COMEBACK KID - Outsider

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VÖ: 08.09.2017
Bandinfo: COMEBACK KID
Genre: Hardcore
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Zugegeben, ich bin in den letzten Jahren nie wirklich warm mit COMEBACK KID geworden. Zu dünn war der Sound für Hardcore, zu generisch für Punk – wie der Bauer sagen würde: ‚Weder Fleisch noch Fisch‘. Mit „Outsider“ konnten die kanadischen Hardcore-Krawallmacher jedoch jetzt ein Album abliefern, das mich überrascht hat und trotz aller Besonderheiten, die es birgt, sich keinesfalls als ‚Außenseiter‘ positioniert, sondern gekonnt zwei Genres verbindet. Damit werden COMEBACK KID (für mich) zur ersten Band, der ich das Genre des Hardcore-Punk wirklich anerkennen kann.

Auf insgesamt 13 Tracks kombinieren die Kanadier mal mehr, mal weniger elegant Elemente des klassischen Hardcore und des melodischen amerikanischen Punks, der mit unserem deutschen Punk ungefähr so viel zu tun hat, wie Fox News mit dem ZDF. Vorweg genommen: Bei „Outsider“ handelt es sich keinesfalls um die Art tiefschürfenden, politischen Hardcores nach der Art von STICK TO YOUR GUNS oder der Poservariante (a.k.a. LIONHEART), sondern um ein kurzweiliges und eingängiges Album, das insbesondere dadurch besticht, genauso schnell ins Ohr zu gehen, wie man es auch wieder vergisst. Schon während der ersten drei Songs wird deutlich, dass COMEBACK KID allein in Sachen Songwriting ordentlich zugelegt haben. Der Titeltrack „Outsider“ sowie auch das nachfolgende „Surrender Control“ machen durch eine ausgewogene Mischung eingängiger Cleanpassagen und angemessenem Hardcore-Geballer ordentlich Laune. Besonders angetan hat es mir jedoch „Absolute“, das schon fast Metallica-hafte Töne anschlägt und sich durch Kombination von Hardcore- und Thrash-Elementen zum härtesten Song der Platte mausert.

Insgesamt ist „Outsider“ gespickt mit kleinen Highlights und Leckerbissen für Genreliebhaber. Neben „Somewhere, Somehow“ und „Consumed The Vision“ offenbart sich insbesondere das Finale des Albums als Überraschung. Was sich anbahnt wie die obligatorische Ballade, die im Jahr 2017 auf keiner Hardcoreplatte mehr fehlen darf, nimmt eine unerwartete Wende: Wer sich als Hörer in Sicherheit wiegt und mit „Moment In Time“ dem sanften Abgesang von „Outsider“ zu lauschen gedenkt, der ist COMEBACK KID genau in die Falle getappt. Während das Intro fast sirenenhaft zu benebeln weiß, bereitet die Band im Hintergrund schon die Offensive vor, die (hoffentlich nicht nur mich) sanft an der Schulter berührt und dann mit der 180bpm-Keule aus dem Nichts niederschmettert. Tolles Teil, keine Frage.

Insgesamt stehe ich „Outsider“ etwas gespalten gegenüber. Zwar ist es (ganz subjektiv) das beste Album der Band bisher und weiß auch an vielen Stellen die richtigen Töne anzuschlagen, jedoch fehlt mir häufig das gewisse Etwas, das mich bestimmte Stellen zurückspulen lässt, um die Gänsehaut noch einmal zu spüren. Auch wenn ich nicht restlos überzeugt bin, darf ich doch eine Empfehlung für jeden mit einer gewissen Affinität zum Hardcore und auch zum amerikanischen Punk aussprechen – beides machen COMEBACK KID für sich gesehen solide, kombinieren es aber außergewöhnlich.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (11.11.2017)

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