIBLE MECHANISM
Genre: Progressive Death Metal
Label: Blood Music
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Lineup  |  Trackliste

Nach OBSCURAs beeindruckendem "Diluvium" und INFERIs "Revenant", das zugegebenermaßen auch ein wenig zum Melodic Death tendiert, ward das diesjährige Prog-/Tech-Death-Portal für mich eigentlich schon guten Gewissens geschlossen, weil schlichtweg alles Nötige in meine Hörzellen transportiert worden schien. Kurz vor der Schließung des Wurmlochs allerdings tauchte noch eine weißrussische (!) Formation namens IRREVERSIBLE MECHANISM auf, die schon vor drei Jahren mit ihrem Debüt "Infinite Fields" Aufmerksamkeit generieren konnte und nun, mit dem neuen Werk "Immersion", auf dem man nicht nur eine leichte Weiterentwicklung, sondern einen enormen Fortschritt hin zur Autarkie erfassen kann, sogar die Obrigkeit des Genres anvisiert.

Besonders spannend für mich und damit wohl auch für viele, die bisher wenig bis nichts mit dem Quintett zu tun hatten: Aufgrund dessen, dass ich mich nicht sonderlich ausgiebig mit dem bereits genannten Erstling beschäftigt habe, herrschte in mir keine allzu große Erwartungshaltung - weder auf die letztliche Qualität noch auf die stilistische Konfiguration bezogen. Wahrscheinlich hat genau das den Erstkontakt mit "Immersion" amplifiziert, zumal es mit den elektronischen Ambient-Klängen in "Existence I: Contemplation" mystisch eingeleitet wird, den Hörer damit für einige Minuten in fesselnder Erwartung zappeln lässt und erst spät die ersten metallischen Akkorde aussendet - ein Exempel in optima forma für ein Intro, das gleichzeitig das Interesse zu wecken weiß und in Grundzügen die musikalische Vision des Gesamtwerks abbildet.

Zur Erinnerung, weil es schon nach den ersten fünf Minuten in Vergessenheit geraten könnte: Wir sprechen hier über eine Band in den Mittzwanzigern, die mit "Immersion" erst ihr zweites Album eingespielt hat. Und die Verwunderung wird expandieren. Selbst im progressiv-technischen Death Metal, der Subkultur der hochbegabten Techniker (und manchmal auch Songwriter), habe ich persönlich, wenn von obigen Referenzen absehe, lange kein derart kohärentes und mitreißendes Album mehr gehört. Man drückt die Play-Taste und wird umgehend eingesogen; mithilfe geschmackvoller, wohldosierter Clean Vocals ("Existence II: Collision", "Beyond" und "Limbo" z.B.), organischer und dynamisch-weitläufiger Produktion, zahlreicher instrumentaler Twists inklusive post-rockiger Melodien ("Footprints In The Sand", "Abolution" und "Awakening") sowie sphärischer Synthesizer (die Interludes "Simulacra" und "Limbo" sind die Bindeglieder) geschmeidig von einer Station zur nächsten geführt. Im direkten Vergleich verliert beispielsweise ALKALOIDs "Liquid Anatomy", das ich noch am ehesten in einer ähnlichen Ausrichtung kategorisieren würde, eindeutig an Boden.

Wo bleibt also die Kritik, wenn es - nur knapp übrigens - die Höchstwertung verpasst? Es gibt praktisch keine. Trotzdem bin ich speziell bei Progressive/Technical Death Metal aus eigener Erfahrung vorsichtig damit, weil ich lediglich zwei Wochen Zeit dafür hatte, sich die Langzeitwirkung (nicht nur deshalb) schwer erahnen lässt und bei etlichen Alben erst nach vielen Monaten herauskristallisieren konnte - oder eben gar nicht, was auch schon passiert sein soll (Aufschluss darüber wird im Jahresbericht folgen). Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass IRREVERSIBLE MECHANISM mit "Immersion" ein durch und durch grandioses Kunstwerk, ein unstreitbares Jahreshighlight, ein großes Versprechen für die Zukunft realisiert haben, das, man mag es bei einer Spielzeit von 52 Minuten kaum glauben, gerne noch zehn oder fünfzehn Minuten länger hätte ausfallen dürfen. So muss ich letztlich nur noch für mich persönlich klären, ob "Immersion" auch in den kommenden Wochen und Monaten das Zeug dazu hat, sich regelmäßig festzusetzen - unabhängig davon gilt aber: Hier sollten nicht nur Genrefans, sondern grundsätzlich alle Fans virtuoser, fantastisch komponierter und scheuklappenfreier (Metal-)Musik unbedingt reinhören.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (11.09.2018)

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