THE SPIRIT - Sounds From The Vortex

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VÖ: 09.08.2018
Bandinfo: THE SPIRIT
Genre: Black / Death Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

THE SPIRIT veröffentlichen ihren Erstling, "Sounds From The Vortex", beim Branchenriesen und Gott-sei-bei-uns der wahren, trven und auf jeden Fall einzig Recht habenden Metaller, Nuclear Blast. Kann das gut gehen? Wird hier nicht ein eben erst am Firmament des Frosts erscheinender Stern in seinen ersten Momenten in der Finsternis gleich verheizt? 

"Schau ma amal, dann seh ma´s eh", sagt der Branchenexperte und Reviewer. Man kann mir zwar nicht sagen was besser daran sein soll, wenn man beim singalesischen Freizeitlabel "Röcheldeath Records, Import/Export and Fußpflege Inc." als Platzhirsch sein erstes Lebenszeichen von sich gibt oder als vergleichsweise kleine Band im Pool des größten Metallabels aller Zeiten, aber es wird genügend, yeah Baby - jetzt kommen die Anführungsstriche, "Fachleute" im Metal geben, die mir das garantiert schlüssig erklären können. Für empörte weiße Männer füge ich hier ein "Ironie!" ein.

THE SPIRIT wurden schon analog und digital besprochen, selten aber wurde der offensichtliche Einfluss genannt. THE SPIRIT haben mit DISSECTION ihre leider längst verblichenen Brüder im Geiste gefunden und tragen die Flamme des Chaos, die der viel zu früh von uns gegangene Jon Nödveidt einst so grandios zum Brennen brachte, mit Panache und Würde weiter voran in die Abgründe der Magick. Ob das jetzt inhaltlich wirklich so ist kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber es geht kosmisch rund, also stell ich diese Behauptung erstmal in den Raum. Man könnte als musikalischen Einfluss noch SACRAMENTUM erwähnen, dann weiß man recht klar in welche Richtung der eisige saarländische Wind weht.

Wir haben es hier also mit diesem typischen schwedischen Black Metal zu tun der einst DISSECTION beinahe zur Weltdominanz verholfen hat, hätte Jon-Boy nicht für rund sieben Jahre seinen Lebensmittelpunkt in eine Art betreutes Wohnen verlegt. 2006 hat sich das Ganze dann endgültig erledigt und wir müssen mit zwei grandiosen Scheiben und einem guten, wenn auch anders ausgerichteten Album verweilen. THULCANDRA sprangen in die offene Nische und jetzt geht es eben mit THE SPIRIT weiter. 

Und das machen die vier fröstelnden Knaben wirklich gut. Black Metal mit wirklich brachialem Sound, den man von mir aus auch dem Death Metal entlehnt ansehen kann, die Gitarren flirren, die Stimme knurrt und das Werk ist massig abwechslungsreich. 

Mit dem Intro ist klar, wohin die Reise geht. Man mag jetzt lamentieren, dass es hier nicht übermäßig originell zugeht, aber wenn man das, was man macht, so gut macht, sollte man die Jammerei gerne auch mal hintanstellen. Mir gefällt hier wirklich der brachiale Gitarrensound, den haben die Schweden, und auch ihre deutschen Nachfahren, den meisten Norwegern immer vorausgehabt. Kein auf evil getrimmtes Monoklangbild welches ungefähr so böse ist wie veganes BBQ, sondern richtig defitige Härte. Das mag vielen Untergrundpandas zu heavy sein, aber so muss Metal nun mal auch klingen: HEAVY! Freunde des Count und des norwegischen Briefträgers können gerne in den Wald gehen und ihre kleinen Fäustchen in den Himmel recken, aber wenn wir uns ehrlich sind, ist ein ausgewogen hartes Klangbild deutlich mehr Metal als Vargs "wah wah wah wah". 

Nach dem Intro zieht der eingängigste Track des Albums "Cosmic Fear" in TGV-Geschwindigkeit los, bis man sich in ruhigeren Gefilden auf den Song besinnt. Der Chorus ist ein bisschen kitschig, aber man kann auf einem Debüt nicht alles haben und das deftige Riffing zum Ende hin haut schon, da muss man ehrlich sein, richtig in die dentalen Sechser. Soundwände sind das, Soundwände!

Und diese Walls of Sound begleiten uns durch die gesamten 38 Minuten. Der grandiose Refrain von "The Clouds Of Damnation" ruht ebenso auf den herben Gitarren wie die gnadenlosen Abfahrten deselben Songs. Der Jon-Gedächtnisgesang kommt klar und passend aus dem Soundsystem meiner/eurer Wahl und gefällt. Natürlich. Wie es auch bei den Strömstader Stockholmern der Fall war achtet man auf ein Maximum an Abwechslung, was zeitweise zu etwas zerfaserten Songs führt. Aber auch hier gilt es erneut festzustellen, dass "Sounds From The Vortex" das Debüt einer offensichtlich höchst begabten Band ist.

THE SPIRIT sind DISSECTION wie THULCANDRA DISSECTION waren. Man weiß was man bekommt, und das was man bekommt ist hier wirklich mit Herzblut gemacht und äußerst gelungen. Natürlich wird das Original auf ewig unerreichbar sein, aber das weiß der saarländische Vierer selbst auch und deshalb darf man diesen Tribut, diese gnadenlose Hommage an die schwedischen Urväter durchaus stabil abfeiern.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (10.08.2018)

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