CORONATUS - Secrets of Nature

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VÖ: 08.12.2017
Bandinfo: CORONATUS
Genre: Gothic Metal
Label: Massacre Records
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Lineup  |  Trackliste

Alle Jahre wieder kommt – nein, nicht das Christuskind, sondern CORONATUS mit einem neuen Album! Wobei man trotz des abgedroschenen und zu verlockenden Gags ehrlich sein muss, denn die Stuttgarter Gothic/Symphonic-Formation hat sich dieses Mal tatsächlich ein Jahr länger Zeit genommen, um an ihrem nächsten Album zu feilen. Selbiges hört nun auf den Namen „Secrets Of Nature“, präsentiert sich als Konzeptalbum zum Thema Naturmystik – und man hört ihm an, dass sich CORONATUS dieses Mal für ihr inzwischen achtes Studioalbum tatsächlich Zeit gelassen haben.

Am Besetzungskarussel zu drehen haben sich die Schwaben aber nicht nehmen lassen und haben in diesem Zuge die Gesangssektion ordentlich aufgefettet. Denn zusätzlich zu den beiden Damen Carmen R. Lorch (Sopran) und Mareike Makosch (Rockstimme) gesellen sich nun zwei weitere Sänger: Sopranistin Gaby Koss und Sänger Teddy Möhrke. Produktionstechnisch konnte man ohnehin nie herummäkeln, doch auch was das Songwriting angeht, haben sich CORONATUS nun deutlich verbessert. Viele der Titel klingen gestraffter und runder als auf den vertrackten und zerfahren wirkenden Vorgängern und wirken dadurch eingängiger und um einiges zugänglicher.

Das beweist schon der Opener „Howling Wind“, der zwar oftmals schwer nach NIGHTWISH klingt, aber durch guten Aufbau Lust auf mehr macht. Auch „The Hunter“ schlägt in die gleiche finnische Kerbe („Dark Chest Of Wonders“, anyone?), würzt mit einer Prise SABATON-Gedächtniskeyboard und bringt harmonische Gesangsduelle zwischen den Geschlechtern – fertig ist ein formidabler Song, der tatsächlich Ohrwurmqualitäten aufbringt. Gemeinsam mit dem epischen „Mountain Sky“ (hört man da eine Prise SERENITY-Epik?) und dem harmonischen „Sleigh To Asgard“ präsentiert sich die erste Albenhälfte als überraschend stark.

Mit dem ersten deutschsprachigen Song „Die See“ ist es aber mit der Stärke schnell wieder vorbei, läuft doch der Song leider, weitestgehend höhepunktslos, zäh und langatmig am Gehör vorbei. Dafür zucken die Ohrmuscheln bei „The Little People Of Iceland“ nach oben – so hart hat man CORONATOS ja noch nie gehört! Unterstrichen wird die Empfindung von der Entscheidung, die männlichen Gesangslinien mit deftiger, rauchiger Intonation vorgetragen, prominent in den Vordergrund zu stellen. Wenn sich der Song nun noch irgendwie zwischen bombastischen Chorälen, Blastbeats, aus dem Pagan-Bereich entlehnten Arrangements und sattem Riffing entscheiden könnte, welche Richtung er einschlagen möchte, würde es die Wirkung der (auf dem Album generell) starken Gesangsleistung deutlicher unterstreichen. „Dance Of The Satyr“ entwickelt direkt nach dem etwas zerfahrenen Brocken dann leider die Wirkung einer Schlaftablette, während „Tränen des Himmels“ noch einmal den stilistischen Faden des ersten Albumteils aufgreift.

Das dicke Ende kommt zum Schluss: Eine sehr individuelle Interpretation des schwedischen Traditionssongs „Herr Mannelig“, welchem IN EXTREMO einst zu rockigen Ehren verhalfen. Es gibt einfach Titel, deren Stimmung von einem Opernvibrato einfach nur getötet wird - „Herr Mannelig“ in der freien Interpretation von CORONATUS ist leider einer davon.

Bis auf den Ausreißer am Ende und ein paar schwächeren Songs ist CORONATUS aber insgesamt ein überraschend starkes Album gelungen, dem man anmerkt, dass mehr Zeit und Aufmerksamkeit hineingesteckt wurde als noch auf den Vorgängern. Zur Genrespitze können die Stuttgarter damit zwar nicht aufschließen, doch bedeutet „Secrets Of Nature“ einen deutlichen Schritt nach vorne!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (06.12.2017)

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