MARILLION - All One Tonight (Live At The Royal Albert Hall)

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VÖ: 27.07.2018
Bandinfo: MARILLION
Genre: Progressive Rock
Label: earMusic
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Lineup  |  Trackliste

Neues Jahr, neues MARILLION-Livealbum: Nach dem herausragenden „Marbles In The Park“ vom letzten Jahr hauen die englischen Veteranen mit „All One Tonight“ das nächste Konzertalbum heraus. Die Location ist höchst edel: Die Royal Albert Hall in London gilt als einer der besten Konzertsäle der Welt und hat schon viele Kapazunder beherbergt; Und das edle Ambiente passt auch optisch gut zur tiefgründigen Musik von MARILLION. Die lassen sich mit einer tollen Performance inklusive aufwändiger Lichtshow dann auch nicht lumpen, was angesichts der bekannten Treue ihrer Fans (das Konzert war innerhalb einer Stunde ausverkauft) auch das Mindeste ist.

Das Live-Album (bzw. die DVD dazu, wegen der erwähnten Showeffekte sicher zu empfehlen) ist auf zwei Scheiben aufgeteilt, wobei im ersten Teil das letzte Studioalbum „F.E.A.R.“ (Fuck Everyone And Run) aus 2016 komplett (und in der richtigen Reihenfolge) dargeboten wird, und der zweite Teil ist ein Live-Best-Of über den Zeitraum von 1989 („The Space“) bis 2004 („Neverland“).

Starten wir mit der ersten Scheibe: Vogelgezwitscher läutet „El Dorado“ ein, dessen Titel sich wohl nur ironisch auf den derzeitigen Zustand von England beziehen kann. Der Song passt hervorragend als Opener, mit seinem langsamen Aufbau vom Gezwitscher über die Slide-Gitarre bis zum vollen Orchester. Beim vergleichsweise simplen „Living in F.E.A.R.” lässt zum ersten Mal das Publikum von sich hören, was von Fronter Steve Hogarth mit einem kurzen „enough!“ beendet wird. Ist der gute Herr schlecht gelaunt, oder ist das britischer Humor? Egal, weiter geht es mit dem nachdenklichen „The Leavers”, das wie geschrieben für diesen Ort scheint. Von „White Paper” zum starken, eindringlichen „The New Kings” steigert sich die Intensität noch, bevor „Tomorrow’s New Country“ diesen Teil des Abends beendet.

Bei der zweiten Scheibe wird MARILLION dann orchestral begleitet vom „In Praise Of Folly“-Streichquartett, was – so merkt man im Lauf der Scheibe – die perfekte Ergänzung zu MARILLIONs Musik ist und dem Ganzen noch eine zusätzliche Emotions-Ebene hinzufügt. Gestartet wird mit dem ältesten Song, „The Space“ von 1989er Album „Seasons End“. Schon das Streicher-Intro am Anfang erzeugt Gänsehaut, und in der Tonart geht es weiter. Das reduzierte „Afraid Of Sunlight” vom gleichnamigen 1995er Album kann ebenso überzeugen wie „The Great Escape“ vom düsteren „Brave“, wo Hogarth seine ganze Ausdrucksstärke in den Song legt.

„Easter“ wird mit seinem Bezug auf die Unruhen in Nordirland Ende der 1980er Jahre durch eine ergreifende Ansage von Hogarth eingeleitet, bevor MARILLION ganze zehn Jahre weiterspringen, zum tiefenentspannten „Go!“ von „Marillion.com“, wo auch das Publikum wieder beseelt mitsingen darf. Überhaupt folgen jetzt anscheinend Fanlieblinge, der Hit „Man Of A Thousand Faces“ wird am Anfang eingeklatscht und am Ende mitgesungen, „Waiting To Happen“ und „Neverland“ begeistern mit der zusätzlichen instrumentalen Unterstützung.

Klarerweise sind bei diesem Best-Of-Programm dann auch die Fan-Reaktionen enthusiastischer, was sich aber nicht merkbar auf die Ansagen oder die Stage-Show der Jungs auswirkt. MARILLION waren ja (bis auf Hogarth) immer eher für ihre Standhaftigkeit als für ihren Bewegungsdrang bekannt, was auch bei „All One Tonight“ nicht anders ist. Dafür ist die musikalische Qualität – auch dafür sind MARILLION bekannt – erwartungsgemäß hervorragend.

Für die Beurteilung der Scheibe müssen aufgrund der so unterschiedlichen Programme auch unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden; „F.E.A.R.“ ist vorsichtig gesagt nicht das beste Album von MARILLION, dementsprechend fällt der Hörgenuss im Vergleich zum zweiten Teil auch etwas ab. Aber dort ziehen dann die Herren Hogarth, Rothery, Trewavas, Kelly und Mosley mit Unterstützung ihrer jungen, hübschen Musikerkolleginnen eine Show ab, die jeden Ticketpreis und jede Reise nach London wert ist.
 



Ohne Bewertung
Autor: Luka (09.08.2018)

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