AMORPHIS - Queen Of Time

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VÖ: 18.05.2018
Bandinfo: AMORPHIS
Genre: Dark Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

AMORPHIS, "Queen Of Time" und der Aufstieg bzw. Fall einer Zivilisation. Hab ich euch bereits? Okay, dann hat sich der Rest ja von alleine erledigt... Spaß beiseite. Ich finde nur, dass die Kombination dieser Gegebenheiten schon sehr viel Lust auf das Album macht und sich alles weitere dadurch erübrigt. Von der abgeschlossenen Tour ab zu den Proben für das neue Album! So in etwa verlief der Zeitplan für die Finnen und dass das alles andere als stressfrei ist, könnt ihr euch denken. Kann so ein straffer Zeitplan Früchte tragen und einem Konzeptalbum wie diesem entgegenkommen? Wenn es nach Mastermind Esa Holopainen geht, dann war das zweifelsohne so! Die Energie der Tour konnte direkt auf das neue Album übertragen werden, schildert er. Tja... Und wenn am Ende wieder Jens Bogren und die talentierten Jungs von AMORPHIS zusammenkommen, dann kann da erneut etwas ganz Großes entstehen. Jens Bogren hatte viele Ideen im Kopf, und wie viele davon haben es aufs Album geschafft? Kurz gesagt - alle. Chor, Saxophon, Orchester und Kehlkopfgesang. Klingt insgesamt exotisch? Ist es auch!

Wollen wir uns nun nicht weiter mit den einfachen Gegebenheiten auseinandersetzen, sondern gehen über zur Musik! Vorweg: Auf das Konzept werde ich abgesehen von dem Miniteaser weiter oben nicht näher eingehen, da ich es für ausgesprochen wichtig halte, das Gesamtwerk hinsichtlich dessen auf sich wirken zu lassen. Dazu später noch mehr. Der Opener "The Bee" beginnt mit Frauengesang, der mit Kehlkopfgesang kombiniert wird. Zack, Aufmerksamkeit ist von Sekunde eins an da. Und wenn das Stück dann noch in einer kleinen Explosion mit Tomis Weltenschrei ausartet, ist die Gänsehaut nicht weit. Die brachialen Tiefseegrowls werden samt orientalisch anmutenden Klängen auf die Strophen übertragen und erzeugen ein so dichtes Konstrukt, da passt NICHTS mehr zwischen. Die Kombination aus der seicht angehauchten Bridge und dem energischen Refrain gibt mir persönlich den Rest. Besser kannst du einen Opener nicht inszenieren... Danach ist also gefühlt alles Fallobst? Mitnichten... "Message In The Amber" überfliegt "The Bee" sogar noch und ich muss vorsichtig sein mit den Superlativen... Doch dieses Album hat den Test der Zeit bei mir bereits bestanden und so gräme ich mich nicht zu behaupten, dass dieser Song der beste ist, den die Finnen in ihrer breit aufgelegten Diskografie je geschrieben haben. Joa, das ist mal eine Ansage. Warum? "Message In The Amber" ist ein Track, der kein groß aufgezogenes Intro aufbaut. Er offenbart sofort das, was den Song ausmacht. Kickstart und die wundersame Melodie erhält Einzug. Mir steht der Atem still und ich lausche gebannt. Was ist das für eine magische Atmosphäre, die hier von Beginn an erzeugt wird? Die ruhigen fast schon balladesk anmutenden Strophen lassen einen melancholischen, typischen AMORPHIS Track auf sich warten, richtig? Falsch! Jene Strophen gehen über in eine brachiale Bridge, die von Tomis Growls komplett zerfetzt werden. Dazu immer wieder die fetten, aber nie übertrieben wirkenden Orchestersounds. Jene Growls werden in den Chorus transportiert und greifen damit den Beginn des Songs samt Melodie wieder auf. So schließt sich der Kreis. Ich habe ungelogen noch NIE derart emotionale Growls in einem Song gehört, die mich auf diese Art und Weise zu berühren wussten... Spätestens beim Chorpart, der leicht verzerrte Frauenstimmen präsentiert und sich in den letzten Refrain rein steigert, standen mir sogar Tränen in den Augen. Solche Songs sind der Grund, warum ich Musik liebe und brauche.

Ich nehme vorweg, dass keiner der folgenden Tracks diesen Ausnahmesong für mich toppen konnte, was ja anhand meiner eben getroffenen Aussage schon in Stein gemeißelt war, doch das schmälert den Gesamteindruck in keinster Weise. Denn auch Songs wie "Daughter Of Hate", das durchweg eine brachiale Gangart anstrebt und gleichzeitig nebenher das Saxophon integriert, bieten so viel Ideenreichtum, den man als Hörer erstmal verarbeiten muss, das aber auch mehr als gern tut! Haben wir hier Fans von "Majestic Beast", das sein Zuhause auf der "Skyforger" findet? Ja? Gut! "Heart Of The Giant" erinnert mich nämlich an jenen Song, obgleich das Gerüst WEITAUS epischer daher kommt, mit Orchester und fettem Chor. Aber die Gangart ist eine vergleichbare und belegt ein weiteres Mal, dass auch Growls "melodisch" klingen können. Wie das geht? Ich habe keine Ahnung, doch dieses Gefühl hat Tomi bei mir schlichtweg erzeugt mit diesem Album. Mein zweites großes Highlight neben "Message In The Amber" ist definitiv "Amongst Stars", das ein wunderbares Feature mit Anneke van Giersbergen beinhaltet. Könnte es ein besseres Duett zwischen Mann und Frau geben? Nein. Dieser emotional ergreifende Beginn mit Annekes ausufernden Vocals, diese behutsamen Strophen mit Tomi und dann erst dieser Refrain, der sich binnen Sekunden steigert und Anettes liebliche Stimme mit Tomis Growls kombiniert... Ganz großes Kino. Kompositorisch gibt es hier wirklich nichts zu mäkeln...

Und bevor ich weitere Songs herausgreife, empfehle ich euch lieber bedenkenlos den Kauf von "Queen Of Time": Wir haben hier ohne Zweifel einen der Anwärter auf das Album des Jahres vorliegen, der die letzten Platten der Finnen fast schon austauschbar wirken lassen. Natürlich übertreibe ich an dieser Stelle bewusst, denn AMORPHIS liefern seit jeher Qualität ab, doch diese Aussage soll am Ende nur verdeutlichen, als was für ein Meisterwerk sich "Queen Of Time" offenbart. Und um meinen Satz von weiter oben nochmal aufzugreifen: Lasst die Musik auf euch wirken, lasst sie zu euch sprechen. Ich habe selten ein Konzeptalbum erlebt, das es vollbringt, mich mit der rein musikalischen Komponente in die Geschichte rein zu ziehen und diese zu erzählen, ohne dass ich auch nur ein einziges Mal die Lyrics gelesen habe. "Queen Of Time" ist ein Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht und nun habe ich mir selbst so viel Lust aufs Album gemacht, dass ich es direkt wieder hören werde...
 

Dieses Review ist Teil unseres AMORPHIS Gangbang-Reviews, welches ihr ab 16. Mai hier finden könnt.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Sonata (14.05.2018)

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