LEAVES' EYES - Sign Of The Dragonhead

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VÖ: 12.01.2018
Bandinfo: LEAVES' EYES
Genre: Symphonic Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Als LEAVES' EYES gegen Ende 2016, nur kurz nach der tendenziell eher unschönen Ausmusterung ihrer langwährenden Ikone Liv Kristine, mit ihrer neugewonnenen Sangeskünstlerin Elina Siirala bereits von "King Of Kings" bekannte Stücke komplett neu vertont präsentierten und damit - nach guter alter Wikingertradition - gehörig im Norden zündelten, dachte man zuweilen schon, dass diese Posse abermals eine hässliche Wendung nehmen könnte. Zum Glück entschied man sich dann aber doch dazu, weitere öffentliche Diskurse zu meiden und zog sich 2017 eher heimlich zurück, um gemeinsam mit dem neuen Stimmchen an dessen Band-Debüt zu arbeiten. Und damit sind wir auch schon bei "Sign Of The Dragonhead", dem sechsten vollwertigen Album der international besetzten Symphonic-Metal-Formation, angelangt.

Der Titel deutet es bereits an: Auch heuer segeln LEAVES' EYES durch skandinavische Gewässer und halten sich auf der Fahrt mit altnordisch angehauchtem Liedgut bei Laune und Temperatur - es ist ja erst Januar. Als wolle man den Kummer vergangener Tage mit aller Wucht wegspülen, beginnt der Titeltrack dementsprechend bombastisch (nein, nicht bierselig) mit vorstürmenden Gitarren und filmischen Chören, ehe Elina Siirala das erste Mal eingreifen darf und genauso mäßig wie auf der EP überzeugt. Der Eindruck bessert sich mit dem folgenden "Across The Sea", das rhythmisch eher an russischen Kasatschok als an nordische Schlachthymnen erinnert, zwar etwas, aber letztlich bleibt der Gesang eine der größten Schwachstellen, was sich selbstredend durch das komplette Werk zieht. Bei den härteren Stücken ist das, auch wenn jegliche Ausstrahlung fehlt, noch ansatzweise zu verkraften, bei eher balladesk ausgelegten Vorstellungen à la "Fairer Than The Sun" fehlt der Finnin allerdings jedwede Variabilität und vor allem das notwendige Gefühl, wodurch sich im Geiste eher eine geschwollene Schnulze aus dem Rosamunde-Pilcher-Universum als eine authentische Szenerie mit nordischem Flair abspielt - da macht ein "Nemo" von NIGHTWISH selbst nach abertausendmaligem Hören immer noch deutlich mehr her.

Um nicht zu einseitig zu argumentieren: Auch im Songwriting vermisst man bei LEAVES' EYES im noch jungen Jahre 2018 die Inspiration, das gewisse Etwas. Was aus instrumentaler Sicht anfangs noch ganz nett anzuhören ist (die wehmütigen Streicher- und Folk-Einschübe in "Völva" sorgen für Atmosphäre), entpuppt sich mit jedem weiteren Song eher als Resterampe von "King Of Kings", das seinerzeit einfach frischer, authentischer und damit - kurz und bündig gefasst - besser klang. Einzige Ausreißer nach dem soliden Beginn: Das flotte "Riders On The Wind", bei dem zur Abwechslung auch mal mit Gitarrenharmonien gearbeitet wird, die sich im Gehörgang festsetzen können, und das abschließende, cineastische "Waves Of Euphoria". Ansonsten fehlen dem Orchester und der herkömmlichen Metalband-Instrumentierung aber oftmals der jeweilige Bezug zueinander; ein Problem, das, amplifiziert durch die typische Mastersound-Backsteinmauer-Produktion, die mit dem Gesamteindruck steht oder fällt, auf dem Vorgängeralbum keineswegs zu vernehmen war. 

Schlussendlich lässt sich zu LEAVES' EYES in dieser Form nur eines sagen: Sie sind verzichtbar geworden. Ungeachtet dessen, was vorgefallen ist, haben sich die Herren Krull und Co. mit dem Sängerinnenwechsel womöglich keinen allzu großen Gefallen getan, denn auch (oder gerade) auf ihrem Full-Length-Debüt fehlt Frau Siirala das Stimmvolumen inklusive Charisma und Authentizität. Dass man ein tolles, skandinavisch-folkiges Instrumental wie in "Rulers Of Wind And Waves" nicht mit diesem Pseudo-Soprano verschlimmbessert hat, ist einerseits zwar löblich, spricht andererseits aber nicht gerade für die gesanglichen Kompetenzen einer Dame, die nicht mal mit einer stetig abbauenden Tarja Turunen, geschweige denn mit einer Dianne van Giersbergen, Simone Simons, Nele Messerschmidt, Liv Kristine, Emmanuelle Zoldan oder Floor Jansen mithalten kann. Anders ausgedrückt: In wenigen Genres kann ein Besetzungswechsel am Mikrofon so stark in's Gewicht fallen wie im Symphonic Metal, schließlich werden die Musik selbst, die Außendarstellung und natürlich auch die Sympathien in den allermeisten Fällen auf einer Person aufgebaut. Ohne Liv Kristine sind LEAVES' EYES aus meiner Sicht jedenfalls nur noch die Hälfte wert, weil eben nicht nur die Stimme, sondern auch die Atmosphäre, die Ausstrahlung fehlt. Zusammen mit der musikalischen Nemesis schlechthin, dem kompositorisch unkreativen Aufwärmen eines erfolgreichen Vorgängers, ergibt das "Sign Of The Dragonhead", ein durchschnittliches Gesamtwerk ohne große Ambitionen auf mehr.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (11.01.2018)

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