AGE OF TAURUS - The Colony Slain

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VÖ: 18.05.2018
Bandinfo: AGE OF TAURUS
Genre: Heavy Metal
Label: Rise Above Records
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Lineup  |  Trackliste

Hin und wieder bin ich ein durchschaubarer, ja, regelrecht einfach gestrickter Kerl: Ich sehe ein atemberaubend schönes Coverartwork, den Labelstempel von Rise Above Records, lese „produced by Jaime Gomez Arellano​“ - ich greife zu. Wie für Lee Dorrians Qualitätslabel nicht ganz so unüblich, hat man es bei AGE OF TAURUS, deren neuestes Zweitwerk "The Colony Slain" visuell wahrlich vorzüglich beworben wird, mit Doom Metal zu tun. Klassisch epischem Doom Metal, um genau zu sein. Moment mal! Wurde in diesem Bereich dieses Jahr nicht schon alles gesagt? Wenn man den nur ganz minimal überzogenen, immensen Wirbel um SOLSTICE' zweifelsohne höherklassiges "White Horse Hill" als ernstzunehmenden Nachweis dafür betrachten würde, hätte man glatt zu dem Entschluss kommen können, ja. Dem ist aber nicht so. 

Auch AGE OF TAURUS, obschon längst nicht so lange dem aktiven Teilnehmerfeld des traditionell-epischen Doom zugehörig, beherrschen die hohe Kunst des immersiven Songwritings, verzichten dabei ebenfalls, wenn man von dem etwas verstiegenen Geklimper in "Beyond The Westward Path" absieht, komplett auf den Einsatz von Keyboards und konzentrieren sich stattdessen vollends auf das Riff, wie man es dereinst schuf - und natürlich auf zahllose Gitarren- und Gesangsharmonien, die zweifelsohne die Glanzpunkte des in sich schlüssigen Albums sind. Bei den hervorragenden Twin-Leads in "The Trial Of Blackwynn Chaise" oder "In Dreams We Die" muss man sich unweigerlich an die Hochzeit des NWOBHM erinnert fühlen und die manchmal groovigen ("For Treason We Rise"), manchmal galoppierenden Rhythmen ("Taken To The Tower") sollten jedem Fan altsprachlicher Verdammnis ein Lächeln abringen können und dürften mutmaßlich auch denjenigen gefallen, die dem nahezu vollständig erloschenen Doom Metal-Anteil bei GRAND MAGUS schmerzlich nachtrauern.

Am für mich zweiten großen Plus von "The Colony Slain" scheiden sich da vermutlich schon eher die Geister, denn Mastermind Toby Wright, der für einen Großteil der Songideen zuständig ist, neigt am Mikrofon zu einer Tiefenentspanntheit, wie man sie in diesem Subgenre auch noch nicht allzu oft bestaunen. Während andere zu heroischen, manchmal gar theatralischen Ausdrucksformen greifen, sprudeln die grandiosen, zutiefst nerdigen Lyrics, bei denen der ein oder andere Rollenspielfan während einem im heimischen Keller stattfindenden Duell aus Überschwang das Magic-Kartendeck vom Tisch manövrieren könnte (keine Sorge, das ist keine Diskriminierung einer Minderheit, schließlich zähle ich mich auch zu der Gattung), so lässig aus dem Briten, dass nicht selten der Endruck entsteht, als hätte man sämtliche Vocals bei einer entspannten Runde Dungeons & Dragons eingesungen. Die Delivery stimmt dennoch oder gerade deswegen (man nehme einfach nur das melancholische "The Lost Garrison" als Beispiel), weil das im Zusammenspiel mit den Instrumentalen den emotionalen Tiefgang errichtet, der so manche Länge im dreiviertelstündigen Gesamtwerk ausmerzen kann.

Bei der Produktion muss ich an der Stelle noch mal kurz auf besagtes "White Horse Hill" von SOLSTICE zu sprechen kommen, bei dem mir der undynamische Klang eigentlich überhaupt nicht gefiel. Ich möchte damit niemandem, der der felsenfesten Auffassung ist, dass das das einzig wahre Libertalia der episch-klassischen Doom Metal-Produktionen sei, das Herz brechen, aber mir fallen aus dem Stand - und ich bin, ohne überheblich klingen zu wollen, trotz junger Jahre schon viel im Metal herumgekommen - nicht besonders viele Alben mit einem noch fürchterlicheren, hohleren Drumsound ein. Für diejenigen mag der voluminös-organische Signature-Klang eines Jaime Gomez zu modern sein, aber damit täte man dem transparenten Zusammenklang der erdigen Gitarren und dem wuchtigen Schlagzeug-Bass-Gespann schlichtweg Unrecht. Führt man zudem nur die beiden aktuellen Werke von PARADISE LOST und WITH THE DEAD als Referenz an, muss man diesem Herrn schon den ehrwürdigen Titel "Edeltontechniker, an dem man sich messen lassen muss" verleihen und hat dabei noch etliche formidable Beteiligungen außen vor gelassen.

Aber genug davon. Kommen wir zum Fazit: AGE OF TAURUS haben mit "The Colony Slain" ein stimmiges, traditionelles und dennoch frisches Doom Metal-Album erschaffen, das sich nicht nur bestens für unterhaltsame Rollenspiel-Abende eignet (wie ihr das interpretiert, liegt ganz alleine in eurer Verantwortung), sondern vermutlich auch für einen verregneten Tag alleine, an dem man gerne mal in eine andere Welt eintauchen würde. Auch ohne Keyboardunterstützung und kleinerer Makel zum Trotz gelingt den Briten mittels fantastischer Gitarrenarbeit und einem charismatischen, ausdrucksstarken Sänger ein atmosphärisch-episches Doom-Juwel, das folgerichtig über den Gesamtverbund funktioniert und den Vergleich mit anderen aktuellen Veröffentlichungen sicherlich nicht scheuen muss.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (11.06.2018)

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